"....Das Dorf, wo meine Wiege stand

Wo froh ich wuchs heran;

Den Ort des stillen Jugendglücks

Ich nie vergessen kann...." (Peter Poiger)

 

Gesichte der Gemeinde Lazarfeld 1800 - 1950

"... Das Dorf, wo meine Wiege stand

Wo froh ich wuchs heran;

Den Ort des stillen Jugendglücks

Ich nie vergessen kann..." (Peter Poiger)

 
Die ersten Hundert Jahre Lazarfeld von 1800 bis 1900


Die Gemeinde Lazarfeld gehört zum Landkreis Zrenjanin (Großbetschkerek), Wojwodina (Banat), Jugoslawien (bis 1918 zum Großbetschkereker Stuhlbezirk des Torontaler Komitates Ungarn). Der Ort wurde an jener Stelle angelegt oder angesiedelt, wo ehemals auf der Pußta Martice fünf Häuser standen, welche dann später von hier zwischen Lazarfeld und Sigmundfeld abermals unter dem Namen Pußta Martinica bis 1920 bekannt waren. Die älteren Bewohner der serbischen Nachbargemeinde Botosch nannten deshalb Lazarfeld früher auch noch "Martinica" oder "pet kutja" (fünf Häuser). Die Gestalt des Ortes ist ein Rechteck mit vier Langen- und vier Quergassen und das "Neue Dorf" mit einer Quergasse und zwei Langen Gassen.

Die Nachbargemeinden von Lazarfeld sind: nördlich 8,65 km Kathreinfeld, östlich 13.43 km Sartscha und 10,98 km Ernsthausen, nordöstlich 16,28 km Stefansfeld, südlich 7,19 km Sigmundfeld, westlich 12,47 km Großbetschkerek und nordwestlich 5,29 km Klek. Die Ansiedlung oder Gründung der Gemeinde Lazarfeld geschah im Jahre 1800. Es dürften wohl die Felder bereits im Jahre 1799 im Herbste übernommen und auch bebaut worden sein, doch die Häuser wurden erst in dem erwähnten Jahre aufgebaut. Ein Häuserblock umfasste 2x6 = 12 Joch oder soviel Häuser in den Langen Gassen. ?Wir konnten zwar diesbezüglich", so schreibt Michael Eisler in seiner Monographie, "trotzt eifrigsten Forschungen keine authentischen Dokumente eruieren oder auffinden, doch der Umstand, dass "Lazarfödje" nach seiner Gründung in kirchlicher Hinsicht drei Jahre hindurch zur Pfarrei in Etschka gehörte und alldort der Pfarrer Josef Nagy im Februar 1800 in den Matrikeln den Unterschied zwischen "hiesig" einzutragen beginnt, bestätigt unsere Behauptung. Auch die ersten Matrikeleintragungen zeugen dafür."

Am 11.Oktober 1800 wurde das erste Kind aus Lazarfeld in Etschka getauft. Sie hat folgenden Wortlaut: ?Anno 1800 mense Octobris 11 - a Infantem Mathiam ex Lazarfeld, Parentum Jacobi Veger et Elisabethae conjungis. Levantibus Mathia Koller et Margaretha Ipach. Baptisavit Josephus Nagy, Parochus Locus Etschka?. Deutsch: Am 11.Oktober im Jahre 1800 taufte Pfarrer Josef Nagy im Orte Etschka das neugeborene Kind der Eltern Jakob Veger und dessen Gattin Elisabeth aus Lazarfeld auf den Namen Matthias. Als Paten standen Matthias Koller und Margarete Ipach bei. Der erste Todesfall von Lazarfelds aber lautet wörtlich folgendermaßen: "Anno 1800 mense Julio 2 ? do Danielem Hartmann ex Lazarfalva Aquae submersum Aetatis 19 annorum. Sepelivit Josephus Nagy Paruchus". Deutsch: Am 2.Juli des Jahres 1800 beerdigte Pfarrer Josef Nagy den Daniel Hartmann aus Lazarfeld der im 19. Jahre seines Alters im Wasser ertrunken ist. Daniel Hartmann ist demnach in seinem 19. Lebensjahre verunglückt, im Wasser ertrunken, jedoch wie und wo? Vielleicht geschah dies beim Graben eines Brunnens oder beim Baden der Pferde in der Bega. Daß die Wohnhäuser erst im Jahre 1800 erbaut wurden deutet auf die hohe Sterblichkeit im Jahre 1801 hin, die besonders unter den Kinder sehr groß war, denn von 93 Sterbefällen in der Pfarrei Etschka kamen 48 auf Lazarfeld. Diese hohe Zahl der Sterbefälle lässt sich auf die neugestampften Häuser zurückführen, derer feuchte Wände gesundheitsschädigend wirkten. Im darauf folgenden Jahre (1802) kamen nur 27 Sterbefälle vor, was zwar von 74 Todesfällen in der ganzen Pfarrei auch noch viel sagen will, immerhin aber anzeigt, dass durch das Austrocknen der Häuser der Gesundheitszustand sich gebessert hat. Die Ansiedler, unsere Vorfahren, kamen zum größten Teil aus St. Hubert, Soltur und Scharlewil, den so genannten drei welschen Dörfer, vornehmlich die mit französischen Namen (Massong, Marschall, Champier, Dekreon, Descho, Dippong, Welsch, Kortje, Potje, Gajo, Hary usw. ), wie auch anderen Gemeinden des Nordbanats.

Nikolaus Heß schreibt in dem Heimatbuch der drei Schwestergemeinden St. Hubert, Scharlewil und Soltur im Banat 1770 - 1927 auf Seite 150. "Um die zukünftige Verarmung der mit Kindern überreich gesegneten Familien zu verhüten, bekamen in der ersten Zeit derer jüngere bei der Heirat auch mir unter vom Kameralrat einen anderen Hof mit Session. Auch zogen Söhne oder nach Heirat des Sohnes dessen Eltern und Geschwister nach anderen, später angesiedelten Ortschaften, um dort Haus und Session zu bekommen. So zogen im Jahre 1800 mehrere nach Lazarfeld, "welche damals im Banat angesiedelt wurde". Dazu die Erklärung: Als die 40 deutschen Kolonistendörfer nach 1781 an Edelleute verkauft wurden, wollten sich die drei Schwestergemeinden, um den Zehent und die Robot nicht mehr leisten zu müssen, von der Wiener Hofkammer loskaufen. Diese Anfrage wurde abschlägig entschieden. St. Hubert, Scharlewil, Soltur, Mastort, Heufeld und die Prädium Toba kaufte Feldzeugmeister Graf von Ferraris um 152244 Gulden im Jahre 1795. Zwei Jahre später verpachtete Ferraris das Gut auf 9. Jahre für 13 Millionen rheinische Gulden an Baron Lilien. Die Pacht samt Zinsen mussten die Bauern bezahlen. So kamen viele nach Etschka 1793, Kathreinfeld 1793, Lazarfeld 1800, Sigmundfeld 1809, Klek 1818, Stefansfeld 1795, Ernsthausen 1822, und Sartscha 1805. Es sind Sekundär- oder Zweitansiedlungen. Um nachforschen zu können, woher die Vorfahren der Lazarfelder kamen, habe ich in der zweiten Auflage der Monographie die Siedlungsorte des Banats ausführlich behandelt.

Beim Einmarsch der Russen 1944 wurden die Lazarfelder Pfarr - und Gemeindebücher verbrannt. Zur Ahnenforschung dienen jetzt nunmehr die Mikrofilme der Pfarrbücher des Banats von der Ansiedlung bis 1836 im Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart, Charlottenplatz 17.

Die Gemeinde Lazarfeld erhielt ihren Namen von der grundherrschaftlichen Familie Lazar, Lazarfeld. Pfarrer Nagy, dem Namen nach ein Ungar, schreibt in der ersten Sterbeurkunde Lazarfalva, deutsch: das Dorf Lazar. Diese Benennung finden wir später nicht mehr. Im Jahre 1830 wird das Ungarische als Verwaltungssprache langsam eingeführt und aus Lazarfeld wird Lazarföldje, deutsch: das Feld des Lazar. Das erste Siegel des Pfarramtes, wie auch der Gemeinde, stellt den heiligen Augustinus dar mit folgender Umschrift:  "Sigillum Parochiae Lazarfeldgyeensis," beziehungsweise "Sigillum Communitatis Lazarföldgye." Von welcher Zeit die beiden Siegel stammten, kann man nicht feststellen, vermutlich nach 1830. Beim Siegel der Pfarrei könnte "Lazarfeldgyeensis" noch der deutsche Namen sein, bei dem der Gemeinde bereits die ungarische Bedeutung d.h. Grundbesitz des Lazar. Lazarfeld und Lazarföld ist etymologische Gleichheit (Stammwortgleichheit) Feld = föld, Feld auch Acker, földje heißt Ungarisch nicht mehr mein Feld, sondern mein Grundbesitz. Ich glaube Feld = föld ist die richtige Bedeutung und nicht földje. Nach 1860 wird schon mit Lazarföld, deutsch: Lazarfeld und auch noch Lazarfödje geschrieben. Im Jahre 1868 bekamen im Torontaler Komitate die Gemeinden erneut ungarische Namen und Lazarföldje fällt allmählich weg und gebraucht wird hauptsächlich der Ortsname Lazarföld. Eisler schreibt in seiner Monographie 1900 noch immer Lazarföldje, weil er diese Benennung als die richtige hielt. Nach 1918 bekommt unser Ort den serbischen Namen Lasarevo (lese Laserewo) und nach der Besetzung des jugoslawischen Teiles des Banats durch die Deutsche Wehrmacht im Jahre 1941 hieß unsere Gemeinde wie ursprünglich wieder Lazarfeld. Unsere Leute haben immer Lasarfeld (Las`rfeld) gesagt. Nach 1944 heißt der Ort wieder Lasarevo. Wie schon erwähnt kaufte der Kameralsguts - Pächter Lukas Lazar die Herrschaft Etschka. Sein Sohn Johann Lazar war der Gründer der Gemeinde Lazarfeld. Am 10. Mai 1791 wurde Johann Lazar geadelt und 1793 übernahm er die Verwaltung des Gutes. Im selben Jahr ließ er in Etschka die Kirche erbauen und als Anerkennung erhielten sein Söhne August und Michael am 9. November 1804 das Adelsprädikat de Etschka ("de" = deutsch = von). Johann war auch Vicegespan des Torontaler Komitates und als Offizier spendete er der Militär Akademie Ludovika im Jahre 1808 über 5000 fl. Er starb, 52 Jahre alt, am 20.Juni 1809 in Etschka. Der Erbe war sein Sohn August. Ursprünglich gab es in Lazarfeld 105 ganze und 32 halbe Sessionen (Bauerngründe). Zu einer ganzen Session gehörten 32 Joch, und zwar: 24 Joch Äcker (8 Joch Winterflur, 8 Joch Sommerflur und 8 Joch Brache), 3 Joch Wiesen, 3 Joch Hutweide, 1 Joch Wiengarten und 1 Joch Hausplatz (12 Kl. Breit und 133 Kl. Lang); eine halbe Session aber bestand aus 16 ½ Joch uzw. 12 Joch Äcker (4 Joch Winterflur, 4 Joch Sommerflur und 4 Joch Brache). 1 ½ Joch Wiesen 1 ½ Joch Hutweide, ½ Joch Weingarten und 1 Joch Hausplatz. Hernach wurden die drei Langen Gassen an beiden Enden mit je 2 Kleinhäuslern verlängert, so dass nun auch 12 Kleinhäusler angesiedelt waren. Später erhielt noch jedes Haus 1/3 Joch Kleegarten.

Der ursprüngliche Ansiedlungsvertrag war nicht aufzufinden, man musste sich auf die Angaben alter Leute stützen, um zu erfahren, welche Verpflichtungen die Ansiedler der Grundherrschaft gegenüber hatten. Gemäß diesen Angaben zahlten eine ganze Session jährlich 32 fl. Bargeld, 16 Metzen Weizen, 16 Metzen Hafer oder Kukuruz (Mais) und noch 2 Joch für die Herrschaft frei zu bearbeiten. Die Halbbauern dagegen zahlten jährlich 13 fl. 30 kr. Lieferten 6 Metzen Weizen, 3 Metzen Gerste, 3 Metzen Hafer, 9 Metzen Kukuruz, außerdem hatten sie ebenfalls 2 Joch frei zu bearbeiten und jährlich 12 Tage Robot (Fronarbeit, Knechtschaft) zu leisten. Die Häusler waren mit jährlichen 6 Tagen Robot belastet. Die ganzen Sessionen waren anfänglich von der Robot befreit. Diese Angaben und Gebühren wurden jedoch bei jener Erneuerung des Vertrages besonders durch Hand - und Zugkraft erhöht. Nach einigen aufgefundenen, aus den Jahren 1840 - 1855 stammenden ?Frohnbüchlein? war die Schuldigkeit in Getreide noch immer 16 Metzen Weizen, dazu kamen aber 8 Metzen Gerste, 8 Metzen Hafer, 12 Metzen Kukuruz, ferner 16 Robot, 2 Tagfahrten, ein Tag Weizentreten mir 8 Pferden und 2 Theißfuhren nach einer ganzen Session. Somit sind es 12 Metzen und 21 Tage Hand? und Zugkraft jährlich mehr geworden. Die Halbbauern aber zahlten in dieser Zeit schon 16 fl. Die Naturalienabgabe blieb dieselbe, ebenso die Robot, doch hatten auch sie ebenfalls ein Tag und eine Theißfuhr nebst einem Tag treten mit 4 Pferden zu leisten. Unter Theißfuhr versteht man Getreide bis zur Theiß abliefern und dort Baumaterial anfahren. Die Entfernung von Lazarfeld bis zur Theiß bei Neu Betsche beträgt 60 km oder bis Titel 50 km. Auf Wie viele Jahre der Ansiedlungsvertrag zwischen den Ansiedlern und der Grundherrschaft seinerzeit geschlossen, und wie oft er später erneuert wurde, konnte, wie schon erwähnt - nicht festgestellt werden. Laut einem in dem Kapitel über "Volks und Landwirtschaft" angeführten Kauf- und Verkaufsvertrag im Jahre 1822 finden wir seitens des herrschaftlichen Plenipotentiäten (Bevollmächtigter) Lapady, der den Vertrag mit der Genehmigungsklausel versah, die Berufung auf den am 29. September 1813 abgeschlossenen herrschaftlichen Kontrakt. Demnach wurde der Ursprüngliche Vertrag schon im Jahre 1813 erneuert, erweitert oder ergänzt. Am 30. August 1807 nachmittags um 4 Uhr brach in Großbetschkerek ein Großfeuer aus und die ganze Innenstadt wurde ein Opfer der Flammen, nur die zwei Kirchen bleiben vom Feuer verschont. Das Archiv im Komitatsgebäude, in dem vermutlich auch der Ansiedlungsvertrag von Lazarfeld aufbewahrt war, wurde vom Feuer vernichtet.

