Schulwesen

Wie wir schon im ersten Teil über die Ansiedlungen in Südungarn im Allgemeinen erwähnten, war dieses Gebiet in trostlosem Zustande, von einem Schulwesen konnte daher keine Rede sein. Es musste eben alles vom Grunde aus neu geschaffen werden. Durch die Anordnung der Kaiserin Maria Theresia vom 22.Juli 1766, wonach in jedem Dorfe eine Kirche und Schule zu errichten sei, nahm auch das Schulwesen seinen Anfang. Leider war die Schule, besonders die Volksschule, von jeher bis in die neueste Zeit bei allen Landesregierungen wie auch bei den Gemeinde Verwaltungen, stets nur das "Aschenbrödel". Erst in neuester Zeit gelangte man endlich zur Überzeugung, dass nur jene Völker frei und glücklich sein können, für deren Bildung und Aufklärung die notwendigen Opfer gebracht werden.

In den neu angesiedelten deutschen Ortschaften brachten ausgediente Soldaten und Handwerker Religion, Lesen, Schreiben und ab und zu auch etwas Rechnen auf ganz mechanische Weisen den Kindern bei. Diese Leute konnten selbst nur notdürftig lesen und schreiben, dementsprechend war auch ihr Erfolg sehr mangelhaft. Um diesem Übel abzuhelfen, war mit der in Temeschwar im Jahre 1776 errichteten "Normalschule" auch zugleich die Heranbildung von Lehrern für die Volksschule verbunden. Diese Lehrerbildungsanstalt bestand 68 Jahre und bis 1844 wurden dort für Südungarn die nötigen Lehrer herangebildet. Nach S. Hetzel's Schulstatistik ist aus den Protokollen dieser Lehrerpräprandie ersichtlich, dass über 600 Volksschullehrer in Temeschwar zu ihrem Berufe vorbereitet und ausgebildet worden sind. Anfänglich dauerte der Präparandenkurs für die Lehramtskandidaten bloß einige Tage, später einige und zuletzt schon regelmäßig zehn Monate. Der Lehramtskandidat von damals kam aus der Dorfschule ohne die nötigen Vorstudien direkt in die Präparandie. Die Dauer der Ausbildung der Präparanden steigerte sich im Laufe der Jahre. Die Ausbildung des Volksschullehrers an der deutschen Lehrerpräprandie in Werschetz, die von 1854 bis 1875 bestand, dauerte drei Jahre. Nach dem Ausgleich im Jahre 1867 begannen in Ungarn die nationalen Auseinandersetzungen. Der Kampf entbrannte unter der Regierung des Ministerpräsidenten Koloman Tisza von 1875 bis 1890. Schon in seinem ersten Regierungsjahr schloss er die Werschetzer Lehrerpräprandie. Sie war die einzige und letzte deutsche Lehrerpräprandie Ungarns, ausgenommen die der Siebenbürger Sachsen. Von dieser Zeit an gab es nur noch ungarische Lehrerpräparandien, sie dauerten vier Jahre und ein Vorstudium von ebenfalls vierjähriger Dauer. Vom Jahre 1883 sollten nur noch Lehrer ihren Beruf ausüben können, wenn sie die ungarische Sprache beherrschen. Lehrer ohne ungarische Sprachkenntnisse bekamen keine Anstellung. Den Höhepunkt in dieser Hinsicht stellte aber das Apponjische Gesetz in den nichtstaatlichen Volksschulen aus dem Jahre 1907 dar. Es wurde darin ausgesprochen, dass Lehrer ein Disziplinarvergehen begehen, wenn sie die ungarische Sprache nicht erfolgreich genug unterrichten, oder wenn sie etwas tun, was gegen den Gebrauch der Staatssprache gerichtet ist. Nach dem ungarischen Volksschulgesetz musste das deutsche Kind alle Gegenstände, Religion ausgenommen, in ungarischer Sprache lernen. Ab der dritten Klasse gab es wöchentlich zwei Stunden deutsch Lesen und Schreiben. Sogar in der Schulpause war das deutsche Kind verpflichtet, ungarisch zu sprechen. Lehrern mit besonderen Erfolgen in der Ausbreitung der ungarischen Sprache winkten Belohnungen, Auszeichnungen und verschiedene Vorteile.

