Kirchweihfest in Lazarevo
Besuch der Lazarfelder Donauschwaben beim Lazarevoer Kirchweihfest vom 28. bis 30. Juli 2011
Der Dorftag (Kirchweihfest) in Lazarevo dauerte in diesem Jahr drei Tage und das angebotene Programm, wie auch die Besucher, waren sehr bunt. Es kann sein, dass die Lazarevoer doch die Unmut der Heiligen Märtyrerin Marina, Madonna des Feuers, die Schutzpatronin des zukünftigen Tempels herausforderten. Sie schickte einen kräftigen Regen mit Wind am zweiten Tag. Zum Glück, waren die Fischsuppen in den Kesseln schon gekocht, so wurden nur die Feuer gelöscht und die zahlreichen Gäste mussten das köstliche Essen stehend genießen, denn alle Bänke und Tische waren, trotz den großen Sonnenschirmen, ganz nass.
Die Feierlichkeit fing am Freitagabend mit Regen an, jedoch hat das Wetter den herzlichen Empfang der donauschwäbischen Gäste aus der Welt, mit dem Herrn Thomas Sauer als Reiseführer und den Rentner aus Lazarevo, nicht beeinflusst. Herr Tomic, der Vorsitzende der Ortssenioren, hat die Gäste begrüßt, und nach serbischen Bräuchen mehrmals auf die Gesundheit und zum Willkommen, zusammen mit den Gästen, ein Gläschen Sliwowitz getrunken, wonach die Geschenke übergeben wurden. Die Ex-Lazarfelder überreichten eine Geldspende und die Einheimischen ein Gemälde mit Banater Landschaft und Bücher.
Der Abend mit Tanz und gemütlichem Beisammensein wird von allen als sehr gelungen in Erinnerung bleiben. Auf der Bühne vor der zukünftigen Kirche stellten sich die Gäste aus Bosnien, der alten Heimat der heutigen Bewohner, mit buntem Folkloreprogramm vor. Am Samstag erstrahlte ein sonniger Vormittag mit blauem Himmel und angenehmer Wärme. Die Anreisenden wurden an der ersten Straßenkreuzung nach Zrenjanin von den Polizisten angehalten und manche auch gründlich überprüft.
Wer schon früher mal in Lazarevo war, der wusste wo er angekommen ist, viele suchten vergebens nach dem Ortsschild mit dem Namen Lazarevo, aber solches gab es nirgendwo...Die Vertreter der Radikalen Partei aus dem Ort hatten im Juni in der Skupstina Zrenjanin vorgeschlagen, dass die Ansiedlung den Namen in Mladicevo (Mladic-Heim) wechselt. Die Mehrzahl der Delegierten war nicht der Meinung, so wird die Ortschaft auch weiterhin Lazarevo heißen. Auch dann, wenn kein Schild darauf hinweist. Im Dorfzentrum sorgten die Polizisten, dass es keine unangenehmen Überraschungen gäbe.
Die feierliche Messe vor der zukünftigen Kirche hat der Banater Vladika Nikanor mit den Pfarrern zelebriert. Die katholische Kirche in Zrenjanin hat für Lazarevo einen Seelsorger, der zugleich Pfarrer der Stadt ist. Msgr. Gyuris László hat Theologie in Graz studiert und spricht ausgezeichnet Deutsch, aber er war nicht Gast bei diesem Kirchffest. Einige der deutschen Gästen spendeten Geld für den Ausbau der orthodoxen Kirche in Lazarevo. Über die starken Lautsprecher konnte fast das ganze Dorf die Messe mitfeiern und die Wörter des Vladika Nikanor hören. Er grüßte die Gäste und sprach über das Zusammenhalten des serbischen Volkes, wobei er die Gäste aus Bosnien und der Republika Srpska und ihre Nachkommen, die im Banat leben, meinte. Es wurde kein Wort über die frühere Zeit und über die ehemaligen Einwohner gesagt. Zu den Gläubigen, die vor der Bühne bei der Messe standen, schloss sich eine Gruppe zugereister Tschetniks (jugoslawische Königstreue) an, in schwarzen feierlichen Uniformen. Sie waren verschiedenen Alters und am Ende haben sie sich mit Transparenten und Fahnen der Suboticaer Abteilung fotografieren lassen, wozu sich auch Lazarevoer zugesellt haben.