Die Bewohner der Gemeinde Lazarfeld gehörten von 1800 bis 1803 zur Etschkaer Pfarrei, sie hatten in ihrer Gemeinde bloß ein Bethaus, wo sie zu gemeinschaftlichem Gebet zusammen kamen. Als Bethaus wurde zuerst das Haus mit der Hausnummer 78, später jenes von Nr. 68 benützt, bis die Gemeinde nach 1800 das Schulhaus erbaute. Bis zum Bau der Kirche wurde der Gottesdienst im Schulhaus Nr. 100 abgehalten. In der Historia Domus (Hausgeschichte) des Pfarramtes Lazarfeld erwähnte Pfarrer Hilarius Felix, dass der Etschkaer Pfarrer Josef Nagy in einem an das Schulhaus angebauten Saal über zwei Jahre hindurch die Sakramente den Gläubigen spendete. Im Jahre 1803 erhielt die Gemeinde, durch die Grundherrschaft als Patronatsherrschaft, ein selbständiges Pfarramt (Hausnummer 98) und dieses hat seit dieser Zeit auch eigene Matrikeln. Der erste Pfarrer war Hilarius Felix aus dem Orden der Misericordianer (Barmherzigen), er kam von Beodra und wirkte in Lazarfeld von 1803 bis 1805. Die erste Taufe fand, den hiesigen Matrikeln zufolge, am 1. Januar 1803 statt. Getauft wurde die Tochter Barbara der Eltern Adalbert Potie und seiner Gattin Margarethe, als Paten standen bei: Anton Kräuter und Barbara Morel. Als erster Todesfall ist vom 3. Januar 1803 die zweijährige Margarethe Scheuer verzeichnet und am 8 Februar fand eine Doppelhochzeit statt. Getraut wurden Jakob Vorwirth mit Katharina Weiß und Johann Weiß mit Ursula Vorwirth, bei beiden Paaren waren Adalbert Potie und Lorenz Reich Trauzeugen oder Beistände. Da es nicht möglich war, den Ansiedlungsvertrag mit einem Namensverzeichnis der ursprünglichen Ansiedler aufzufinden, wollen wir hier aus den Geburt - und Sterbematrikeln der ersten drei Jahre jene Namen, die 1944 in Lazarfeld vorgekommen sind, wie auch jene, die in dieser Zeit nicht mehr vorgekommen sind, anführen. Vorkommende Familiennamen sind folgende:

Bohn, Bartl, Fent (Pfendt), Fillips, Friedrich, Gajo, Harsch, Hunermann (Heinermann), Kayser, Kipper, Koch, Kristof, Lartie (Lardy), Lung, Mayer, Mie (Michi), Neu, Pent (Pfendt) Prem, Der, Simon, Schaf, Snaider (Schneider), Smidt (Schmidt), Staibel, Wagner, Welter, Wolf.

Nicht mehr vorkommende Familiennamen sind Folgende:

Bell, Busbacher, Taics (Deutsch), Eberhardt, Finadsi, Grindler, Heck, Hein, Holtz, Ipach, Jung, Kolleth, Kappel, Kuwie, Lambing, Melinger, Morel, Potie, Rab, Rath, Rayer, Rettinger, Szutrel (Sotrel), Wambach, Weiß, Weiß.

Nach dem Pfarrer Hilarius Felix wirkte von 1805 bis 1806 Johann Gerstli als Pfarrer in Lazarfeld, er ging nach Lowrin und wirkte dort segensreich bis zu seinem Tode 1820. Während der Wirksamkeit des Pfarrers Johann Gerstli wurde das Kreuz an der Straße gegen Kathreinfeld errichtet, wie dies die nachfolgende Urkunde bestätigt, sie Lautet:

"Contract". ?Welchen ich Endesgefertigter heute, als an dem untenangesetzten Datum und Jahre von mir gegeben, unter folgenden Bedingniße: Daß ich Adrian Marschall hierortiger Innsaß das zum Andenken des für uns gekreuzigten Heiland von mir auf der Kathreinfelder Straße errichtete Kreuz, zu erhalten, und zwar im gehörigen und christlichen auf erbaulichen Stand: mich Verbinde; Aus diesem bedacht habe ich ein Stiftgeld von 30 fl. als ein immerwährendes Kapital angelegt, von dessen alljährlichen Zinsen auch nach meinem Ableben zu erhalten seyn wird obgedachtes Kreuz: Die hierortiger Kirchen Kassa Abzulegen?. Lazarfeld. D. 9. Junius 1805. (L.S. ) Johann Schneider, Schulz. Adalbert Potie, Geschworener. + Blasius Dipol Geschworener. Dominikus Harsch.

Nach Johann Gerstli kam als Pfarrer Emanuel Degen aus dem Orden der Cap. Franziskaner und wirkte in Lazarfeld bis 1808. Während seiner Amtszeit wurden die Kreuze an der Straße gegen Sartscha und Großbetschkerek und vor dem Friedhof aufgestellt. Auch diese Kreuze wurden von einzelnen Familien errichtet und deren Erhaltung durch Stiftungsgelder gesichert, wie dies aus der folgenden Urkunden ersichtlich ist:

"Pro Memoria". "Da der Geist Gottes und Regierer der Menschlichen Herzen Zweien ehrwürdige Männer von Lazarfeld Hr. Albert Potje, Handelsmann, und Hr. Peter Forwith Mühleninhaber allhier, welche beyde als Eiferer und Beförderer der Religion und des ächten Christentums rühmlich bekannt sind, dahin bewogen hat, daß Sie, um das Andenken des Leidens und Sterbens unseres Heylandes Jesu Christi in den Herzen der Gläubigen zu erneuern und das große Geheimnis unserer Erlösung zu verherrlichen, zwey erhabene Kreuze samt daran gehefteten Kruzifixe auf eigene Kosten verfertigen ließen. Demnach ist die Errichtung und feierliche Einweihung gedachter Kreuz ex Gratiosissimo Indultu Illustritatis Suae Eppalis die 9 - a Decembris 1806 per R. D. Parochum Szarcsensem Johannem Ludov. Bellner geschehen.

Das von Albert Potje gestiftete Kreuz kam außer Ort am Wege gegen Stefansfeld zu stehen; das andere aber, nämlich des Peter Forwith war vor seinem Haus mitten in der Gasse versus Coemeterium (Friedhof) errichten und eingeweiht. Damit aber die beyde Kreuze auch von den Nachkommen der edeldenkenden Guthäter bis auf die spätesten Zeiten erhalten werden möchten, so machen Beyde eine Stiftung, jeder in 30 fl. Sage: Dreißig Gulden, welches Geld wirklich richtig und paar angelegt und laut beyliegenden Obligationen sub Littera A. et B, des zweyten aber nämlich des Peter Forwith 30 fl. Stiftungsgeld bey Heinrich Bartl, Wirth allhier gegen Erstattung jährlicher Interesse 6 fl. angelegt worden. Zur Beglaubigung und Sicherheit alles dessen ist gegenwärtiger Stiftungsbrief von beyden Guthätern und Errichten der Kreuze eigenhändig Unterfertigte und von dem Orts Gerichte mit Namens Unterschrift und Gemeinde Sigill bestätigt worden". Sig. Lazarfeld d. 14. December 1806. Adalbert Pottie Johann Schneider, Schulz Peter Vorwith L. S. Andon Greüter, ge Johann Heck, ge Schworener Sic est. Emanuel Degen Paroch, Adm.

In derselben Zeit wurde auch das Kreuz an der Straße gegen Großbetschkerek von Georg Morel errichtet und für die Erhaltung hinterlegte er als Kreuzstiftungskapital 28 fl.

Im Jahre 1807 wurde der Bau der Kirche begonnen und 1809 vollendet. Kurz vor der Kirchenweihe verstarb der Gründer der Gemeinde Lazarfeld am 20. Juni 1809 Johann Lazar. Die feierliche Weihe erhielt die Kirche durch den Pfarrer und Dechant Adam Magditsch aus Großbetschkerek am 12. November 1809. Zum Kirchenpatron wurde der Namenspatron des Grundherrn und Erbauer der Kirche August Lazar, der heilige Augustinus gewählt. Er war Bischof von Hypo und Kirchenlehrer. In der Regel war es so eingeführt, daß die Grund- und Patronatsherrschaft die Kirche erbauen ließ, doch die Bewohner des Ortes mussten die dazu notwendigen Hand- und Spanndienste leisten.

Die Bewohner der Gemeinde Lazarfeld hatten nun wohl ihre eigene, schöne Kirche, doch fehlte ihr die innere Einrichtung, für welche die Gemeinde zu sorgen hatte. Die Gemeinde war in dieser Zeit noch arm und konnte sich keine größeren Auslagen leisten. Um die notwendigen Einrichtungen für das durch die Patronatsherrschaft erbaute Gotteshaus anschaffen zu können, entlehnte sie als Korporation ( Körperschaft) die vorher angeführten Kreuzstiftungen und stellte der Kirche Obligation wie folgt wörtlich aus: Obligation

"Wir Unterfertigte als Vorsteher machen hiermit bekannt in Namen, und auf Einwilligung der Ganzen Gemeinde, daß wir das Stiftungsgeld zur Erhaltung der auf unseren Teren errichteten Kreuze, und zwar von Adalbertus Potje 30 Rh. H. von Peter Forwith dem älteren 30 Rh. H. von Adrian Marschall 30 Rh. H. und von Georg Morel 28 Rh. H. in Summa 118 Rh. H. übernommen haben um dieses Geld zur Einrichtung der neu aufbauten Kirche zu verwenden und an der statt des Interessen obligirt sich die Lazarfelder Gemeinde die oben genannten Kreuze, immer, und ewig zu reparieren und zu erhalten. Sig. Lazarfeld den 3. Dezember 1809. ( L.S.) Adalbert Pottie, Ortsrichter, Heinrich Dell, Geschworenen. Johann Heck, Geschworener. + Johann Steinmetz, + Joseph Welter Adam Wagner, + Lorentz Wolf, + Frantz Schira, + Gregor Mie, + Heinrich Ney, + Conrath Gemel. Ezen összeget Lazarfölje közseg az 1897. evi November ho 3- an minden hiany nelkül visszafizette es a keresztek tovabi fentartasa alol felmentetett. Lazarföldje, 1897. evi nov. ho 3 - an. ( L.S.) Olajos Jozsef, Plebanos. Deutsch: Diesen Betrag hat die Gemeinde Lazarföldje am 3. November 1897 voll zurückbezahlt und somit von der weiteren Erhaltung der Kreuze entbunden. Die Gemeinde hatte demnach volle 88 Jahre hindurch für die Erhaltung der Kreuze gesorgt und laut Bestätigung des Pfarrers Josef Olajosch das seinerzeit entlehnte Stiftungskapital zurückgezahlt, somit auch sich der von ihren Vorfahren ihr auferlegten Verpflichtung entledigt.

"Das Jahr 1810", schreibt Eisler in seiner Monographie, "bildet den Glanzpunkt in der Geschichte von Lazarföldje. Im genannten Jahre fand nämlich ein Ereignis statt, das, unserem Wissen gemäß, keine Gemeinde Ungarns in ähnliche Beispiele aufweisen kann und das von dem schönsten, innigsten Verhältnisse zwischen Herrschaft und Untertan beredtes Zeugnis abgibt. Die Grundherrschaft wählte die ganze Gemeinde zum Paten ihrer neugeborenen Tochter und der Ortsrichter(Bürgermeister) trug das Kind in Vertretung der Gemeinde zur Taufe. Diese Tatsache ist im Taufprotokoll zu Etschka wie folgt eingeschrieben:

Anno 1810 mense Augusto die 30-a Infantem Emiliam, Luduvicam, Vilhelminam Parentum Illustrissimi Domini Augustini Lazar de Etska Insurrectionalis Militiae Collonelli et Illust. Dominae Elisabethae leg. Conj. Levantibus Nomine totius Communitatis Lazarfeld: Alberto Potie judice. Baptisavit Josephus Nagy Parochus loci." Deutsch: Am 30. des Monats August 1810 hat Josef Nagy, Ortspfarrer, das Kind Emilie, Ludovika, Wilhelmine der hochgeborenen Eltern August Lazar de Etschka, Insurrektions Oberst und dessen. hochgeborenen gesetzlichen Gattin Elisabeth getauft. Taufpate war im Namen der ganzen Gemeinde Lazarfeld Adalbert Potie, Richter.

Daß hochgestellte Personen, Grafen und Fürsten, selbst gekrönte Häupter bei niedrigen, armen Leuten als Paten fungierten, war damals keine Seltenheit; daß aber hochgestellte Personen, wie in diesem Falle eine Herrschaft, ihre armen Untertanen zum Paten wählten, war vor 1848 gewiss etwas Einmaliges. Durch diese Patenschaft war die ganze Gemeinde in vorzüglicher Weise geehrt und ausgezeichnet. Die Gemeindebewohner waren aber auch nicht wenig stolz auf ihre Patenschaft, denn so oft und bei welcher Gelegenheit immer von der Herrschaftstochter die Rede war, hieß es stets: "Das ist ja uns're Godl." Die Godl war an einen holländischen Edelmann Benzon verehelicht und starb kinderlos am 15.Oktober 1871 zu Etschka."

Die im Jahre 1811 stattgefundene Devalvation (Herabsetzung) des Geldes in seinem Werte war für Österreich- Ungarn, also auch für unsere Gemeinde, von großem Nachteile. Die Schuldenlast des Landes betrug 1060 Millionen Gulden, eine damals unerhört hohe Summe. Das Silber und Gold verschwand gänzlich aus dem Verkehr. Es konnte nur durch die Herabsetzung des Geldwertes dem trostlosen Zustande ein Ende bereitet werden. Der Wert des Geldes wurde auf ein Fünftel herabgesetzt, die Staatsschuld sank demnach auf 212 Millionen Gulden herab; aus 5 fl. wurde l fl. Auch das Kupfergeld wurde herabgesetzt. So wurden 15 Kreuzer (damals 1/4 Gulden) 3 Kreuzer, 30 Kreuzer (damals l/2 Gulden) 6 Kreuzer, beide Kupfermünzen waren später als Groschen- und zwei Groschenstücke bekannt. Diese Geldentwertung brachte viel Leid und Verwirrung, denn jeder Staatsbürger verlor dadurch über Nacht vier Fünftel seines Vermögens.

So freudevoll das Ereignis der Taufe der Grundherrschaftstochter für. Die Gemeinde Lazarfeld war, umso schmerzlicher berührte die Lazarfelder der tragische Tod des Michael Lazar in unserer Gemeinde. Im Herbst des Jahres 1815 gerieten die Brüder August (Erbauer unserer Kirche) und Michael Lazar wegen der Verteilung einiger Ochsen in einen Streit, welcher auch auf deren Untertanen überging. Michael Lazar, in Neupetsch wohnend, kam nach Etschka und ließ ohne Wissen seines Bruders August Lazar die Ochsen wegtreiben. Letzterer befahl seinen Leuten, die Tiere wieder zurückzubringen, doch wurden sie durch die Leute des Michael Lazar verhindert. Die Untertanen der beiden Brüder teilten sich in zwei Lager und es entspann sich ein förmlicher Krieg zwischen den Bewohnern von Lazarfeld (Anhänger des Michael Lazar) und jenen von Sigmundfeld und Etschka (Anhänger des August Lazar.) Verfolgt von den Leuten seines Bruders, flüchtete Michael Lazar in das Lazarfelder Gemeindehaus, das damals noch Herrschaftshaus war. Einer von den Verfolgern schoss durch die Zimmertür und verwundete Michael Lazar. Der Schwerverletzte wurde in das Lazarfelder Pfarrhaus gebracht und dort gepflegt. An den Folgen seiner Verwundung starb der 43-jährige Michael Lazar am 11. Dezember 1815 und wurde in der Familiengruft in Etschka begraben.