Nach dem verlassen der Volksschule, beherrschte unsere Jugend weder die Staatssprache noch die Muttersprache in Wort und Schrift. Bis 1918 lebten in Ungarn etwa 2 Mill. Deutsche. Die Auswirkungen des Apponjischen Schulgesetzes waren verheerend. Im Jahre 1917 gab es in ganz Ungarn nur noch 417 deutsche Volksschulen, davon gehörten aber 254 der siebenbürgisch – sächsischen lutherischen Landeskirche für ihre 250000 Angehörigen, weitere 116 lagen im deutschen Burgenland für ihre 200000 Deutschen, so dass die mehr als 1,5 Millionen Deutschen Ungarns praktisch keine deutsche Volks-, Bürger-, Fachschule, Gymnasium und Lehrerbildungsanstalt besaßen.

Der Sieg der Alliierten im ersten Weltkrieg führte zur Niederlage der Mittelmächte, somit auch zum Zerfall der Monarchie. Nach dem Staatswechsel führten die deutschen Gemeinden gemäß der von den Unterrichtsbehörden gewährten Möglichkeit Deutsch als Unterrichtssprache ein. Eine deutsche Lehrerbildungsanstalt zu eröffnen glückte nicht. In Werschetz meldeten sich für die zu errichtende deutsche Parallelklasse der staatlichen Lehrerbildungsanstalt etwa 40 Schüler. Die Regierung bewilligte weder die versprochene deutsche Parallelklasse, noch die deutsche Unterrichtssprache. Verärgert verließen viele Deutsche die serbische Anstalt. Für die Lehramtsanwärter, die bis 1918 die ungarischen Lehrerbildungsanstalten besuchten, bestand noch die Möglichkeit in Baja die ungarische Lehrerbildungsanstalt zu besuchen. Das Bajaer Dreieck fiel im Sommer 1921 an Ungarn zurück. Die deutschen Lehramtsanwärter waren somit gezwungen ihr Studium in einer serbischen Lehrerbildungsanstalt fortzusetzen. Der Verfasser des Buches musste auch diesen Bildungsweg gehen. Dies war mit großen Sprachschwierigkeiten verbunden, viele begabte deutsche Lehrerzöglinge schieden somit aus.

Die Übergangszeit fand ihren Abschluss mit dem Friedensvertrag von Trianon am 4.Juni 1920, er legte die Grenzen gegenüber Ungarn endgültig fest. Die Batschka, der untere Zipfel der Baranja, das westliche Banat, Syrmien und Slawonien kamen mit 700000 Deutschen an Jugoslawien. Schon am 27.August 1920 verordnete Unterrichtsminister Pribitschewitsch die Verstaatlichung sämtlicher Schulen an. Die deutschen Lehrer in Jugoslawien mussten, um die serbische Staatssprache zu erlernen, in den Schulferien Kurse besuchen. Nur wer die Prüfung bestand, konnte im Staatsdienst verbleiben. Einen großen Wert legten die Behörden auf den Unterricht der Staatssprache, der schon in der dritten Klasse begann. In der zweiten und dritten Klasse musste das deutsche Kind bis vier Schriftzeichen, die geschriebenen und gedruckten Groß- und Kleinbuchstaben, der deutschen, der lateinischen, serbisch - zyrilischen und kroatischen Schrift sollten nicht nur zum Lesen und Schreiben erlernt, sondern auch zur Sprachpflege in Deutsch und Slawisch betrieben werden. Nur eine kleine Minderheit der Schüler brachte es zu annehmbaren Ergebnissen. Die Mehrheit versagte bei diesem Drill. Die Folge war Senkung des Leistungsstandes vieler Jahrgänge. Noch eine weitere schwere Belastung für das deutsche Kind war, dass es die Nationalfächer - Geschichte und Erdkunde, in serbischer Sprache ab der 3. Klasse und nach 1931 in der 5. und 6. Klasse lernen musste.