Die Organisatoren im Dorf trugen meistens schwarze T-Shirts mit dem Mladic-Bild, auf dem er als Nationalheld bezeichnet wird. Gut verkaufte Souvenirs waren Tassen, Fahnen, T-Shirts mit Mladic-Abbildungen mit den Nationalstolz stärkenden Inschriften. Die Stimmung hebte eine Trompetenkapelle, die vor einem Kaffee auf der Hauptstraße sehr laut serbische Weisen spielte. Zum Mittagessen waren alle Gäste eingeladen. Bei dem Festmahl nahm auch der Vladika Nikanor und die Dorf führenden teil. Der ehemalige Bohnische große Saal war zu klein, so wurden die Tische mehrmals gedeckt. Auf dem Menü war Schafgulasch, Suppe, Schafbraten, Krautsalat und Brötchen, dazu Getränke mit und ohne Alkohol soviel man nur trinken wollte. Im Saal war eine bunte Völkermischung: an einem Tisch saßen die Donauschwaben, dann die bosnischen jungen Gäste, weiter die Tschetniks und die einheimischen Ehrengäste. Damit das Essen besser schmeckt, sorgte eine Sängerin, die vom Turbo-Volk, bis zu den serbischen Heldenliedern alles sang und zwischen den Gästen herumspazierte. An dem Tag wurde Essen für mehr als 500 Menschen serviert, aber es blieb auch für den nächsten Tag und wurde sogar noch an die Armenküche verschenkt. Die kurze Zeit nützten die ehemaligen Lazarfelder und besuchten ihre Elternhäuser. Herr Tomic ging mit einer kleinen Gruppe zu der ehemaligen Mühle der Familie Fochler und hörte mit viel Interesse aus der Vergangenheit der Mühle, worüber der Sohn des Besitzers, Herr Hofrat Dipl. Ing. Peter Fochler der aus Wien anwesend war, erzählte. Die Mühle war bis in die sechziger Jahre im Betrieb und seit dem ist sie immer mehr und mehr dem Verfall überlassen worden. Am Nachmittag wurde die traditionelle Fischsuppe in den Kesseln auf der Dorfstraße gekocht. Es haben sich 66 Teams zu dem Wettbewerb angemeldet. Es wurde auch gegrillt, einige haben Spanferkel, oder Lämmer auf dem Spieß gedreht. Nach der Wertung der Jury hat die beste und schönste Fischsuppe in diesem Jahr das Team "Generacija 55" mit dem Koch Antal Kis aus Mihajlovo gekocht.
Am Abend, nach dem Regen und einem großen Regenbogen über Lazarevo folgten serbische Folklore und ein großes Konzert. Der Sonntag war ein Sporttag, es wurde Fußball gespielt. Die donauschwäbischen Gäste besuchten am Sonntag ihre Elternhäuser und die Gräber ihrer Vorfahren auf dem Ortsfriedhof. Es war auch Gelegenheit, dass man die alten Freundschaften, Erinnerungen auffrischt und neue schließt, denn die Organisatoren haben ihr Bestes getan, so dass die ehemalige Einwohner, heute Gäste aus der Welt, sich wohl fühlen. Eine große Unterstützung bei den Feierlichkeiten gaben die Stadt Zrenjanin und die Firmen "Agroziv" und "Mlekoprodukt". Wie der Dorfvorsitzende mitgeteilt hat, einen großen Beitrag hat auch der Hauptkoordinator dieser Manifestation, Herr Momcilo Zivkovic, Mitglied des Kirchenrates mit dem Ortspfarrer Ivan Popov geleistet.
Marta Istvan
In Lazarevo stehen alle hinter Ratko Mladic
In Lazarevo leben offenbar schon seit 1946 mehrere Verwandte des Angeklagten.
In den frühen Morgenstunden des 26. Mai 2011 wurde der mutmaßliche Kriegsverbrecher Ratko Mladic in der Vuk-Karadzic-Straße in Lazarevo festgenommen. Er wohnte dort offensichtlich bei seinem Cousin und viele Dorfbewohner kennen den angeklagten Kriegsverbrecher persönlich.
Nach dem Bosnien-Krieg kam er offenbar häufig zu Besuch in das Dorf, er soll hier Bienen gezüchtet und die frische Luft genossen haben.