Die ganze Begebenheit war auch in Druck erschienen, doch hat die Grundherrschaft sämtliche Exemplare eingesammelt und vernichten lassen. Pfarrer Pater Illuminatus Galyi, der von 1808 ? 1825 in Lazarfeld wirkte, erwähnt in der "Historie Domus", das sowohl im Jahre 1814, aber besonders im Jahre 1815 außergewöhnliche große Regengüsse die Felder der Gemeinde überschwemmten. Sogar die Straßen waren überschwemmt, der Verkehr zwischen Lazarfeld und Großbetschkerek, Lazarfeld und Etschka war unmöglich. Durch das Hochwasser konnte das Feld nicht bestellt werden, die Ernte fiel aus und es herrschte Hungersnot. Dazu kam noch ein strenger Winter; am 2. Februar 1816 brach eine so außergewöhnliche Kälte ein, dass die Leute es nicht wagten, aus der Stube zu kommen. Noch lange nachher erwähnten die Lazarfelder diesen überaus kalten Tag, den sie nur den "kalten Montag" nannten.

Wie schon erwähnt, waren Umsiedlungen aus den Kontraktualistengemeinden häufig. Nach dem vierten Türkeneinfall suchte man für das schwach besiedelte Grenzgebiet neue Siedler. So verließen 20 Familien im Jahre 1817 unsere Gemeinde und wanderten nach Franztal bei Semlin. Die Gründe der Umsiedlung sind heute schwer festzustellen. War es der im Jahre 1813 erneuerte Ansiedlungsvertrag oder aber die letzten nassen Jahre, wo das Grundwasser hochstieg und Hungersnot verursachte, oder vielleicht auch beides.

Die erste Kirchenorgel kaufte die Gemeinde im Jahre 1815 am 9. Oktober um 1150 fl. W.W. Zum Kaufpreis spendete die Grundherrschaft 500 fl. Es war eine gebrauchte Wäld'sche Orgel und wurde von der Gemeinde Marienfeld gekauft, von Lazarfeld kam sie 1883 nach Neusin, Orgelbauer Wälder war damals sehr bekannt, daher trifft man im Banat viele Wäld'sche Orgeln.

Der bis zum Jahre 1884 im Gebrauch gewesene Baldachin (Himmel) wurde im Mai 1815 angeschafft. Zur Anschaffung des Baldachins spendeten: Josef Kräuter 50 fl., Andreas Jakschitz 10 fl., Heinrich Kappel 5 fl., Peter Vorwith der ältere 20 fl. und Simon Franges (der spätere Zoldy de Zold) Sfl. zusammen 90 fl. Die Kirchenkasse gab noch 53 fl. dazu, somit kostete der Baldachin 143 Gulden W.W. Zur Anschaffung des neuen Baldachins spendeten: Josef Massong HNr.95, dessen Bruder Peter Massong, Johann Welter und Franz Welsch je 40 fl. Ö.W. Ihre Namen waren in den vier Trägerstangen vermerkt. Die Stifter und später ihre Nachfolger trugen bei Prozessionen den Baldachin, er zierte unsere Kirche im Presbyterium bis zur Vertreibung.

Die erste kleine Glocke kaufte die Gemeinde im Jahre 1804, sie wurde in Großbetschkerek auf den Namen des heiligen Florian geweiht. Am 4. Juni 1817 fand in Lazarfeld die erste Firmung statt. Bei dieser Gelegenheit weihte der Bischof Ladislaus Kößeghy de Remete die damals angeschafften zwei größeren Glocken feierlich ein. Die größere, fünf Zentner schwere Glocke wurde der seligsten Jungfrau und Muttergottes Maria, die kleinere, drei Zentner wiegende Glocke aber dem heiligen Augustinus zu Ehren geweiht. Diese beiden Glocken zersprangen gegen Ende des Jahres 1888 und wurden dann durch den Glockengießer Anton Novotny in Temeschwar für den Betrag von 500 fl. umgegossen.

Unter Beibehaltung derselben Namen wurden die Glocken in Temeschwar geweiht und wieder ihrer Bestimmung übergeben. Das nötige Geld entlehnte sich die Gemeinde aus der Kirchengeldstiftungskasse und zahlte den Betrag später nach und nach aus der Kultuskasse wieder zurück. Im zweiten Jahr des ersten Weltkrieges (1915) musste die Gemeinde die zwei großen Glocken für die Kriegsindustrie abliefern. Im Kirchturm blieb bloß die kleine Glocke. Erst nach acht Jahren konnte man wieder neue Glocken anschaffen. In der Gemeindekasse fehlte aber dafür das nötige Bargeld, daher streckte Herr Johann Brem zinsfrei der Gemeinde für den Glockenkauf 50000 Kronen vor. Die Gemeinde kaufte in Modosch zwei neue Glocken. Die dritte, große Glocke spendete allein Herr Michael Bohn im Jahre 1928. Der alte hölzerne Glockenstuhl wurde durch ein Eisengerüst ersetzt. Das Glockengeläut war im A-Akkord abgestimmt. Das festliche Geläute der vier Glocken war weit über unser Dorf zu hören und rief bis zur Vertreibung an Sonn- und Feiertagen die Gläubigen zum Gottes-Dienste. Noch im selben Jahre, 1817 spendeten Simon Franges (nachmals Zoldy de Zold) und Peter Vorwith der ältere der Kirche für 200 fl. W.W. eine Altarlampe, welche bis zum Jahre 1893 im Gebrauch war. Im gleichen Jahre spendete das Ehepaar Franz und Anna Klötzl 100 fl. Ö.W. zum Ankauf einer neuen Altarlampe, die bis zur Vertreibung erhalten blieb. Im Jahre 1821 zählte unsere Gemeinde 1332 Einwohner.

Nach 17-jährigem segensreichem Wirken starb am 17. November 1825 der allgemein beliebte Pfarrer Pater Illuminatus Galyi aus dem Franziskanerorden. Er war der erste Pfarrer, der in Lazarfeld begraben wurde. Nach ihm war Sylvester Jablonsky vom 17.November 1825 bis 26.März 1826 als Pfarradministrator tätig. Er war später Pfarrer in Jabuka (Apfeldorf) und starb als Jubilarpriester in Startschewo. Auch Johann Lener, der nach dem Pater Illuminatus Galyi die hiesige Pfarrei erhielt, starb nach zweijähriger Wirksamkeit am 8.Mai 1828 und ist ebenfalls in Lazarfeld begraben. Die "Historie Domus" erzählt uns ferner, daß am 24.September (am Tag des hl. Gerhardus) und am 15. Oktober (am Tage der hl. Theresia) des Jahres 1826 der Erzieher bei der Grundherrschaft, Pater Scheftschick jedes Mal ein feierliches Hochamt hielt.

Auf dem Chore wurden unter der Leitung des Kapellmeisters Kratochwill von dem berühmten Musikkomponist Kratochwill aus Bayern in Anwesenheit der herrschaftlichen Familie musikalische Messen aufgeführt. Die Orgel spielte der junge Grundherrnsohn Sigmund Lazar. Aus welchem Anlasse die beiden Festmessen stattfanden, ist nicht angegeben. Vermutlich wollte man von den musikalischen Kenntnissen des Grundherrnsohnes Zeugnis geben. Ob der genannte Kapellmeister Kratochwill mit dem damaligen berühmten Regensburger Domchordirigenten und Komponisten Kratochwill identisch ist, wäre ebenfalls noch aufzuklären. Nach dem verstorbenen Pfarrer Johann Lener kam Adam Schwerthöfer am 1.Juni 1828 als Pfarrer nach Lazarfeld und wirkte bis 20.März 1842. Wegen seines dichten, Aufwärtsstehenden Haares nannten ihn seine Gläubigen "Stachelpfarrer". Alte Leute erzählten noch später, daß er ein äußerst strenger, in seinem Dienste aber überaus eifriger Priester gewesen sei, so dass in dieser Hinsicht niemand, selbst sein ärgster Feind ihm nicht näher treten konnte.

Brautleute mussten öfters wochenlang auf ihre Trauung warten, bis sie die vorgeschriebene Religionslehre und die üblichen Gebete erlernt hatten. Auch soll er ein besonders großer Feind des Tabakrauchens gewesen sein. Wer dem Pfarrer begegnete und seine Pfeife nicht rechtzeitig verbarg, musste sie vor ihm zertreten. Auch die auf dem Wagen fahrenden Raucher ließ er, besonders zur "Beiführzeit", stille halten, nahm ihnen die Pfeife ab, legte sie unter das Wagenrad und hieß sie dann fortfahren. Man muss bedenken, daß dieses drastische Vorgehen noch vor 1848 war.

Im Frühjahr des Jahres 1831 trat eine bisher unbekannte, furchtbar ansteckende Seuche, die "Asiatische Cholera" auf, welche selbst die kräftigsten Menschen innerhalb einiger Stunden dahinraffte. Diese schreckliche Krankheit, der Tausende Menschen zum Opfer fielen, wurde durch Tataren, welche die Russen im Kriege gegen die Polen einsetzten über Galizien nach; Ungarn eingeschleppt. Hauptsächlich forderte die Seuche ihre Opfer auf den Dörfern, wo es noch kaum Ärzte und Apotheken gab. Dieses Jahr war auch für die Bewohner unserer Gemeinde recht traurig. Der erste Cholerafall ereignete sich in Lazarfeld am 1. April und diese fürchterliche und schreckliche Krankheit muss in unserem Dorf außergewöhnlich arg gewütet haben. Wenn wir bedenken, das in diesem Jahre 311 Todesfälle waren, von welchen über 250 der Cholera zum Opfer fielen, können wir uns ein beiläufiges Bild von dem großen Unglück, das unsere Ahnen traf, vorstellen. Das war die erste Cholera in Lazarfeld und dauerte bis 10.Oktober. Besonders viele Ehegatten wurden durch diese schauerliche Seuche von einander getrennt. Noch im gleichen Jahre wurden 42 und im nächsten Jahre aber 46 Ehen geschlossen, also eine Zahl, die in den folgenden hundertfünfzehn Jahren nicht mehr erreicht wurde.Im Banat wütete die Cholera auch noch in den Jahren: 1836, 1839, 1849, 1859, 1866, 1873 und 1893. In Lazarfeld jedoch nur in den Jahren 1836, 1849 und zuletzt im Jahre 1873, stets in geringerem Grade.

Am 7. August 1833 starb in Etschka der Grundherr und Erbauer unserer Kirche Insurrektions - Oberst August Lazar. Alleinerbe war sein Sohn Sigmund Lazar. Die Mutter des neuen Grundherrn Elisabeth geborene Gyorogi Edelsbach half ihm bei der Verwaltung des Gutes. Im Jahre 1834 brannten die zwei Rossmühlen beim Friedhof ab. Der Besitzer ließ die zwei Gänge wieder aufbauen. Am 3. Mai 1836 war zum zweiten Mal Firmung in Lazarfeld und zwar durch Bischof Josef Lonowitsch de Krivina. Bei dieser Gelegenheit hielt der Bischof auch die übliche kanonische Visitation. Laut diesem kanonischen Visitationsprotokoll war der dritte Tag der drei höchsten Feiertage (Weihnachten, Ostern, Pfingsten) schon seit dem Bestand der Pfarrei als Gemeindefeiertag gehalten worden, an welchem stets um 7 Uhr früh das Allerheiligste zur Anbetung ausgesetzt und um 9 Uhr ein Hochamt, nachmittags aber Litanei abgehalten wurde. Auch der 1. Mai und der 2. Juli galten als Gemeindefeiertag und zwischen diesen beiden Tagen wurde jeden Donnerstag ein Hochamt gegen Hagelschäden gelesen. Es waren dies die so genannten "Hagelämter" welche halten zu lassen die Gemeinde gelobt hatte und von ihnen werden wir später noch mehr berichten.

Im Frühjahr 1841 war der ganze Hotar der Gemeinde abermals infolge der vielen Regengüsse arg überschwemmt. Trotzdem der Sommer trocken war, ging in diesem Jahre die Fechsung verloren. Bei regennassen Jahren hat das steigende Grundwasser stets Überschwemmungen verursacht. Wenn innerhalb kurzer Zeit mehr als die Hälfte des jährlichen Niederschlagsdurchschnitts (660 mm) niedergeht, so übertrifft die Ballung des Wassers das Speichervermögen des Bodens und verursacht Überschwemmungen. Weil unser Hotar eben ist und kein Gefälle hat, versuchte man das Wasser durch Gräben abzuleiten. So wurde noch in diesem Jahre durch die Untertanen als Robotleistung der heute noch vorhandene tiefe Graben zwischen der Herrschaft Etschka und Itebe gegraben. Er verbindet die Sozov (Schos'e) mit der Bega und sollte das Regen- und Schneewasser ableiten. Leider hat der Graben nur teilweise seinem Zweck entsprochen, er blieb immer nur ein Gemeindegrenzgraben.

Vorgekommene Elementarereignis und - Schäden in den Jahren von 1830 ? 1850 waren: Der überaus kalte und lange Winter von 1830, auf welchem ein unfruchtbarer Sommer folgte. Die Ausdünstungen der vielen, anhaltenden kalten Niederschläge von 1831 trugen zur Ausbreitung der eingeschleppten Cholera wesentlich bei. Am Christiehimmelfahrtstag, 12. Mai 183; vernichtet der Schneefall in Begleitung von großem Frost die junge Saat. Zur großen Trockenheit in diesem Sommer kam noch die Feldmäuseplage, die restliche Herbsternte so vernichtete, daß die Haustiere fast verhungerten. Die zwei Erdbeben in der Nacht vom 23. Dezember 1837 und am 23. Jänner 1838 waren so heftig, daß die Schornsteine vieler Häuser einstürzten und Risse an den Gebäuden verursachten. Im Sommer 1838 stand ein Teil unseres Hotars wieder unter Wasser. Im Jahre 1846 herrschte abermals ähnlich wie vor zehn Jahren eine große Trockenheit. Der Sommer des Jahres 1849 brachte sehr zahlreiche Heuschreckenschwärme, die über die Ernte fielen und sie teilweise vernichtete. Die Wanderheuschrecke wird bis sechs Zentimeter lang und durchzieht fliegend große Gebiete.

Pfarrer Adam Schwerthöfer kam im Jahre 1842 von Lazarfeld nach Glogowatz und seine Stelle erhielt Pfarrer Karl Christ. Wegen des schadhaften Turmdaches musste der Kirchturm in diesem Jahre abgetragen und ausgebessert werden. Der frühere schlanke, spitzige Turm erhielt jetzt eine kuppelförmige Gestalt, die bis zum Einmarsch der Russen im Oktober 1944 erhalten blieb. Im Jahre 1849 ließ die Gemeinde das Sanktuarium recht geschmackvoll ausmalen, diese Malerei zierte die Kirche bis zum Sakristeibrand 1891

Im Jahre 1848 kam es in mehreren Ländern zu neuen gewaltsamen Versuchen, eine neue freiheitliche Ordnung zu erreichen. Aus Frankreich griffen die Unruhen auf deutsche Länder über und pflanzten sich nach Österreich fort. Hier waren es vor allem die Ungarn, die nach nationaler Freiheit und staatlicher Unabhängigkeit drängten. Kaiser Ferdinand I. 1835 - 1848 (bei den Ungarn der V. und Sohn des Kaisers Franz I. 1792 - 1835) wollte den übertriebenen Forderungen der Ungarn nicht nachgeben. So griffen die Ungarn zur Gewaltanwendung, vertrieben die Vertreter des alten Staates und erklärten sich zu einem freien und unabhängigen Ungarn. Ihr Anführer war der nationalistische Vorkämpfer Ludwig Kossuth. Die in Ungarn lebenden anderen Nationalitäten, die mehr als die Hälfte der Bewohner zählten, konnten sich mit der ungarischen Alleinherrschaft nicht abfinden. Der Kaiser sorgte sich um ihre nationale Zukunft und betrachtete sie als seine Bundesgenossen. Diese konnten sich noch eher der Herrschaft des Kaisers und Österreichs in einem übervölkischen Staate unterwerfen als einer Bevormundung durch neue, nationalistisch eingestellte Machthaber in einem neuen ungarischen Staatsgebilde. Seit den Türkenkriegen wurde das Donauland jetzt erstmalig wieder zum eigentlichen Kriegsschauplatz. Die Ungarn kämpften gegen die kaiserlichen Heere. Gegen die Ungarn erhoben sich die Serben, die Kroaten, die Slowaken und später die Rumänen. Die serbischen Gesandten von Neusatz verlangten anfangs April 1848 von der neuen ungarischen Regierung in Pressburg ihre nationale Freiheit und Selbständigkeit. Die Regierung lehnte ihre Forderungen ab. Schon am 24. April hissen die Kikindaer Serben im Banat ihre Fahne auf das Rathaus, forderten die Aufteilung der Staatsfelder, vertrieben die dort. kasernierten Husaren (Reiter) und plünderten die Stadt. Während Oberst Ernest Kiss, Grundherr von Elemir und Itebe, die aufständischen Serben in Kikinda niederschlug und ihre Anführer erhängen ließ, versammelten sich 300 - 400 Serben in Betschkerek und verbrannten vor ihrer Kirche die in ungarischer Sprache geschriebenen Matrikelbücher.