Am 9.August 1931 genehmigte endlich der Unterrichtsminister die Eröffnung der Privaten Deutschen Lehrerbildungsanstalt in Großbetschkerek, die nach zwei Jahren nach Neuwerbas verlegt wurde. So ging nach 60 Jahren ein lang gehegter Wunsch, deutsche Lehramtsanwärter in einer deutschen Lehrerbildungsanstalt auszubilden, in Erfüllung. Die Ausbildung dauerte, wie auch in den staatlichen Lehrerbildungsanstalten, fünf Jahre und nach zwei Jahren folgte eine praktische Prüfung. Nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens im April 1941 erhielten die Deutschen ihre selbständige Schulverwaltung und ihre eigenen Schulbehörden. Der Unterricht wurde allen Kindern in der Muttersprache erteilt.

Die ersten Lehrer in den neu erbauten deutschen Dörfern dürften mit den Ansiedlern selbst eingewandert sein. In den Protokollen der Präparandie zu Temeschwar vom Jahre 1786 - 1799 finden wir 40 Lehramtskandidaten im Alter von 23 - 49 Jahren verzeichnet und als deren Geburtsort sind eben jene Teile des deutschen Reiches angegeben, aus welchen die Ansiedler kamen. Der erste Lehrer von Lazarfeld hieß Jakob Speichert, geboren in Nassau und besuchte als 21 Jährigen Jüngling vom 20.Juni bis 30.August 1799 die Präparandie in Temeschwar. Anschließend war er Lehrer in Bakowar und auch in Albrechtsflor. Laut den Matrikelauszügen der Pfarrkirche Etschka (1800 - 1803) ist dem Lehrer Jakob Speichert am 8.November 1802 eine Tochter Namens Maria Anna getauft worden, somit dürfte also Jakob Speichert der erste Lehrer in Lazarfeld gewesen sein.

Damals wechselten die Lehrer sehr häufig ihre Stellen und deshalb war im Jahre 1807 Jakob Speichert nicht mehr in Lazarfeld. Laut den hiesigen Matrikeln wurde am l. April 1807 Adalbert Rödl, Sohn des Lehrers Ferdinand Rödl getauft und am 1.Februar 1809 starben dem Lehrer eine Tochter Namens Maria (3 Jahre alt) und der Sohn Adalbert. Ferdinand Rödl geboren in Böhmen, besuchte die Präparandie 1803/04 im Alter von 24 Jahren vom l. August bis 8.September und war zuerst in Heufeld, später in Lazarfeld als Lehrer tätig. Wie lange Rödl hier als Lehrer angestellt war wissen wir nicht. Bekannt ist uns nur, dass seine Frau Karoline der hiesigen Kirche 1814 ein Chorhemd spendete. Wie lange die hiesige Volksschule einklassig war und wer nach Rödl kam, wissen wir nicht bestimmt.

Als im Jahre 1831 die Cholera herrschte, starb am 7.September auch der Lehrer Johann Bedö und sein Nachfolger war Josef Vogel. Laut den Protokollen der Präparandie besuchte Josef Leonhard, geb. in Kathreinfeld, als 15 Jährigen Jüngling 1833 die Präparandie und wurde nachher in Lazarfeld angestellt, somit wurde in diesem Jahre die Volksschule in Lazarfeld zweiklassig. Im Jahre 1836 vertauschte der Oberlehrer Josef Vogel seine Stelle mit dem Oberlehrer Christof Schwanfelder aus St. Hubert. Schwanfelder, geboren in Marienfeld, besuchte 1811 als 17jähriger Jüngling die Präparandie und wirkte in verschiedenen Gemeinden, so z.B. in Billed usw. und hier zur vollsten Zufriedenheit der Gemeinde bis zu seinem Tode am 22.Mai 1862 als Lehrer. Am 1.August 1862 trat Michael Eisler die freigewordene Oberlehrerstelle an. Sein Geburtsort ist Albrechtsflor. Als Unterlehrer wirkte er in Komlosch.