Er wird von einer großen Mehrheit der Serben als Held verehrt und eine Bürgerinitiative will am liebsten das ganze Dorf nach ihm benennen, künftig soll das Dorf "Mladicevo" heißen. Ob die mächtigen in Belgrad das zulassen?
Mehr dazu sehen Sie nach der Werbung unter [http://youtu.be/RFxSNagosag]
Lazarevo heute
Ein Festtag in Lazarevo von Marta Istvan
Die Feierlichkeiten für den "Dorftag in Lazarevo" dauerten auch in diesem Jahr vier Tage. Es wurde das Fest der Heiligen Märtyrerin Marina gefeiert, die zugleich auch die Schutzpatronin des im Bau befindlichen orthodoxen Tempels ist. Marina war die Tochter eines heidnischen opfernden Priesters aus Antiochia, die Christin geworden war. Sie erlitt ihr Martyrium in der Zeit des Kaisers Diokletian. Im Volk ist sie als Madonna des Feuers (Ognjena Marija) bekannt. Dieses ist eines der größten Feste der serbischen Frauen. Es arbeiten an dem Tag die orthodoxen Frauen wenig. Man glaubt, dass die Madonna des Feuers die Schwester des Heiligen Elias ist. Sie ist für den Blitz und der Heilige Elias für den Donner zuständig. Nach dem Volksglauben ist es an dem Tag nicht angebracht Feuer anzuzünden, damit man nicht den Unmut dieser Heiligen herausfordert, denn so ein Feuer könnte sich in einen Brandt ausbreiten.
Es scheint so, dass die Lazarevoer von dieser Sage wenig halten, weil sie spüren, dass sie die Märtyrerin Marina beschützt. Es werden an dem Tag Hunderte Feuer in der Dorfmitte angezündet. Über den Feuern wird ein Kochwettbewerb vorbereitet und mit den dabei gekochten Essen werden die Gäste verköstigt. Die Festlichkeiten fingen am Donnerstag, dem 29. Juli mit dem Empfang der Gäste aus der Republika Srpska an. Aus Bjeljina kam der Kirchenchor ?Sveti Djordje? und vom Berg Ozren, von wo ein Teil der heutigen Bevölkerung der Lazarevoer stammt, die Ethno-Musikalische und Gesangsgruppe mit dem Priester Zoran Ilic und etwa 30 Gäste aus der Gemeinde Petrovo Selo.
Für die Banater war das ein außergewöhnliches Ereignis die Spieler auf der Flöte, Geige, Schargije, dem alten Volksinstrument, zu hören.
Dank der freundlichen Einladung des Herrn Momcilóivkovic, im Namen des Dorfrates von Lazarevo, war ich mit meinem Sohn zu Gast am Festtag, dem 30. Juli. Wir kamen am Vormittag im Dorfe an, als in dem im Bau befindlichen Tempel der Banater Vladika, Herr Nikanor mit dem Pfarrer von Lazarevo, Ivan Popov und mit den Priestern aus den umliegenden Ortschaften das Hochamt zelebrierte. In seiner Festrede, welche Dank der akustischen Anlage weit im Ort hörbar war, sagte Vladika Nikanor, dass sich bei der Märtyrerin das Volk bedankt für ihre Fürbitte und Liebe. Dank ihr wird dieser Tempel beschützt solange es ein Volk in dieser Ortschaft geben wird.
Mit dem Ausbau des Tempels, der ihr gewidmet ist, hat man vor Jahren begonnen, dann wurde die Arbeit unterbrochen. Mit Gotteshilfe, mit der Hilfe des Vaters Ivan, aber besonders des Vorsitzenden der Gemeinde Lazarevo und seinen Mitarbeitern, wie auch des Kirchenrates, wird nun weiter gebaut. Er hat sich bei dem größtennder, dem in Lazarevo geborenen Miodrag Babic, Leiter vom pharmazeutischen Werk Hemofarm aus Vr¨ac bedankt. Der Vladika hat betont, dass dieser Ort von außergewöhnlicher Wichtigkeit für die Eparchie und Region ist. Es wurde ein Haus für die Pfarrei gekauft, man hat auch mit dem Ausbau eines Kirchengemeindesaals begonnen.