Der serbische Nationalkongress, in Karlowitz rief am 13.Mai 1848 den Erzbischof von Karlowitz Josef Rajasitsch zum Patriarchen aller Serben der Monarchie und die serbische Wojwodschaft aus. Sie wählten den Obersten Stephan Schuplikatz zum Wojwoden der serbischen Nation. Ihr Anführer Stratimirowitsch rief die Serben der Monarchie zum Freiheitskampf gegen die Ungarn auf. Die Sammellager waren Alibunar, Tomaschewatz, Perles, Lagerdorf und in den Römerschanzen. Oberst Drakulitsch organisierte den Aufstand in den Gemeinden der Militärgrenze. Die Militärgrenze, bis 1848 ein unter österreichischer Militärverwaltung stehendes Gebiet Ungarns, wurde am 7. Mai 1848 an Ungarn zurückgegeben und das in Ungarn stehende kaiserliche Militär dem ungarischen Verteidigungsminister unterstellt. Dies löste nicht nur bei der slawischen Bevölkerung Unwillen aus, sondern auch beim österreichischen Militär. In den Lagern sammelten sich etwa 10 000 Aufständische, ihnen schlossen sich Serbianer (aus dem Fürstentum Serbien) an, die aber hauptsächlich auf Mord und Raub eingestellt waren. Anfangs zählte das serbische aufständische Heer 20 000 Mann. Ihnen gegenüber standen 10 000 gut bewaffnete ungarische Honved, unter der Führung von Bechthold und Kiss.

Zum ersten Kampf kam es am 15. Juli 1848 zwischen den Serben aus dem Perlaser Lager und den Ungarn. Am 23. Juli besetzte Stratimirowitsch Pantschowa und schlug dort seinen Sitz auf. Weitere kleine Kämpfe fanden am 3. August bei Neusin, 5. August brannten die Serben Ernsthausen und einen Teil von Sartscha nieder. Weitere Kämpfe am 28. August wieder bei Etschka, am 29. August bei Stefansfeld und 5. Oktober in Sigmundfeld usw. Der Feldhüter Matthias Herf aus Sigmundfeld wurde bei Tomaschewatz von den Serben geköpft und sein Kopf auf eine Lanze an der Brücke aufgespießt. Die Ungarn erhielten von der Regierung Verstärkung und so konnten sie Drakulitsch angreifen. Die erste größere Niederlage erlitten die Aufständischen am 3. September bei Perles. Das Dorf wurde von den Ungarn niedergebrannt und ganz zerstört. Kiss ließ in Sigmundfeld ein Feldlazarett errichten. Die Bewohner unserer Gemeinde waren deshalb in ständiger Aufregung und Furcht, daß auch ihre Wohnstätten über Nacht eingeäschert werden könnten. Mit den notwendigen Habseligkeiten waren die Wagen beladen und zur Bespannung immer in Bereitschaft gestanden. Damit man aber rechtzeitig von der drohenden Gefahr verständigt sei, wurden an der Südseite des Ortes, von woher man den Feind zu erwarten hatte, strenge und verlässliche Wachen aufgestellt. Ein großes Glück für unsere Gemeinde war General Ernest Kiss, dessen Hauptquartier in Betschkerek war, von wo aus er die zahlreichen Angriffe der Serben in unserer nächsten Nähe, im Dezember bei Jarkowatz, Tomaschewatz, Botosch und Sigmundfeld, abwehrte. Der zweite Beschützer unserer Gemeinde war der gefürchtete Räuberhauptmann Schandor Rozsa, der sich mit seiner 200 Köpfe zählenden Freischaar (Reiter) mehrere Wochen in Lazarfeld und Klek aufhielt. Den Serben war sein Aufenthaltsort bekannt, daher mieden sie unsere Gemeinden. Schandor Rozsa wollte sich im Freiheitskampf seines Vaterlandes bewähren, damit er für seine früheren argen Vergehen begnadigt werde. Er wohnte in dem Hause Nr.103 war leutselig und freundlich, verkehrte mit den Dorfbewohnern, lud Gäste ein und bewirtete sie. Wegen seines heiteren Wesens, seiner flinken Bewegungen und lebhaften Ganges gefiel ihm der Bauer Johann Lardy (Stef's Hansi) besonders gut. Bei einer Gelegenheit behauptete Lardy er könnte den Räuberhäuptling bekämpfen. Er ging auf einen Ringkampf ein wobei ihm Lardy tatsächlich besiegte. Darauf ' richtete er folgenden Antrag: "Lardy, bisher hat mich noch keiner besiegt, komme mit mir, ich nehme dich in meine Gefolgschaft auf!" Bei seinem Abzug von Lazarfeld wollte Schandor Rozsa den ihm lieb gewordenen Lardy allen Ernstes dazu überreden, dass er mit ihm ziehen möge. Lardy aber dankte für die Ehre und blieb Zuhause.

Ende August traf der Räuberhauptmann mit seinen Reitern in Werschetz ein. Er sollte, von dem ungarischen Ministerium begnadigt, seine Reiter anführen und die Stadt schützen helfen. Sein Erscheinen auf dem südlichen Kriegsschauplatz löste bei den ungarischen Offizieren Empörung aus. Im Kampfe um Lagerdorf nahm auch Rozsa mit seinen Reitern teil. Dort zeigte es sich, daß seine Leute mehr auf das Morden und Plündern ausgingen; das führte schließlich zu Auflösung seiner Truppe. Im Jahre 1860 wurde Schandor Rozsa nach Kufstein abgeführt.) Die Ereignisse der Revolution waren die Auswirkung tatsächlich vorhandener nationaler politischer Kräfte, die nicht mehr zu übersehen waren. Eine Neuordnung des Staates musste deshalb mit diesen Gegebenheiten rechnen. Es war Österreich nur mit russischer Hilfe möglich, der Revolution Herr zu werden. Der Staat war nicht mehr in der Lage, die widerstrebenden Kräfte, die hauptsächlich aus der nationalen Orientierung kamen, zu bändigen. Österreich musste deshalb seine Existenz auf eine neue Grundlage stellen, andernfalls trieb es unweigerlich der Auflösung und dem Untergang entgegen. Am 5. Januar 1849 zogen die österreichischen Truppen unter Führung des Herzogs Windischgrätz in Budapest ein. Nachdem sich die ungarischen Truppen aus Südungarn zurückzogen, konnten die Serben ohne Widerstand dieses Gebiet besetzen. Banat und Batschka wurden Bestandteil der neu geschaffenen österreichischen Provinz "Serbische Wojwodschaft und Temescher Banat", mit Temeschwar als Hauptstadt. Als Militärkommandant und später als Landesoberhaupt der Wojwodschaft und des Banats wirkte bis 1851 Ferdinand Mayerhofer. Er arbeitete schon früher als österreichischer Gesandter in Serbien mit den Aufständischen auch auf militärischem Gebiet eng zusammen. Eine serbische Wojwodschaft gab es in Wirklichkeit auf ungarischem Boden nie.

Auf dem großen Gebiete, das die Aufständischen beanspruchten, lebten mehr Nichtserben als Serben. Ihren Wünschen stand man in Wien von vornherein ablehnend gegenüber. Darum wurde auch das Deutsche als Verwaltungssprache im Banat bis zum Ausgleich 1867 wieder eingeführt. Mayerhofers Nachfolger wurde General Graf Johann Cronberg. In dieser so genannten Bachzeit legte Österreich im Banat und in der Batschka die Grundbücher an und gründete Steuerämter. Am 4. Jänner 1851 erschien die erste deutsche Zeitung "Das Wochenblatt", in Betschkerek.

Im Jahre 1852 bereiste der junge Kaiser Franz Josef I. den größten Teil der neu gegründeten Wojwodschaft, ließ auf Staatskosten Straßen bauen und ordnete die Regulierung der Flüsse Theiß und Bega an. Nach dem verlorenen Krieg im Jahre 1859 gegen Italien, söhnte sich der Wiener Hof mit seinen Völkern aus. Die Ungarn forderten die Auflösung der "Serbischen Wojwodschaft und Temescher Banat". Die amtliche Auflösung geschah am 27. Dezember 1860. Die erste Abgeordnetenwahl für den Landtag fand am 23. März 1861 statt. In unserem Wahlbezirk St.Georgen wählte die Bevölkerung Willibald Bogdanowitsch. Schon am 22. August ließ der Kaiser diesen Landtag bis zum Ausgleich 1867 auflösen. Kaiser Franz Josef I. regierte von 1848 bis 1916 und war der Neffe des Kaisers Ferdinand I. (bei den Ungarn der V.). Wie schon erwähnt, stellte Kaiser Joseph II. das freie Zugrecht der Bauern her. Durch das Urbarialgesetz vom Jahre 1836 wurden die kleineren Dienstleistungen, Abgaben von Hühnern, Eiern, Butter usw. abgeschafft, nur Robot und Zehent hielt man noch aufrecht. Erst der Landtag vom Jahre 1848 hob endlich in seinem IX. Gesetzartikel das Frondienstwesen, Robot und Zehent mit allen Abgaben der Bauern an ihren Grundherrn für ewige Zeiten auf. Dies galt jedoch nur für die Urbarialisten. Der nächste Landtag sollte die Lage der armen Kontraktualisten endgültig regeln. Wegen der Revolution trat das Gesetz erst im Jahre 1873 in Kraft.

Die denkbar traurigste Vergangenheit hatte die Gemeinde Lazarfeld in der Zeit von 1855 bis 1879. Der Pachtvertrag zwischen der Grundherrschaft und der Gemeinde lief 1855 ab und sollte wieder erneuert werden. Den veränderten Zeitverhältnissen entsprechend, hätten die Lazarfelder als Kontraktualisten auch größere Lasten übernehmen sollen. Der Grundherr Sigmund Lazar de Etschka, k.k. Generalmajor a.D., hielt sich damals in Bukarest auf und überließ die Abschließung eines neuen Vertrages seinem Bevollmächtigten Josef Lapady, der sich alle Mühe gab, eine neue Vereinbarung mit den Untertanen seines Herrn zustande zu bringen. Er versprach, einen Vertrag auf 20 bis 30, ja sogar auf 50 und noch mehr Jahre abzuschließen. Dabei machte er die prophetische Bemerkung, es werde eine Zeit kommen, in welcher man seine wohlgemeinten Absichten zu spät erkennen werde. Leider hatte er recht! Die armen Kontraktualisten, einerseits durch die Urbarialansiedler befreienden 1847/48. Gesetze, anderseits durch die Schlagworte: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, wie auch durch gewissenlose Agitatoren verblendet und irregeleitet, waren zur Abschließung eines nur unwesentlich schwereren Vertrages, als sie bisher hatten, nicht zu bewegen. "Nicht 20 bis 30 Jahre dauernde Verträge brauchen wir, auf ein Jahr lautende Kontrakte ist zu lange, das Feld gehört unser", sprachen einige Wort- und Anführer. Dadurch kam es zu einem gänzlichen Bruch. Einige von den Besonnenen sahen wohl ein, dass die Weigerung einen neuen Vertrag zu schließen, zu keinem guten Ende führen kann. Weil sie jedoch in der Minderheit waren, trauten sie sich nicht, ihrem Bedenken Ausdruck zu verleihen.

Der herrschaftliche Bevollmächtigte, einsehend die Erfolglosigkeit seiner Bemühungen, zog sich zurück und stellte weitere Verhandlungen ein. Erst im Herbst 1855 meldeten sich 60 Lazarfelder zur Abschließung des neuen Pachtvertrages. Jeder Pächter sollte 19 Joch Feld erhalten, nämlich 4 Joch für Wintersaat, 4 Joch für Hafer, 4 Joch für Mais, 4 Joch in der Brache und 3 Joch Hutweide. Doch war die Pacht bedeutend höher, denn sie mussten jetzt jährlich für ein Joch 4 Metzen Weizen, 7 Metzen Hafer, 12 Metzen Mais in Kolben oder 6 Metzen in Kern in das herrschaftliche Magazin abliefern und noch 2 Joch Weizen sowie 2 Joch Mischling für die Benützung der Hutweide frei bearbeiten. Es ist verständlich, daß sich die Bauern gegen diesen hohen Pachtvertrag (früher für ein Joch etwa 1,5 Metzen) auflehnten. Jeder, der solchen Vertrag einging, erhielt auch zugleich noch so viel Halbscheidfeld, als er bearbeiten konnte. Wer den neuen Vertrag nicht unterzeichnete, erhielt auch kein Halbscheidfeld. Zuletzt blieben nur noch 42 Lazarfelder, die auf diese Bedingungen eingingen, alle übrigen blieben ohne Pachtvertrag und somit auch ohne Feld. Die Grundherrschaft ging soweit, dass sie die so genannten "Anführer" als abschreckendes Beispiel sechs Familien mit ihren Habseligkeiten aus ihren Wohnungen auf die Straße setzte. Wir wollen die sechs Lazarfelder namentlich anführen:

Peter Steibel, Jakob Heindl, Bernhard Kern, Johann Valery, Josef Bering und Filipp Schwemlein.

An deren Wohnungen waren wohl Siegel angelegt, doch sobald die Gerichtskommission sich entfernt hatte, kehrten unsere tapferen Lazarfelder mit ihren Habseligkeiten ganz einfach wieder in ihre Wohnungen zurück. Bezüglich der Weingärten wurde bestimmt: Wer Pachtvertrag genommen hatte, gab von der Weinernte Zehent (den 10. Teil) und durfte ungestört seine Weintrauben schneiden; wer keinen Vertrag nahm, durfte auch nicht lesen, die Fechsung nahm die Grundherrschaft. Später wurde 1 Joch Weingarten jährlich für 16 fl. verpachtet. Bezüglich der Intravillangründe (Hausplätze) wurde in dieser Zeit folgendes vereinbart: Wer vom Hausplatz Vertrag nahm, zahlte jährlich 8 fl.; wer ohne Vertrag blieb, musste jährlich 16 fl. zahlen. Diejenigen, die von ihrem Hausplatz keinen Vertrag annahmen und demnach jährlich 16 fl. zahlen sollten, blieben in der Regel mit dieser Schuld natürlich im Rückstand, was in einigen Jahren eine bedeutende Summe ergab.

