Lazarfelder Gedenktafel an der Stadtmauer am Donauschwabenufer in Ulm enthüllt

Am 17. Mai 2014 ging für die Lazarfelder Landsleute, allen voran Sepp Lang aus München, ein lange gehegter Herzenswunsch in Erfüllung. Am Donauschwabenufer in Ulm wurde an diesem Tag pünktlich um 10.30 Uhr unter dem Beisein von 30 Lazarfeldern zu Ehren unserer Ahnen, die Lazarfelder Gedenktafel enthüllt. Selbst Frau Katharina Vieritz geb. Siller (Haus Nr. 285 bei der Bahn) reiste im hohen Alter von 91 Jahren zusammen mit Ihrer Tochter extra aus dem Siebengebirge an, um bei diesem Ereignis dabei zu sein.

Die Feierstunde wurde durch den Landes- und Bundesvorsitzenden der Donauschwaben - Herrn Hans Supritz - eröffnet, der die Anwesenden an diesem geschichtsträchtigen Ort am Donauschwabenufer in Ulm begrüßte. Geschichtsträchtig deshalb, weil es für unsere Ahnen vielleicht einmal der Platz war, von dem aus sie vor der langen Reise ins Ungewisse zum letzten Mal heimatlichen Boden unter den Füßen hatten, bevor sie die Ulmer Schachteln bestiegen, um darauf auf der Donau hinab ins Ungarland zu fahren.


Anschließend begrüßte der 1. Bürgermeister der Stadt Ulm - Herr Gunter Czisch - die drei Generationen  (Erlebnisgeneration, Kinder und Enkel) der angereisten Lazarfeldern . In seiner herzlichen und volksnahen Art ging er auf die historischen Ereignisse der Auswanderung ein und erinnerte an die damalige Zeit der Not und Bedrängnis der Menschen. Durch seine regelmäßigen Besuche in der Vojvodina hat er einen besonderen Bezug zu der alten Heimat unserer Lazarfelder.


Bevor Sepp Lang, der durch seine großzügige Finanzierung* die Tafel ermöglicht hatte,  zusammen mit seiner jüngsten Enkelin  "Janina"  die Tafel enthüllte hielt er folgende Ansprache:

(* zwischenzeitlich haben sich viele ehemalige Lazarfelder beteiligt und für diese Tafel gespendet! Dafür allen ganz herzlichen Dank!)


Sehr geehrter Herr Bürgermeister Czisch

Sehr geehrter Herr Supritz, Bundesvorsitzender der Donauschwaben

Liebe Lazarfelder

Liebe Freunde

Wir sind heute hier zusammengekommen um an einem für unsere Heimatgemeinde Lazarfeld denkwürdigen Ereignis teilzunehmen. Wir wollen an dieser ehrwürdigen Stelle, wo vor 250 Jahren unsere Ahnen voller Hoffnung donauabwärts in eine unsichere Zukunft zogen, eine Gedenktafel enthüllen. Diese Tafel soll daran erinnern, dass weit unten auf dem Balkan, im Banat eine Gemeinde existierte in der 150 Jahre lang Donauschwaben lebten. Mit Stolz und voller Ehrfurcht wollen wir den Leistungen unsere Ahnen gedenken aber auch unserem Schicksal danken, dass uns Überlebenden und unseren Kindern ein Leben in einer sicheren Zukunft beschieden wurde.

Gegründet wurde Lazarfeld 1800 von der Grundbesitzer Familie Lazar aus Etschka. Im Laufe von 150 Jahren hat die Gemeinde 3 mal ihren Namen geändert:

ungarisch:   Lazarföldje

deutsch:     Lazarfeld

serbisch:     Lazarevo

Die Gemeinde besaß zwei prachtvolle Kirchen, ein imposantes Gemeindehaus, vier Schulgebäude, wir hatten Anschluss an die Eisenbahnstrecke Betschkerek-Werschetz. In drei Wirtshäusern mit Tanzsälen wurden die Feste gefeiert. Es gab ein Kino, damals hieß es noch Mosi beim Simon. Das elektrische Licht für die Häuser und die Straßenbeleuchtung kam vom "Fochler". Zwölf öffentliche artesische Brunnen versorgten das ganze Dorf mit gutem Trinkwasser. Ein großer Friedhof war den Toten gewidmet. Die Gemeinde hatte auch einen Ziegelofen.Dass was wir von Lazarfeld als Bild von der Heimat in Erinnerung haben, existiert nicht mehr, die Kirche, das Gemeindehaus, die alten Schulen sind von den Neusiedlern dem Erdboden gleichgemacht worden. Es gibt die beliebten Wirtshäuser Bohn und Budo nicht mehr, auch das Mosi beim Simon ist nicht mehr. Es gibt kein Fochler-Elektrisches und keine artesischen Brunnen auf den Straßen, der Bahnhof ist eine Ruine, es fahren keine Züge mehr. Unser Friedhof ist verwüstet, die Kapelle wurde gesprengt, die Grabsteine entweder um geschmissen oder anderweitig verwendet. Die evangelische Kirche dient jetzt der Gemeinde als orthodoxes Gotteshaus. Es existiert nicht mal mehr ein Ortsschild. Dort leben jetzt für uns fremde Menschen.

Bevor wir nun zur Enthüllung schreiten, möchte ich allen die zur Verwirklichung meines Traumes beigetragen haben, meinen Dank aussprechen, den Künstlern, den Handwerkern, den Beteiligten der Stadt Ulm, unserem Bundesvorsitzenden Herrn Supritz. Aber ein besonderer Dank geht an Frau Geier. Sie hat die ganze Last der Organisation auf unserer Seite gemanagt. Dafür Danke, Monika.

Ich enthülle nun diese Tafel mit meiner jüngsten Enkelin Janina, im Namen und zum Gedenken aller "Alten und Neuen Lazarfelder, der Toten und der Lebenden". Möge die Tafel noch eine Weile, nachdem wir gegangen sind, die hier vorbei Kommenden an unsere einstige Heimatgemeinde Lazarfeld dort unten im Banat erinnern.

Als äußeres Zeichen des Dankes der Lazarfelder Heimatortsgemeinschaft überreiche ich Ihnen - Herr Bürgermeister Czisch - ein in Zinn geprägtes Bild mit den früheren Lazarfelder Wahrzeichen - der Kirche und dem Gemeindehaus - mit einer persönlichen Widmung und Ihnen Herr Bundesvorsitzender Hans Supritz unseren Dank in flüssiger Form, möge er Ihnen Herr Supritz, helfen, den Ärger, den Sie bei der Verwirklichung mit den Lazarfeldern hatten, herunterspülen.

Nach den Worten von Sepp Lang wurden am Auswandererdenkmal, gegenüber der Gedenktafeln, allen Toten der Heimat, des Krieges und der Vertreibung gedacht und ein Blumenbukett niedergelegt.
Beim anschließenden Mittagessen in den  Ulmer Stuben  wurde viel erzählt und alte Erinnerungen aufgefrischt. Gegen 14.30 Uhr traten die Alt- und Neu-Lazarfelder die Heimreise an.

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