Vieles ist getan, obwohl nicht mit so einem Tempo, wie das geplant war, aber man solle nicht mit den Bemühungen nachlassen. Nach der Messe wurde mit dem Paten der Kirche, Novak Golubovic, der Festkuchen geschnitten. Es folgte die Einweihung der 3 Glocken auf dem Kirchenvorplatz. Zwei Glocken von 80 und 150 Kilo hat die Familie des Rade ¦im´ic gespendet, und eine Glocke mit 250 Kilo ist ein Geschenk der Familie des Nedeljko Grujic. Es wird noch auf einen Spender für eine Glocke von 600 Kilo gewartet. Nach der Einweihungszeremonie wurden die Glocken mit einem Kran der Firma GIK Banat, deren Arbeiter auch die Kirche erbauen, auf die Kirchenplatte gehoben. Als sie sich auf dem neuen Platz befanden, wurden sie kräftig geläutet...
Danach gingen die Gäste und die Einheimischen in das Kulturhaus, dem ehemaligen Bohnischen Saal, wo auf uns schön gedeckte Tische warteten. Zum Mittagessen, weil es Fastentag war, gab es Fischsuppe, gegrillte Meeres- und Süßwasserfische, Kartoffelsalat, Brötchen und Getränke (Pepsi Cola, Mineralwasser und Bier). Der Vladika war auch zum Essen geblieben. Die Gäste, ein Chor aus Jugendlichen aus Bjeljina sang ein paar geistliche Lieder. Danach waren wir im allgemeinen Gespräch?
Trotz der Sommerhitze war es sehr lebhaft auf den Dorfstraßen, besonders im Teil um die neue Kirche und in der Richtung zum Fußballplatz, wo schon Reihen von Kesseln aufgestellt waren, denn am Nachmittag gab es einen Wettbewerb im Kochen von Fischsuppe im Kessel, wozu sich 60 Teams gemeldet haben. Diese Zahl war noch nicht endgültig. Die Gemeinde steuerte den Fisch und das Holz bei, die Teilnehmer hatten Kessel und Gewürze zu bringen. Mit den Kochteams kamen auch ihre Fans. Die Köche waren ausschließlich Männer. Das Putzen von Zwiebeln und Karotten ging leichter mit einem Schnäpschen oder kaltem Bierchen zu welchen die Köche die neugierigen Spazierenden einluden. Neben dem Kochwettbewerb waren noch andere Stände von Vereinen aufgebaut, von denen am interessantesten der Stand der Jäger aus Lazarevo an der Ecke der Hauptstraße war. Bei ihnen hielten alle Spazierenden an. Die Neugierigen haben mit Staunen die Dekoration aus Jagdtrophäen wie Fuchs, Hasen und Vögel aus dem eigenen Hotter wie auch Wolf- und Bärenfell aus fremden Gegenden bewundert. Die Jäger aus Lazarevo haben jeden Gast mit fertigem Rehgulasch und heißem, panierten Fisch bewirtet, solange ihre Fischsuppe noch kochte. Es schien so, als ob ihnen die Wertung der Jury für ihre Suppe keine besondere Bedeutung hatte...
Obwohl es Fasttag war, wurden auf der Straße auch Spanferkel und Lämmer gebraten.
Unter einem großen Sonnenschirm hing ein Riesenkarpfen. Sein Fischer, Bóko Bogdanovic aus Zrenjanin sagte, dass er 12,5 Kilo wiegt und auf dem Wehrdamm bei Tomáevac aus der Tami´ herausgezogen wurde. Der Fisch wird, zusammen mit den Freunden, gekocht, paniert und gegessen. Als die Abenddämmerung über das Dorf Lazarevo fiel, verbreitete sich ein berauschender Duft von Essen, Gesängen und Musik. Am Abend standen mittelalterliche, serbische Ritterspiele auf dem Programm.
Ich blieb mit meinem Sohn bis zum Abend im Dorf. Bevor wir Abschied von den Lazarevoern nahmen, haben wir noch in der einzigen Konditorei auf der Hauptstraße sehr gute Eiskrem gegessen.
Ich habe sehr viele Bilder gemacht und hoffe, dass Euch eine kleine Auswahl die Feststimmung übermitteln kann.
Marta Istvan