Da ließ die Herrschaft mehreren Schuldnern auf gerichtlichem Wege ihre Häuser versteigern. Wegen Mangel an Lizitanten erreichten einige Häuser den Betrag von nur 40 - 100 fl. Auf manchen Häusern lasteten 250 - 300 fl. Einige Hausbesitzer lösten ihren Intravillan (Hausplatz) für 20 Kreuzer pro Quadratklafter, also ein Joch mit 320 fl. ab und kamen als Eigentümer in das Grundbuch. Diese waren die ersten Besitzer in Lazarfeld. Doch durften sie in ihrem Hausgarten keine Weinreben zur Weinbereitung ohne Genehmigung der Herrschaft pflanzen und laut erhaltenem Gewährschein kein Gewölbe (Kramladen oder Geschäft, weil in der Ansiedlungszeit das Haus der Standesherrschaft gewölbt war) eröffnen oder Branntweinbrennerei errichten.

Solche, schon im Jahre 1855 abgelösten Hausplätze waren die Häuser auf Nr. 56, 57, 70, 71, 72, 73, 74, 94, 97, 216 (später 68), 217 (später 104 ), 122 und 136.

1856 brannte auch das Haus Nr.18 des Anton Sehr nieder. Dazu trat noch am 1. November 1858 die österreichische Währung (Ö.W.) in Gültigkeit. Die Lage der Lazarfelder gestaltete sich unter diesen Umständen immer kritischer. General Ernest Kiss de Elemir und Itebe wurde als Oberkommandierender der ungarischen Truppen in Südungarn am 6.Oktober 1849 in Arad erschossen und sein ganzes Vermögen beschlagnahmt. Familie Kiss war ungemein reich, das Silberzeug allein soll 20 Zentner gewogen haben. Sein Denkmal stand von 1906 - 1918 auf dem Hauptplatz in Großbetschkerek.

Schon einige Jahre vor Ablauf des Pachtvertrages mit der Grundherrschaft pachtete die Gemeinde Lazarfeld und einzelne Bewohner von dem beschlagnahmten Feld der Herrschaft Kiss auf der Pußta Kenderesch. Es waren nur einige hundert Joch und sie zahlten jährlich für das Joch 10 - 12 fl. Pacht. Die Anzahl der Joche, welche auf einen Bauer entfiel, war zu gering und so geschah es, daß die Fechsungen verlebt wurden, der Pachtzins aber im Rückstand blieb. Dazu kam noch das trockene und dürre Misserntejahr 1863. Es bestand vor allem so große Futternot, dass die Leute die Stroh- und Rohrdächer von den Scheunen und Schuppen dem Vieh im Winter verfütterten. Die bösen Folgen der Pachtrückstände blieben auch nicht aus. Im Jahre 1865 wurde wegen dem rückständigen Pachtschilling die ganze Weizenernte verpfändet und im Gasthaussaal etwa 770 Metzen Weizen eingelagert. Aus dem verkauften Weizen konnten die Bauern einen Teil ihrer Schulden tilgen. Die Familie Kiss bekam nach dem Ausgleich und nach der Krönung des Kaisers Franz Josef I. 1867 ihr Gut zurück. Bei dieser Gelegenheit verzichtete die Itebeer Kameralherrschaft mit Rücksicht auf die traurigen materiellen Verhältnisse der Lazarfelder Pächter auf die Bezahlung der restlichen Pachtschuld. Nun war auch diese Erhaltungsquelle versiegt.

In der benachbarten Grenzgemeinde Botosch war wohl billiges Feld von Jahr zu Jahr zu pachten, doch war es den benachbarten Gemeindebewohnern strengstens verboten. Wahrscheinlich wollten die Militärbehörden die Grenzbewohner zur Bearbeitung ihrer Felder zwingen. Wagte es jemand auf dem Schleichwege dort Feld zu pachten und es wurde entdeckt, so verlor der Pächter die ganze Ernte. Wer von einem ehrlichen Serben Feld pachtete, konnte wohl unter der Hand seine Fechsung einheimsen; war dies jedoch nicht der Fall, so führte der Pachtgeber selbst die Ernte Nachhause und der arme Pächter durfte keine Klage führen, weil er in diesem Falle straffällig geworden wäre.

Zu diesem Übel gesellte sich noch ein zweites. Die Gemeinde Botosch lag im Grenzgebiet und daher mit unserer Gemeinde mit keiner öffentlichen Straße verbunden. Auf öffentlicher Straße nach Botosch zu gelangen, musste man über Sigmundfeld fahren. Seit der Gründung unserer Gemeinde benützten die Lazarfelder einen etwa über zwei Ackerlängen verkürzten Weg. Dieser führte von der Straße Lazarfeld - Sigmundfeld über die herrschaftlichen Felder zum Botoscher Hotar, wodurch ein über zwei Stunden dauernder Weg erspart blieb. Im Jahre 1866 ließ die Herrschaft diesen Weg plötzlich absperren. Trotzdem das Verbot der Feldpachtung der Lazarfelder in Botosch bereits aufgehoben war, machte die Herrschaft durch diese Maßnahme eine weitere Pachtung fast unmöglich.

Der Oberstuhlrichter Demeter Sawitsch entschied auf die Beschwerde der Lazarfelder zu ihren Gunsten mit der Begründung, das der fragliche Weg schon über 30 Jahre ohne Einspruch der Herrschaft befahren werde. Von dieser Zeit an fristeten viele unserer Lazarfelder, durch die Pacht der Kirchen-, Schul- und Gemeindefelder auf dem Botoscher Hotar, ihr trauriges Dasein. Nach Auflösung der Deutsch - Banater Militärgrenze 1872 kauften unsere Ahnen auf dem Botoscher Hotar Jochweise Feld, besonders als der Feldpreis in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre dort sehr niedrig war. Es kostete ein Joch Feld damals nur 50 - 60 fl. (ÖW.). Im Jahre 1900 besaßen die Lazarfelder 569 und vor der Enteignung 1944 rund 1200 Joch Ackerfeld auf dem Botoscher Hotar.

In der Zeit nach 1855, als die Bewohner von Etschka, Sigmundfeld und Lazarfeld ohne Feld und Vertrag in größter Armut lebten, tauchten wiederholt verschiedene Ansiedlungsprojekte auf. Bald wurde um Ansiedlung auf der Pußta Kenderesch (Herrschaft Kiss) oder in den Donaubuchtungen bei Kulpin, bald im Riede bei Großbetschkerek (Debela Hunka) usw. angesucht. Dieses Vorhaben kostete auch Geld. So wie der Ertrinkende sich an einem Strohhalm klammert, um sein Leben zu retten, ebenso opferten die einstens wohlhabenden Pächter oft das letzte Geld, wenn es galt, eine neue Ansiedlung und somit eine neue Heimat zu erhalten. Wegen verschiedenen Prozess Führungen gegen die Herrschaft erweiterte sich die Kluft zwischen Herrschaft und Untertanen immer mehr und mehr. Eine Überbrückung schien vorerst unmöglich. Das Notstandsjahr 1863, wie schon erwähnt, traf die Pächter der drei Gemeinden der Etschkaer Herrschaft doppelt schwer. Wegen der Unsicherheit des ferneren Fortbestehens der Gemeinden vernachlässigten sie ihre Wohnhäuser.

Endlich gelang es den Etschkaer 1865 in den zur Militärgrenze gehörenden Perleser Ried, gegenüber von Titel, eine neue Ansiedlung zu gründen. Die Bewohner von Etschka, etwa 200 Familien, 85 Familien von Sigmundfeld und auch mehrere Familien unseres Ortes übersiedelten in den neu gegründeten Ort - Rudolfsgnad -, welcher am Ostermontag, 2. April 1866 seinen Einzug feierte. Zwei Jahre später genehmigte die Regierung eine weitere deutsche Ansiedlung im Donauried bei Opowo. Auch Lazarfelder sowie Sartschaer, Sigmundfelder usw. zogen nach Königsdorf und Albrechtsflor.

Leider überschwemmte das Hochwasser 1874 und 1875 die zwei deutschen Dörfer und vertrieb endgültig die Siedler. Ein Grund, weshalb Etschkaer ihre Herrschaft verließen, schreibt Leo Hoffmann in seiner Geschichte der Banater Deutschen von 1717 bis 1848 auf Seite 94: "Die leidvolle Geschichte der Banater Dörfer ließe sich um viele Fälle vermehren; denn nicht überall war die Ortsgründung ohne Elend und Mühsal vonstatten gegangen. Oft hatten die Gemeinden vom einzelnen geldgierigen Grundherrn viel zu leiden, wie z.B. Deutsch Etschka (angesiedelt mit Deutschen 1802) wo die Grundherrschaft die Felder vertauschte, verkleinerte und die Bauern auf unerhörte Weise prellte." Dies trifft auch auf Sigmundfeld (gegr. 1809) und unsere Gemeinde zu. Dazu kamen noch in Lazarfeld der unaufschiebbare Schulbau 1869 und die furchtbare Cholera 1873, die etwa 50 - 60 Menschenleben in unserer Gemeinde forderte. Diese Verhältnisse erwägend, zeigt sich unserem geistigen Auge ein jammervolles Bild, ein Bild, das die hoffnungslos gewordenen Bewohner fast zur Verzweiflung trieb. Die verschiedenen Schicksalsschläge, welche über diese armen Kontraktualistengemeinden und deren Bewohner kamen, waren nicht im Stand, diese zu vernichten. Mit außergewöhnlichem Fleiß und äußerster Sparsamkeit kämpften unsere Ahnen für ihren ferneren Bestand.

Eine Wendung zum Besseren trat ein, als im Jahre 1872 die Grundherrschaft ihre sämtlichen Felder teils an Großpächter, teils aber auch an einzelne Bewohner Lazarfelds Parzellen zu 200 - 400 Jochen in Pacht gab. Der k.u.k. General Sigmund Lazar, der die Widerspenstigkeit und die Pachtverweigerung seiner Untertanen im Jahre 1855 nicht vergessen konnte, starb am 17.Mai 1870. Die Verwaltung der ganzen Herrschaft überging an seine Witwe Viktoria geb. Gyorogi Edelsbacher, als der natürlichen und gesetzlichen Vormünderin ihrer Tochter, der Erbin Marianne Lazar de Etschka (1867 - 1893).

Die außergewöhnlichen Regengüsse der Jahre 1870 und 71 verursachten auf dem ganzen Hotar eine solche Überschwemmung, das nur mehr Rohr, Schilf ja sogar Weidenruten wuchsen. Fürst Egon von Thurn und Taxis als Gatte der Witwe des verstorbenen Generals Sigmund Lazar de Etschka beantragte, die herrschaftlichen Felder in Pacht zu geben und dabei auch die ehemaligen Untertanen, die Kontraktualisten von Sigmundfeld und Lazarfeld zu berücksichtigen. Seinen Antrag nahmen kompetente Stellen an, somit war der erste Schritt zur Verbesserung der Verhältnisse getan.

Die besser gestellten Lazarfelder und Sigmundfelder beteiligten sich auch an der Pachtung. Zur Übernahme einer Parzelle vereinigten sich mehrere Bauern. Die übrigen Leute aber erhielten bei den Großpächtern Junga, Popowitsch, Ormody und Winter wenigstens Halbscheidbauer. Das Jahr 1873 aber brachte endlich das lang ersehnte Gesetz über die Kontraktualisten. Der 12. Gesetzartikel vom Jahre 1873, am 2. Juni d.J. sanktioniert, war nicht bloß von der Gemeinde Lazarfeld, sondern auch von vielen anderen Kontraktualgemeinden Südungarns freudigst begrüßt. Bald nach der Verabschiedung dieses Gesetzes übernahm der gewesene Oberstuhlrichter und Rechtsanwalt Demeter Sawitsch, der die Verhältnisse unserer Gemeinde genau kannte, die Vertretung der Kontraktualisten beim Gericht.

Bei der nächsten Gemeindeversammlung ersuchte Ortsrichter Franz Klötzl auch den Oberlehrer Michael Eisler, der das Kontraktualistengesetz eifrig studiert hatte, bei der Verhandlung zu erscheinen. Rechtsanwalt Sawitsch vertrat die Meinung, dass die Gemeinde auf dem Prozesswege auf Grund des Gesetzes von der Grundherrschaft Ablösfelder beanspruchen kann. Oberlehrer Eisler erinnerte den Rechtsanwalt an den vorletzten, den 28.§ des Gesetzes, welcher sagt: "Die Verfügungen dieses Gesetzes beziehen sich auf alle jene Kontraktualisten, deren Vertrag zwar schon zu Ende ist, die jedoch noch im Besitze der Felder sind, ohne Rücksicht darauf, ob der Grundherr wegen Rückgabe derselben die Klage eingereicht hat oder nicht. Sollte jedoch in einem solchen Prozess bereits ein rechtskräftiges Urteil bestehen, oder die Kontraktualisten nur mehr im Besitze der Intravillangründe (Hausplätze) sein, können dieselben bloß die letzteren ablösen."

Eisler betonte gleichzeitig, dass seinem Wissen gemäß die Bewohner von Lazarfeld bereits im Jahre 1856 durch gerichtliches Urteil aus dem Besitze der Felder gehoben wurden und in Wirklichkeit derzeit bloß im Besitze der Hausplätze sind. Rechtsanwalt Sawitsch anerkannte die Richtigkeit dieser Ansicht, bemerkte jedoch, das er es dennoch im Prozesswege versuchen wolle. Auf Anraten Eislers erhielt Sawitsch als Vorschuss bloß 50 fl. Nach erfolgter Durchführung bekommt er nach jedem Joche des zu erhaltenden Extravillans einen Gulden.

Der Rechtsanwalt war damit einverstanden, strengte sofort im Sinne des Gesetzes die Klage gegen die Grundherrschaft an und verlangte Ablösfelder. Sawitsch ließ die Superädifikate (Wohnhäuser) gerichtlich abschätzen und brachte es wirklich soweit, das die Bewohner unserer Gemeinde Ablösfelder erhielten. Sein Gegner, der herrschaftliche Rechtsanwalt Vecsey hat entweder den von Eisler erwähnten 28.§ des oft genannten Gesetzes nicht gelesen, oder wollte von demselben, der Herrschaft in diesem Falle ein großes Recht sichernden Paragraphen, keinen Gebrauch anwenden. Wahrscheinlich trifft das erste zu, weil die Herrschaft zur Ablösung der auf 191 700 fl. Geschätzten Wohnhäuser oder zur Ausfolgung von Ablösfelder vom Gericht verhalten wurde. (Siehe Beilage III. Erste Ablösung)

Bezüglich der Ablösfelder haben die Bewohner unserer Gemeinde dem Fürsten Egon von Thurn und Taxis sehr viel zu verdanken, er wirkte dahin, dass nicht nur die berechtigten Originalhausbesitzer, sondern überhaupt jeder Hausbesitzer, der sich meldete, Ablösfelder erhielt. Die Ablösungssumme wurde mit 250 Gulden für ein Joch bestimmt und ist in 33 Jahren, also bis zum Jahre 1911 zu tilgen. Es entfällt demnach mit Zinsen und Kapitalstilgung für ein Joch 17 fl. 50 kr. jährlich in zwei Raten, am 1. Mai und 1. November, zu entrichten. Im Ganzen haben im Jahre 1879 von 217 Hausbesitzern 168 Parteien je 4 Joch Baufeld und 1 Joch Hutweide zur Ablösung übernommen. Von den übrigen 49 Hausbesitzern sei erwähnt, daß diese teils nicht in der Lage waren Ablösfeld anzunehmen, teils aber auch solches nicht annehmen wollten. Das Gerichtsprotokoll der Ablösfelder sowie das Namensverzeichnis der Ablöser bringt die Beilage III.

Von dieser Zeit an entstand wieder neues Leben in unserer Gemeinde. Die Tatsache beweist, das allein im Jahre 1880 die Lazarfelder über 40 neue Wohnhäuser erstellten und vergrößerten. Die Zahl der Wohnhäuser nahm von Jahr zu Jahr zu, ebenso verschönerte und erneuerte man die alten Wohnhäuser. Durch die Ablösfelder, wenn auch nur geringe Anzahl von Jochen, war der fernere Bestand der Gemeinde gesichert. Seit dieser Zeit ließ die Herrschaft ihre übrigen Felder vorzugsweise im Pachtwege und Halbscheidbau wieder den Bewohnern von Lazarfeld und Sigmundfeld zukommen. 18 Jahre später, im Jahre 1897 suchten die Feldlosen, welche im Jahre 1879 keine Ablösfelder übernehmen konnten oder nicht übernehmen wollten, weil sie mit ihrem Intravillangründe noch immer nur Pächter waren, abermals im gerichtlichen Wege um Ablösfelder durch den Rechtsanwalt Nagy an. Das Gericht nahm die Schätzung der Häuser vor und die Herrschaft erklärte sich bereit, außer dem Hausplatze, je 5 Joch Ablösfelder zu überlassen. Die Ablösungssumme wurde mit 300 Gulden für ein Joch bestimmt und ist in 40 Jahren, also bis zum Jahre 1937 zu tilgen.

Auch diesmal erhielten nicht nur die ehemaligen, zur Ablösung berechtigten Originalhausbesitzer, sondern überhaupt jeder Hausbesitzer, sogar jene, die mittlerweile auf den an die Gemeinde unmittelbar angrenzenden Extravillangründen der ersten Ablöser sich Häuser erbauten, je 5 Joch Ackerfeld. Für die betreffenden Ablöser setzten sich der herrschaftliche Güterinspektor Ignaz Winkler und unser bekannter Kreisnotar Peter Lafleur ein. Beide baten an der maßgebenden Stelle für die Nichtberechtigten so lange, bis man ihre Bitte erhörte. Wie sehr unsere Gemeinde an Wohnhäusern zugenommen hat, beweist die Tatsache, daß die bei der ersten Ablösung übrig gebliebene Häuserzahl von 49 bei der zweiten Ablösung auf 113 stieg. Das Gerichtsprotokoll der zweiten (neue) Ablösung sowie das Namensverzeichnis der Ablöser bringt die Beilage IV.

Nun nehmen wir den Faden der geschichtlichen Ereignisse unserer Gemeinde wieder auf, um ihn weiter zu spinnen. Am 8. Mai 1863 fand die Firmung der Lazarfelder Firmlinge durch Bischof Bonnanz in Kathreinfeld statt. Dieses Jahr war nicht bloß für die Bewohner Lazarfeld, sondern auch für ganz Ungarn ein sehr schlimmes Jahr, es war das Jahr des allgemeinen Notstandes. Infolge der Trockenheit war der Weizen größtenteils, der Mais dagegen gänzlich missraten. Wie in vielen anderen Gemeinden, mussten auch bei uns die armen Leute durch die so genannte "Volksküche" von 1863 auf 1864 ernährt, die Bauern aber mit Anbausamen versorgt werden. Während der Winterkälte hätten die Leute erfrieren müssen, wenn zum Glück in diesem Jahre die "Windhexe" (Unkraut) nicht in außerordentlicher Menge gewachsen wäre, die sie als Brennmaterial benützten. Auch die Schulen hat man mit "Windhexen" geheizt, denn das wenige Stroh, wie schon erwähnt, war ungemein teuer und nur korbweise zu kaufen. Eine Klafter Mohar (Kolbenhirse, Setaria, ein Pferdefuttergewächs) war eine Seltenheit und kostete 50 - 60 fl. Eine Klafter Stroh kostete 20 - 30 Gulden und ein Bund Maislaub 10 kr.

Infolge der kärglichen Ernährung und C - Vitaminmangel erkrankten viele Leute an Skorbut. Das arme Vieh war wegen Futtermangel so kraftlos, daß es nicht stehen konnte. Lagerte es, konnte es ohne menschliche Hilfe nicht aufstehen. Die erhaltenen "Notstandsdarlehen" waren für die Bewohner Jahre hindurch eine drückende, schwere Last. Wegen der misslichen, traurigen materiellen Verhältnisse beschloss die Gemeinde, das von den Ahnen stammende Gelöbnis bezüglich der Hagelämter teilweise aufzulassen. Bis dahin war es laut einem Gelöbnis der Gemeinde, wie schon erwähnt, üblich, am dritten Tage der drei höchsten Feiertage (Weihnachten, Ostern und Pfingsten) je ein Hochamt, ferner am 1. Mai und am 2. Juli und an den zwischen diesen Tagen vorkommenden Donnerstagen je ein Hochamt unter dem Namen "Hagelamt" aus der Gemeindekasse lesen zu lassen. Es sollte fernerhin nur der dritte Tag der 3. Feiertage mit der Bedingung gehalten werden, daß für den Betrag der Festmessen nachmittags auch eine Andacht (Litanei) zu halten sei. Als der Ortsrichter Johann Bohn dem Pfarrer Julius Weitersheim dies mitteilte, erklärte der Pfarrherr, dass für die Litaneien, sowie für die Hochämter eigens 2 fl. zu zahlen sind. Bohn berief sich auf die schlechten finanziellen Verhältnisse der Gemeinde und erklärte sich bereit, das Gelöbnis der Vorfahren teilweise zu erfüllen, Weil der Pfarrer Weitersheim die Nachmittagsgottesdienste unentgeltlich nicht halten wollte, beschloss die Gemeinde im Jahre 1864 sämtliche bis dahin üblichen Gemeindegottesdienste gänzlich aufzulassen.

Zum Ausgleich mit den Ungarn so auch mit den Kroaten entschloss sich der Kaiser nach seiner zweimaligen Niederlage im Jahre 1867. Den ersten Anlass, wie schon erwähnt, ergab die Niederlage Österreichs durch den Verlust der Lombardei in Italien in der Schlacht bei Custozza und Solferino 1859. Der Kaiser versuchte anschließend die Zustimmung seiner Völker zu gewinnen und auch mit ihnen zu regieren. Das absolutistische System ließ man allmählich auflockern. Ausgeschaltete Volksvertretungen werden wieder herangezogen und es wird nach einer neuen Staatsregierungsform gesucht. Der zweite Anlass ergab sich erst als Österreich auch im preußischen - österreichischen Kriege in der Entscheidungsschlacht bei Königsgrätz 3. Juli 1866 besiegt und 1867 aus dem Deutschen Bund ausschied. Das Ausgleichsabkommen wurde geschlossen zwischen dem Kaiser und seiner Wiener Zentralregierung einerseits und Ungarn und Kroaten andererseits. Für Ungarn und Kroatien war eine nationale eigen sprachliche Selbstverwaltung mit eigener Gerichtsbarkeit. Landwehr, Kultus? und Unterrichtsverwaltung, Volksvertretung und Regierung vorgesehen. So entstand die österreichische ? ungarische Doppelmonarchie, Kaiser Franz Josef I, war zugleich König von Ungarn. Weil man in dem Ausgleich tatsächlich nur die Ansprüche der Ungarn und Kroaten berücksichtigte, war es nur eine halbe Lösung. Der Ausgleich brachte zu der gesetzlich anerkannten Gleichberechtigung der Bürger und der Konfessionen nicht aber auch die Gleichberechtigung der Nationen und Nationalitäten. Um die beim Ausgleich unberücksichtigt gebliebenen Nationalitäten zu beschwichtigen, erließ man wohl das Nationalitätengesetz. Dieses war im Großen und ganzen nur ein Sprachengesetz und kam ohne Mitarbeit und Billigung der Deutschen und der übrigen Nationalitäten zustande. Es sicherte wohl den freien Gebrauch der Muttersprache auf allen Gebieten der öffentlichen Verwaltung.

Der ungarische Staat war danach verpflichtet, Schulen aller Schulgattungen mit nicht ungarischer Unterrichtssprache zu errichten. Sogar die Beamten sollten aus den verschiedenen Nationalitäten hervorgehen. Der Kaiser mit seiner Wiener Regierung aber, der als Partner und Interessenvertreter der übrigen Nationalitäten (Deutsche, Serben, Rumänen, Slowaken, Tschechen, Bulgaren, Bunjewatzen, Schokatzen usw.) beim Zustandekommen des Gesetzes auftrat, überließ diese nach 1868 bis zur Auflösung der Doppelmonarchie 1918 untätig und gleichgültig ihrem Schicksal.

Bei der Ansiedlung haben die Kaiser und die Kaiserin mit der Wiener Regierung unseren Ahnen das wichtige Amt eines Wächters an der Grenze gegen die Türken anvertraut. Sie waren gewillt und fähig die eigene Scholle, ihre Heimaterde und damit den Staat mit Leib und Leben zu verteidigen. Öfters verlangten unsere Ahnen vom Kaiser ihr Eigenrechtsdasein. So zum Beispiel der Vorschlag der "Bogaroscher Schwabenpetition" von Pfarrer Josef Novak ist am 2. Oktober 1849 Kaiser Franz Josef I. vorgelegt worden. Unverständlicherweise lehnte die Wiener Regierung solche Bitten der Deutschen Südungarns immer ab. Nach dem Ausgleich waren unsere Vorfahren einem übertriebenen nationalistischen kleinen Volke, nämlich den Ungarn, ganz ausgeliefert. Eine Volksgruppe weit außerhalb der deutschen Staatsgrenze ansiedeln und diese nachher für immer im Stich lassen, ist nicht nur eine politische Fehlentscheidung sondern eine schweres Vergehen gewesen. Die nationalpolitische Bedrohung begann, sie war für uns, die wir es später selbst miterlebten, die ärgste Gefahr. Der rücksichtslosen Magyarisierung der zwei Millionen Deutschen in Ungarn öffnete der Ausgleich Tür und Tor.

Im Jahre 1869 baute die Gemeinde das Schulhaus Nr. 100. (Siehe Schulwesen). 1870 und 1871 regnete es so viel, dass der ganze Hotar einem Meer glich. In den Gräben und Grundlöchern der Gemeinde konnte man fischen. Die Folge davon, im nächsten Jahr (1873) überwucherten die Felddisteln die Getreidefelder dermaßen, daß deren Vertilgung trotz größten Fleißes unmöglich war, Die Disteln unterdrückten den Weizen und zur Erntezeit glichen die Weizenfelder einem blauen Meere. In diesem Jahre kam noch dazu der gefürchtete, unheimliche Gast "Cholera" bereits schon zum vierten Male in die Gemeinde. Der erste Fall ereignete sich am 20. August. In diesem Falle finden wir ein merkwürdiges Zusammentreffen der Zahl 20. Es starb nämlich Theresia Marschall, 20 Jahre alt am 20.August und dies war zugleich die 20. Leiche in diesem Jahre. Diese fürchterliche Krankheit raffte abermals etwa 50 bis 60 kräftige Leute hinweg, erreichte am 2. September ihren Höhepunkt mit 14 Toten und erlosch gegen Mitte November.

Nach dem Ausgleich fand im Jahre 1872 die erste Abgeordnetenwahl für den Landtag statt. In unserem Wahlbezirk St. Georgen wählte die überwiegend deutsche Bevölkerung den ungarischen Großgrundbesitzer Ernö Daniel als ihren Vertreter. Auch nach der nächsten Wahl 1875 zog er wieder in das Parlament. Ihm folgten im Jahre 1878 Miklosch Kisch, 1881 und 1884 Graf Guido Karatschonyi, 1892, 1896 und 1901 Großgrundbesitzer Baron Dr. Geza Pap aus Elemir. Nur einmal errang die Opposition (die Partei "1848") im Jahre 1906 in unserem Wahlbezirk die Stimmenmehrheit. Gewählt wurde der Rechtsanwalt Samu Kardos aus Großbetschkerek. Bei der nächsten Wahl im Jahre 1910 zog wieder Baron Dr. Geza Pap in das Parlament. Er blieb bis Ende des ersten Weltkrieges 1918 unser Landtagsabgeordneter. Aus dieser Namensliste unseres Wahlbezirkes ist zu ersehen, daß die Abgeordneten ausschließlich ungarische Großgrundbesitzer waren und für deutsche Interessen, sowie für den Kleinbauern wenig Verständnis zeigten.

Im Jahre 1874 kaufte die Gemeinde um 2000 fl. von Franz Klötzl das Gemeindehaus. Klötzl hatte sowohl dieses, auch das andere dazugehörige ehemalige Herrschaftshaus. an dessen Stelle später die Schule HNr.72a stand, kurz vorher von Michael Zoldy gekauft. Er verkaufte das größere Haus der Gemeinde als Gemeindehaus, das andere aber der Regierung zu Schulzwecken. Beide Häuser nannte man die "Zoldy'schen Häuser", sie waren früher Herrschaftshäuser, fest gebaut, mit Magazin, Stallungen und geräumigen Kellern versehen.

Das zu Schulzwecken gekaufte Haus wurde abgetragen und an seine Stelle mittels Staatshilfe das Schulhaus HNr.72a erbaut. (Siehe Schulwesen). Das als Gemeindehaus gekaufte Haus aber wurde im Millenniumsjahre durch entsprechende Umgestaltung des Magazins und der Stallungen in den Kindergarten verwandelt und durch einen Zubau gegen den Kirchplatz zu mit den nötigen Amtsräumen erweitert. Im selben Gebäude zwischen Kindergarten (nach 1918 Schule) und Notarswohnung ließ 1927 die Gemeinde drei Räume für das Postamt ausbauen. Bei der Gemeindegründung dürfte das Haus des jeweiligen Ortsrichters als Gemeindehaus gegolten haben, wie es noch heute in kleinen Gemeinden der Fall ist.

Das erste Gemeindehaus war das Haus Nr.99 von wann bis wann ist nicht bekannt, nur soviel ist gewiss, dass in den vierziger Jahren das Haus Nr.102 bis 1874 das Gemeindehaus war. Das Lazarfelder Gemeindehaus, ein schöner, massiver Bau, entsprach in jeder Hinsicht seinen Anforderungen. Im Jahre 1892 ließ die Gemeinde die Dorfmitte mit Bäumen bepflanzen, die später als Parkanlagen dienten und sehr zur Verschönerung des Ortes beitrugen. Am 18. Februar 1874 fand ein grauenerregendes, blutiges Ereignis, ein schreckliches Verbrechen in unserer Gemeinde statt.

Der von St. Hubert zwei Jahre vorher nach Lazarfeld eingewanderte 28 Jahre alte Bauer Jakob Schaaf ermordete mit dem aus Soltur stammenden Fleischhauer (Metzger) Johann Kokron seine Frau Katharina, geb.Hary auf bestialische Weise. Beide schlichen sich zwischen 11 und 12 Uhr in der Nacht, bewaffnet mit einem scharf geschliffenen Fleischmesser, zum Bette der ahnungslos schlafenden Frau Schaaf. Jakob Schaaf führte selbst die Hand des Fleischhackers Kokron zum Halse des unschuldigen Opfers, der dann mit einem fachgemäßen Schnitt die Kehle der Frau durchschnitt. Weil Jakob Schaaf wohlhabend war, meinten die Unholde, den gut durchdachten Mord als Raubmord vortäuschen zu können. Die wirklichen Mörder hatte man alsbald entlarvt. Beim vorgetäuschten Fenstereinstieg vergaßen sie die Blumenstöcke vom Fensterbrett auf die richtige Stelle zu legen. Als Mitwissende mussten sich noch die Frau des Fleischhauers Klara geb.Fillips und die Geliebte des Jakob Schaaf, die ledige Maria Schaaf vor Gericht verantworten. Schaaf und Kokron wurden zu 20 jährigen Zuchthaus verurteilt, das Mädchen bekam zweieinhalb und die Frau des Fleischhauers ein halbes Jahr Kerker. Die Mörder sind dann später teilweise begnadigt worden. Als Schaaf mit seiner jungen, kaum 22 jährigen schönen und kräftigen Frau in die Gemeinde kam, war er ein nüchterner, arbeitsamer und braver Mensch. In seinen Häusern HNr.70 und 71 wohnten mehrere Mieter, darunter auch der Schlemmer und arbeitsscheue Fleischhauer Kokron. Bald hatte er seinen nüchternen Hausherrn, der als wohlhabender Mensch auf Feldarbeit und andere Arbeit nicht angewiesen war, so umstrickt, daß Schaaf eben auch ein Schlemmer und Verschwender, ja ein auf Gott vergessener Mensch wurde.

Die Frau des Schaaf, die Umwandlung ihres Mannes wahrnehmend und auch wissend, daß nur die Gesellschaft des Fleischhauers daran schuld ist, wollte ihn vor dem Einfluss des Mieters freimachen. Sie kündigte Kokron die Wohnung. Dadurch zog sich die Frau die Feindschaft der Männer in dem Maße zu, daß beide auf Anraten des Fleischhauers beschlossen, die Unschuldige aus dem Wege zu räumen. Sie führten, wie oben geschildert, ihr teuflisches Verbrechen in bestialischer Weise aus. Diese Mordgeschichte aber lehrt und beweist deutlich und klar die Wahrheit des Sprichwortes: "Böse Beispiele verderben gute Sitten". Auch das Sprichwort: "Müßiggang. ist aller Laster Anfang", kann hier angewendet werden. Hätte Schaaf bestimmte Beschäftigung gehabt, oder wenigstens gesucht, wie er es anfänglich tat (legte eigenhändig in seinem Hause Fußboden und schreinerte Kästen und Türen), wäre er kaum zum Schlemmer und Verschwender und zuletzt sogar zum Mörder zu verführen gewesen.

1877 brannte das Haus Nr.148 des Nikolaus Simon nieder und im nächsten Jahr zündete ein Blitzschlag das Haus des Fillip Schwemlein HNr.48 an und brannte ebenfalls ab.

Im Jahre 1880 am 9. Juni traf die Gemeinde ein harter Schlag. Am genannten Tag zwischen 10 und 12 Uhr ging ein gewaltiger Hagelschlag über den ersten Anbau der übernommenen Ablösfelder, wie auch der Pachtfelder der Gemeinde nieder und vernichtete die viel versprechende Ernte. Dieses Unglück traf die Bewohner, besonders die Ablöser sehr hart. Um den Verpflichtungen nachzukommen, erwartete man einerseits mit Sehnsucht die erste Ernte der Ablösfelder, andererseits war die zu so schönen Hoffnungen berechtigende Saat nicht versichert. Wie schon früher erwähnt, haben die Bewohner wegen ihrer Armut, zwar nicht ganz aus eigener Schuld, die Hagelfeiertage nicht mehr eingehalten. Als sie nun im Besitze von Feldern kamen und das furchtbare Hagelwetter die erste Saat vernichtete, hielten dies viele für einen Fingerzeig Gottes, die Nachkommen an das Gelöbnis der Ahnen zu erinnern.

Das Jahr 1881 brachte Hochwasser mit Überschwemmungen und somit wieder Not an Lebens- und Futtermitteln. Von diesem Jahr kann man auch ein freudiges Ereignis berichten. Kronprinz Rudolf (1858 -89), einziger Sohn Kaiser Franz Joseph, verehelichte sich mit der Herzogin Stephanie aus Belgien. Bei dieser Gelegenheit fanden im ganzen Lande Feierlichkeiten statt. Nach Hunger und Not kam eine gute Ernte.

Das Jahr 1882 war unter den Jahren der zweiten Hälfte des Jahrhunderts nicht bloß für Lazarfeld, sondern für das ganze Land das Fruchtbaste an Ernteerträgen.

Im Jahre 1883, am Kirchweihsonntag, wurde die neue, durch Josef Hromadka und Sohn aus Temeschwar angefertigte Orgel in unserer Kirche feierlich eingeweiht. Die Anschaffung der Orgel hat eine kleine Vorgeschichte. Wegen seines guten Rufes luden die Tschestereger unseren Gesangsverein zur Einweihungsfeier ihrer Kirche am 16. Mai 1882 ein. Bei dieser Gelegenheit führte der Chor unter Leitung seines Chormeisters Michael Eisler dessen "Baßsolo - Messe" auf. Der schöne und präzise Gesang gefiel der Grundfrau Gräfin Leona von Tschekonitsch derart, daß sie dem Chormeister einige Tage nachher 50 Gulden Ehrenhonora, übersenden ließ. Bischof Josef Nemeth dankte ebenfalls für den schönen Gesang und als er erfuhr, daß Schuldirektor Eislers Wunsch eine neue Orgel wäre, versprach er eine diesbezügliche Unterstützung bei unserem Bischof Bonnaz zu befürworten. Die erhaltenen 50 Gulden bestimmte Eisler zur Anschaffung einer neuen Orgel. Weiter bat Eisler den damaligen Landtagsabgeordneten Grafen Guido von Karatschonyi, wie auch die eigene Grundherrschaft um Unterstützung und erhielt von beiden zur Anschaffung der neuen Orgel je 50 Gulden. Zu diesem Zwecke sammelte Lehrer Wenzel Marschall bei den Gemeindebewohnern 400 Gulden. Eisler sammelte wiederum bei Kaufleuten in Großbetschkerek über 150 Gulden. Das Bittgesuch an Bischof Bonnaz für Zuschuss zum Orgelbau blieb ohne Erfolg. Die Ursache dürfte wahrscheinlich die Schulbaugeschichte vom Jahre 1869 gewesen sein. (Siehe Schulwesen) Auf diese Weise kamen 700 Gulden zusammen und die zur Anschaffung der neuen Orgel noch fehlenden 300 Gulden übernahm die Gemeinde.

Das Jahr 1884 war in wirtschaftlicher Hinsicht für die Lazarfelder abermals von besonderer Bedeutung. Der Großbetschkereker Grundbesitzer Nikolaus Kupusarowitsch (unter dem Namen "Kranja" bekannt) war arg verschuldet. Seinen 700 Joch großen Besitz verkauften zwei Großbetschkereker Geldinstitute gegen 10 jährliche Abzahlung in kleineren Parzellen für 280 Gulden das Joch an Kleingrundbesitzer. Die Lazarfelder übernahmen bei dieser Gelegenheit etwa 300 Joch, dadurch gestalteten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse günstiger. Ähnliches erfolgte im Jahre 1887. Der Großbetschkereker Philipp Eckstein verkaufte seine mit Amortisation belasteten Felder an Lazarfelder Bauern mit 25 Gulden und dem darauf haftendem Darlehen, so daß ein Joch 275 Gulden kostete.

Aus der Ehe des k.u.k. Generals Sigmund Lazar gingen drei Töchter hervor. Marianna, Szigmondka und Viktoria. Die Universalerbin und das letzte Familienmitglied der Etschkaer Herrschaft, Marianna Lazar de Etschka verehelichte sich am 28. Dezember1887 mit dem Reichsgrafen Felix Harnoncourt Unverzagt und übernahm mit ihrem Gatten die Verwaltung der ihr laut Testament allein gehörenden Herrschaft. (Der Erbe konnte nur immer ein Kind sein) Ihre Mutter, Viktorine, wie schon erwähnt, heiratete Fürst Egon von Thurn und Taxis, nahm gegen eine entsprechende Entschädigungssumme von dem ihr noch ferner zukommenden Nutznießungsrecht abstand. Der Fürst zog mit seiner Familie nach seinem im Eisenburger Komitat angekauftes Gut Baltavar.

Reichsgräfin Marianna Harnoncourt, geb. Lazar de Etschka starb schon 26-jährig am 10. Jänner1893. Sie hinterließ drei Kinder: Maria Luise, Felix (geb. 1891) und Alice Harnoncourt. Maria Luise heiratete einen Bürgerlichen, Felix war krank und blieb unverheiratet, Alice verehelichte sich mit Markgraf Pallavicini. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Das Agrarreformgesetz nach 1918 hat sie enteignet. Es blieben ihnen 518 Joch Feld und der 1366 Joch große Fischsee. Soweit die Familiengeschichte der Etschkaer Herrschaft.

Im Jahre 1888 brannte das Haus des Josef Schneider HNr.25 ab.

Kronprinz Rudolf, einziger Sohn des Kaisers, von liberaler Einstellung, durch seinen Vater politisch kaltgestellt, verübt im Februar 1889 im Alter von 31 Jahren in Mayerling mit der jungen Baronesse Vetsera Selbstmord. Der nächste Thronfolger wurde der Sohn des Karl Ludwig von Habsburg, ein Neffe des Kaisers, Franz Ferdinand. Er plante und unterstützte den föderalistischen Umbau der Donaumonarchie.Nach neun Jahren, am 28.November 1898 konnten die Bewohner von Lazarfeld Se. k.k. Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand, den Thronfolger von Österreich und Ungarn feierlich Empfangen und begrüßen. Der damals 35 jährige Thronfolger besuchte das Banat und war mehrere Tage Gast des Reichsgrafen Felix Harnoncourt und fuhr, von der Fuchsjagd aus der Sozov kommend, durch unsere Gemeinde nach Etschka. Der Reichsgraf war ein bekannter Jäger und politischer Anhänger des Thronfolgers. Mit Freuden begrüßten die Lazarfelder die Fertigstellung der Eisenbahnlinie zwischen Großbetschkerek, Modosch und Werschetz im Jahre 1889. Der Verkehr vor dem Ausbau der Eisenbahn war in der Mittersgasse sehr rege. Durch den Ort, als Vorort von Großbetschkerek, zogen in langen Wagenreihen die östlich von uns gelegenen Gemeindebewohner, beladen mit ihren Feldprodukten, zur Stadt. Das große Gasthaus bot den Durchreisenden Rast und im Sommer Erfrischung, daher für den Wirt eine gute Einnahmequelle. Nach dem Bau der Eisenbahn blieb auch der Personenverkehr mit Wagen durch Lazarfeld aus. Wegen der Stadtnähe fuhren unsere Bauern ihr Getreide wie früher mit dem Wagen nach Großbetschkerek. Dies änderte sich erst nach dem ersten Weltkrieg, als der Getreidepreis für die Beförderung auf dem Wasserwege höher lag. Der Getreideverladeplatz für Lazarfeld war die Bega bei Klek. Zuckerrüben und Vieh lieferte man mit der Eisenbahn. Die wegen mangelnden Straßenbaumaterials nicht ausgebauten Verkehrswege waren im Winter sehr schlecht.

Der Straßenbau begann bei uns erst während des zweiten Weltkrieges. Im Jahre 1890 beauftragte die Behörde die Gemeindevorstehung, die Gassen der Gemeinde mit entsprechenden ungarischen Namen versehen zu wollen. In der Sitzung vom 20. September 1890 beschloss die Gemeindevorstehung folgende Gassenbenennungen: die Vordergasse erhielt den Namen des Weisen der ungarischen Nation Deak, die Mittersgasse und der Gemeindeplatz benannt nach dem größten ungarischen Helden Hunyadi, die Hintergasse hieß zum Andenken des großen ungarischen Denkers und Dichters Eötvös utcza (Gasse). Die mittlere Quergasse, die zur Eisenbahn führt, erhielt den Namen des Ministers Baross, der die Eisenbahnlinie erbauen ließ, die östliche Quergasse, benannt nach dem damaligen Ministerpräsidenten Graf Szypary, die westliche Quergasse nach dem Namen des Obergespans Josef Hertelendy, die folgenden Gassennamen haben Beziehungen mit der Ortsgeschichte; die südliche Häuserreihe war Egonsor (Reihe), nach dem Namen des Fürsten Egon v. Thurn und Taxis benannt, weil er es vermittelte, daß auch diese Häusler Ablösfelder erhielten, die damals neu angelegte Häuserreihe am Friedhof (Thor Gustav Gasse) erhielt den Namen des Advokaten und Stuhlrichters Sawitsch, der die Ablösung erwirkte und den gesperrten Botoscher Feldweg wieder öffnen ließ. Die gegen Westen, ebenfalls damals neu angelegte Gasse (Menches Gasse), erhielt den Namen Viktoria, von der Fürstin Viktoria v. Thurn und Taxis und die Häuserreihe im Norden und Osten wurden nach dem Namen der Gutsbesitzerin Marianna benannt. Die Blumengasse entstand kurz nach 1900.

Am 4. November 1891 entstand nach einem Requiem in der Sakristei Feuer, welches man erst nachmittags entdeckte. Das Feuer erfasste ein mit Ministranten- und Messgewändern gefüllten Schrank und vernichtete die Kanzeltreppe. Die durch den Ortspfarrer Josef Olajosch eingeleitete Sammlung, dann eine Unterstützung des Bischofs Alex. von Dessewffy, sowie der Beitrag der Versicherungsgesellschaft ermöglichten die Renovierung und die Ausmalung der Kirche. Bei dieser Gelegenheit ließ Schuldirektor Michael Eisler durch seine Spende von 100 fl. den Hochaltar vergolden. Bei der Aufstellung der neuen Orgel haben die Wagner-Meister Josef Schneider und Johann Kipper den Chor unentgeltlich verändert und erweitert und jetzt wiederum vergrößert. Im Jahre 1854 durch den "Marienverein" gekaufte Marienstatue fand auf dem jetzt neu erbauten Marienaltar ihren Platz. Der Altarverein in Budapest aber spendete der hiesigen Kirche sehr schöne Ministranten- und andere Kirchenkleider.

Am 8. Juni 1892 feierte unsere Gemeinde, sowie in ganz Ungarn, das 25 jährige Krönungsfest des Kaisers und Königs Franz Josef I. Am 20. Juni 1894 starb der Vorkämpfer für die Unabhängigkeit der demokratischen Verfassung Ungarns und Führer der ungarischen Erhebung 1848 Lajos Kossuth als Emigrant in Turin.

Im Jahre 1894 ließ Michael Eisler und seine Gattin Magdalena, geb.Laßloffy auf dem hiesigen Friedhof einem Gelöbnis zufolge eine öffentliche Kapelle zu Ehren der schmerzhaften Mutter Gottes erbauen, die am 22. Juli des genannten Jahres durch Dechant Pfarrer Karl Abfall aus Etschka die feierliche Weihe erhielt. In der Kapellengruft ruhen die verstorbenen Angehörigen der Familie Eisler. In dieser Zeit ließ Pfarrer Josef Olajos die Friedhofswege neu anlegen. Im Millenniumsjahr (1896 das 1000 jährige Bestehen Ungarns) ermöglichten 14 Familien durch ihre Spenden den Bau der Kreuzwegstationen im Friedhof. Die meisten Gemeindebewohner führten das Baumaterial unentgeltlich an und viele Mitglieder der I. Spar- und Vorschussgenossenschaft hinterlegten von ihrem Guthaben den Betrag von 117 fl. als Fond zur Erhaltung des Kreuzweges. Die Namen der Spender dieses Fonds sind im Pfarrarchiv hinterlegt. Die Namen der Familien, die Stationen mit 24 fl. Baukosten errichteten, sind folgende:

1.     Johann und Franziska Bohn

2.     Witwe Susanna Jakschitz, Josef u. Katharina Sauer

3.     Georg und Franziska Zwirner

4.     Familie des verstorbenen Thomas Bohn

5.     Josef und Barbara Schwemlein

6.     Peter und Elisabetha Lafleur

7.     Adam, Peter und Josef Jakschitz.

8.     Nikolaus und Anna Schneider 131

9.     Josef und Peter Marschall

10.  Witwe M. Rikert und Witwe Anna Klötzl

11.  Pfarrer Josef Olajos

12.  Johann und Anna Rauch

13.  Michael und Magdalena Eisler

14.  Franz und Anna Klötzl

Wie die angebrachte Gedenktafel bezeugt, ist der neue Kreuzweg am Millenniumandenken der Spender.

Als Lazarfeld seine elektrische Straßenbeleuchtung 1929 erhielt, ließ man auch an Friedhofswegen elektrische Beleuchtungskörper anbringen. Durch diese und andere Erneuerungen galt unser Friedhof als einer der gepflegtesten in der Umgebung. An Allerseelen glich er einem Blumen- und Lichtmeer.

Beim Erdbeben am 8. April 1893 stürzten Schornsteine ein, die Hausdächer beschädigt. Während der Erntezeit des gleichen Jahres ging ein so starker Sturm über die Gemeinde und die Gemarkung, dass von vielen Weizenfeldern die Garben von den Kreuzen weggefegt wurden.

Im Jahre 1894 wurde das Haus des Thomas Massong HNr.165 ein Raub der Flammen.

Das Jahr 1895 brachte abermals Hochwasser.  Unsere Gemeinde blieb davon verschont, aber bei Rudolfsgnad brachen am 19.April die Dämme ein und das Hochwasser überflutete die neue Ansiedlung. Viele Rudolfsgnader kamen nach Lazarfeld und fanden bei den Verwandten, bis zum Wiederaufbau ihrer Häuser, Obdach und Hilfe. Auch im Herbst des nächsten Jahres regnete es soviel, daß man vier Pferde vor einen Wagen spannen musste, um die Maisernte heimzubringen.

Die Amtsräume unseres Gemeindehauses bedurften seit längerer Zeit einer Erweiterung. Als zweites Millenniumandenken ließ die Gemeinde durch einen Aufbau an der Westseite die Amtsräume so vergrößern, daß sie jeder Gemeinde als Muster gelten können. Dieser Bau blieb bis zur Vertreibung unverändert.

Ein drittes Millenniumandenken ist ferner noch der erste artesische Brunnen. Schon zehn Jahre vorher versuchte die Gemeinde, weil das Schöpfbrunnenwasser schlecht und salpeterhaltig ist, artesisches Wasser zu bekommen. Eine dreimalige, an verschiedenen Stellen versuchte Bohrung blieb stets erfolglos. Laut Gemeinderatsbeschluss vom 30. März des Millenniurnsjahres nahm man wieder eine Bohrung in der Mittersgasse auf dem Gemeindeplatz vor und diesmal mit Erfo  Erdoberfläche. Daher mussten sie eine 3 m tiefe Zisterne bauen, das Trinkwasser war gut und gesund. Leider versiegte der Brunnen nach drei Jahren. Die Bewohner gerieten fast in Verzweiflung darüber, daß sie abermals das ungesunde, schlechte Schöpfbrunnenwasser trinken müssen. Es war ihnen bekannt, dass das Grundwasser in nassen Jahren bis zur Erdoberfläche steigt und das Wasser aus dem Brunnen fließt. Wochenlang mussten Mensch und Tier dann "braunes Wasser" zu sich nehmen. Alsbald wurde in einer Entfernung von 2 m abermals gebohrt und sie erhielten in derselben Tiefe artesisches Wasser, das ebenfalls bei 3 m tief unter der Erdoberfläche floss. Erst nach etwa zehn Jahren kam der Ramm- oder Nortonbrunnen, genannt "Schlenkelbrunnen" für das Herauspumpen des Grundwassers in den Handel.Bis zur Vertreibung versorgten 12 öffentliche, artesische Brunnen die Bevölkerung mit gutem und gesundem Trinkwasser. In der Regel zahlten die Hausbesitzer die Instandsetzungskosten und die Gemeinde übernahm die Erhaltung der Brunnen.

Im Millenniumsjahr führte die Regierung in den Gemeinden das Standesamt ein. Bis dahin registrierte alle Geburten, Todesfälle und Trauungen der Priester im Pfarramt. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es auch nur kirchliche Trauungen. Nun wurde auch die standesamtliche Trauung oder die bürgerliche Ehe eingeführt. Bei Trauungen bot der neu erbaute und geräumige Sitzungssaal im Gemeindehaus für alle Hochzeitsgäste Platz. In diesem Jahr wurde das Krankenhaus in Großbetschkerek vergrößert und erneuert, so konnten auch kranke Menschen der näheren Umgebung dort Hilfe und Pflege finden. Noch im selben Jahr wanderten 8 ? 10 Lazarfelder Familien nach Silwasch im Karasch Severiner Komitat aus. Sie versprachen sich von ihrer Auswanderung bessere wirtschaftliche Verhältnisse. In ihrer neuen Heimat rodeten sie Wälder, doch der hochgelegene, steinige Boden brachte nur eine karge Ernte. Einige von ihnen kehrten nach Jahren enttäuscht und arm wieder zurück nach Lazarfeld.

In Jahre 1897 begannen sich die landwirtschaftlichen Arbeiter zu organisieren. Abgesandte der sozialistischen Partei aus Budapest führten 400 Arbeiter von Elemir und anderen Gemeinden am 21. Mai und am 28. Mai aus St.Georgen, Kathreinfeld, Klek, Lazarfeld usw. 500 Arbeiter zum Obergespan nach Großbetschkerek, dem sie ihre Anliegen vortrugen. Sie forderten gerechteren sozialen Ausgleich, besonders mehr Lohn für Ernte- und Druscharbeiten und drohten bei Nichterfüllung ihrer Forderungen mit einem Erntestreik. Der Obergespan mahnte sie zur Mäßigung und versprach alles in ihrem Interesse zu unternehmen. Trotzdem kam es am 11. Juni in Serbelemir zu einer größeren Demonstration in deren Verlauf die Gendarmen zwei Arbeiter niederschossen, die aufgebrachte Menge erschlug die zwei Gendarmen. Am 30. Juni begann in aller Ruhe die Erntearbeit und die versprochene Hilfe blieb natürlich aus. Diese sozialen Missstände gaben Anlass zur späteren Auswanderung unserer Landsleute nach Übersee. Im gleichen Jahr am 5. Juli verursachte wieder ein Sturm beträchtlichen Schaden in der Ernte.

Am 12. März 1898 rief ein trauriges Ereignis nicht bloß bei den Bewohnern von Lazarfeld, sondern in der ganzen Umgebung allgemeine Bestürzung hervor. Die in ziemlich guten materiellen Verhältnissen stehende Bäuerin Margarethe, Gattin des Jakob Kern, geb. Rauch, machte ihrem noch jungen Leben, sie war kaum 24 Jahre alt, durch Erhängen ein gewaltsames Ende. Bevor sie aber ihre schreckliche Tat an sich verübte, beging sie eine noch schrecklichere Tat dadurch, daß sie ihre sämtlichen Kinder, vier an der Zahl, das jüngste noch ein Säugling, durch Erwürgen tötete. Was die Veranlassung zu dieser furchtbaren und zugleich rätselhaften Tat gewesen sein mag, konnte nicht ermittelt werden. Mutter und Kinder wurden in einem gemeinsamen Grabe unter großer Beteiligung der Lazarfelder und der Umgebung zur ewigen Ruhe bestattet.

Über die Monarchie und das Herrscherhaus kam unerwartet wiederum große Trauer. Am 17. September gleichen Jahres erstach der italienische Anarchist Lucini die volkstümliche und beliebte 61 jährige Kaiser- und Königin Elisabeth (Schwester des Herzog Karl Theodor v. Bayern, 1854 vermählt mit Kaiser Franz Josef I.) in Genf in der Schweiz.

Im Jahre 1899 am 15. März lag noch 15 - 20 cm hoher Schnee, was im Banat um diese Jahreszeit selten vorkam.

Am 6. Juli 1900 tobte in Lazarfeld ein heftiger Sturm. Der abgeerntete Weizen stand schon in Kreuzen aufgeschichtet. Die Garben trug der Sturm bis in den zweiten und dritten Acker, so daß dem Eigentümer fast nichts übrig blieb. Das Jahr 1900 war für die Bewohner unserer Gemeinde dennoch ein Jahr der Freude. Reichsgraf Felix Harnoncourt, als gesetzlicher und natürlicher Vormund der Erben der Etschkaer Herrschaft, verpachtete sämtliche zur Gemeinde Lazarfeld gehörenden herrschaftlichen Felder, etwa 2800 Joch, an die Gemeindebewohner. Die Felder waren bisher an Großpächter vergeben. Unsere Leute vereinigten sich in Gruppen und pachteten alle Felder, die ehemals zu Lazarfeld gehörten, um einen Jahrespachtpreis von 18 fl. 50 kr. für das Katastraljoch auf 12 Jahre. Dadurch bewirtschafteten die Lazarfelder, die in der zweiten Hälfte der verflossenen hundert Jahre fast heimatlos waren, die gleiche Jochzahl, wie ihre Vorfahren bei der Ansiedlung vor hundert Jahren. Nun konnten sie die bevorstehende Hundertjahrfeier der Gemeinde mit größerer Freude vorbereiten. Zu diesem Fest verfasste Schuldirektor i.R. Michael Eisler eine Ortsmonographie, in der die wichtigsten Ereignisse aus den Jahren 1800 bis 1900 festgehalten wurden. Im Vorwort seiner Monographie schreibt Eisler wörtlich:

Der Verlauf der Feierlichkeiten der 100- Jahrfeier ist aus dem Festprogramm ersichtlich: Festprogramm bezüglich des am 28. August (Patronatsfest) 1900 aus Anlass des 100- Jährigen Bestandes der Gemeinde Lazarföldje zu veranstaltenden Jubelfestes.

Kirchliche Feierlichkeiten.

1.      Am 27. August wird Se. Hochwürden Ortspfarrer Desiderius Hegedüs für alle Verstorbenen dieser Gemeinde ein feierliches Requiem mit Libera abhalten.

2.      Denselben Tag Abends hält Pfarrer Hegedüs die Festvesper: nachher aber führt Se. Hochwürden Pfarrer Josef Olajos die Gläubigen in feierlicher Prozession auf den Friedhof, allwo die Kreuzwegandacht, dann in der Friedhofskapelle die Todtenvesper, Predigt und Libera stattfinden; die Gräber sind zu schmücken und zu beleuchten.

3.      Am 28. ist feierliche Festpredigt und Festgottesdienst mit "Te Deum". Die Festpredigt hält Se. Hochwürden Pfarrer Franz Holz, das Hochamt aber celebriert Se. Hochwürden Abt und Dechant Pfarrer Franz Sabo mit Assistenz der nach ihm einst als Pfarrer hier tätig gewesenen Hochw. Herren Franz Holz, Koloman Fuchs, Josef Olajos und des gegenwärtigen Herrn Pfarrers Desiderius Hegedüs.

4.      Nachmittags ist Festvesper, gehalten von Se. Hochwürden Herrn Pfarrer Koloman Fuchs.

Weltliche Feierlichkeit.

5.      Am 28. August um 5 Uhr früh Tagreveille, welcher durch drei Böllerschüsse signalisiert wird. Hernach durchzieht das Musikkorps mit klingendem Spiele die Gemeinde, deren Häuser mit Nationalfahnen zu schmücken sind.

6.      Nach dem Festgottesdienst wird vor dem Gemeindehaus eine Festrede gehalten. Vor und nach derselben singt der Gesangsverein "Hazadnak" (Szozat) und "Isten ald meg a magyart" (Hymnus).

7.      Festbankett im großen Gasthause.

8.      Nachmittags nach der Festvesper, ist freie Tanzunterhaltung für die Jugend.

9.      Abends findet ein "Kränzchen" statt.

Sonstige Bestimmungen

10.  Zu dem bereits vorhandenen Betrag von 139 Kronen, welche als Opfergeld gelegentlich der durch Se. Hochwürden Herrn Pfarrer Josef Olajos allhier abgehaltenen ,Erntefeste" eingeflossen sind und zur Anschaffung eines "Centenariumsgeschenkes" für die Kirche bestimmt wurden, bewilligte die Gemeindevertretung aus der Kultuskassa noch 60 Kronen zur Anschaffung einer neuen "Monstranz" für die Kirche mit der Widmung: "Lazarföldje 100 eves fennallasariak emlekeül - a hitkozseg". Zum Andenken des 100 jährigen Bestandes der Gemeinde Lazarföldje die Kultusgemeinde.

11.  Die politische Gemeinde aber lässt die Geschichte der verflossenen 100 Jahre, in soweit selbe eruirbar ist, durch den Druck als "Monographie der Gemeinde Lazarföldje" veröffentlichen und im Anhang derselben sind sämtliche lebende Bewohner der Gemeinde namentlich anzuführen; ebenso ist ein statistischer Ausweis über die Besitzverhältnisse der Bewohner der Monographie beizufügen.

12.  Für das Gemeinde-, Schul- und Pfarrarchiv wird je ein entsprechendes "Gedenkbuch" aus der Gemeindekassa angeschafft, in welches in Zukunft die wichtigsten Ereignisse in der Gemeinde nebst sonstigen denkwürdigen Ernte- und Witterungsverhältnissen einzuschreiben und für die Nachwelt aufzubewahren sind.

Lazarföldje 1900, am l. August

Das Festkomitee", "Punkt 10, 11 und 12 dieses Programms sind bereits durchgeführt". Protokoll aufgenommen in Lazarföld am 28. August 1900 anlässlich des 100 Jährigen. Bestehens der Gemeinde.

Am 28. August wurde in Lazarföld anlässlich des 100 Jährigen. Bestehens der Gemeinde eine feierliche Festversammlung abgehalten. Als Festgäste nahmen teil: Zombori Ronay Jenö Obergespan, Dr. Dellimanowitsch Lajos Vicegespan, Dr. Papp Geza Landtagsabgeordneter, Graf Harnoncourt Felix, Winkler Ignaz herrschaftlicher Güterinspektor, Daniel Ferenz Landrat, weiter aus Lazarfeld Lafleur Peter Kreisnotär als Schriftführer, Bering Matthias Bürgermeister, Klötzl Johann Vicebürgermeister, Michael Georg Kassier, Jakschitz Peter und Koch Matthias Geschworene, Gemeinderäte: Eisler Michael, Bohn Johann, Schneider Nikolaus, Zwirner Georg, Bohn Franz, Kipper Franz, Bergenthal Albert, Rauch Johann, Marschall Peter, Massong Peter, Marschall Wenzel, Welder Adam, Michi Josef, Schaaf Christof, Kapitän Franz, Stadtfelder Nikolaus, Jerch Josef und Schneider Franz. Behring Matthias, der Bürgermeister der Gemeinde eröffnete die Festversammlung. Lafleur Peter, der Notar der Gemeinde ersuchte Dr. Dellimanitsch Lajos, Vicegespan den Vorsitz und den Obergespan, Ronay Jenö den Ehrenvorsitz zu führen. Der Antrag wurde angenommen. Den anwesenden Ehrengästen wurde der Dank ausgesprochen. Es folgen die Unterschriften aller anwesenden Festgäste". Die Festrede hielt Schuldirektor i.R. Michael Eisler und das von ihm verfasste Gedicht trug sein Sohn Nikolaus vor: "Zum 100 Jährigen Jubiläum der Gemeinde Lazarföldje.