Die Lehrsäle der beiden Klassen waren in dieser Zeit unzweckmäßig. In der Oberklasse hatten kaum 50- 60 Schüler genügend Raum, dagegen war der Lehrsaal der ersten Klasse klein. Die Ecke des Klassenzimmers war abgesperrt und diente als Wohnung dem Unterlehrer. Beide Säle waren niedrig, mit verschiedenen Fenstern versehen und wenn es regnete, so regnete es auch auf Schüler und Lehrer. Die Gemeinde befand sich damals in einer sehr schlechten Lage (siehe Gemeindegeschichte) und konnte daher keine Abhilfe schaffen. Im Jahre 1869 war der Zustand des Schulhauses untragbar, so wandte sich die Gemeindevorstehung mit einem Bittgesuch an den Diözesan - Bischof Alexander Bonnaz um eine Beihilfe für das neue Schulhaus. Der Bischof bewilligte zum Schulbau 1000 Gulden. Anfangs Mai brach man das alte Schulhaus ab und jedes Haus war verpflichtet 800 Lehmsteine (ungebrannt) zu liefern. Die Grundherrschaft spendete zum Neubau 20000 Brennsteine. Für 30000 Stück Brennziegel musste die Gemeinde aufkommen. Wegen des Schulcharakters entbrannte damals nicht nur in Lazarfeld, sondern im ganzen Lande ein erbitterter Kampf.

Das neue Schulgesetz vom Jahre 1868 Gesetzartikel 38 bewilligte die Kommunal- oder Gemeindeschule (Ausgleich). Bis zu dieser Zeit gab es nur Konfessionsschulen. Außer dem Erhaltungsrecht hatte die Gemeinde in dieser Schule keinen Einfluss. Die Schulaufsicht übten allein die Vertreter der Kirche aus, sie bestimmten auch den ganzen Schulbetrieb. Durch die Ernennung der Schulkommission in den Gemeindeschulen hatte die Bevölkerung ein gewisses Mitspracherecht (Lehrerwahl, Lehrerbesoldung usw.), die Schulaufsicht hingegen übernahm allmählich der Staat. Bischof Bonnaz bewilligte nur unter der Bedingung 1000 Gulden Beihilfe zum Schulbau, wenn in Lazarfeld auch weiterhin die Konfessionsschule bestehen bleibt. Der Gemeinderichter ließ die Bevölkerung wiederholt in dieser Angelegenheit zusammenkommen, trotzdem die nötigen Mittel zum Bau des neuen Schulhauses fehlten, entschied sich die Mehrheit der Einwohner für die Gemeindeschule. Es wurden von Franz Klötzl, Johann Schmidt, Eva Rath, Josef Zwirner usw. Darlehen aufgenommen, jedes Haus zahlte fünf Gulden Schulbeitrag und so entstand das neue Schulhaus. Am 15.November 1869 wurde es feierlich eingeweiht. Die Erklärung für die Gemeindeschule erfolgte am 7.März 1870. Die Gemeinde reichte mit Berufung auf § 43 des 38. Gesetzartikels vom Jahre 1868 beim Unterrichtsministerium ein Gesuch um Staatsunterstützung zur Tilgung der Schulbau Schuld ein. Das Ministerium bewilligte 1000 Gulden zur Tilgung der Schulbau Schuld und des rückständigen Lehrergehaltes.

Die Zahl der schulpflichtigen Kinder wuchs derart, dass man schon im Jahre 1874 einen dritten Schulsaal benötigte. Die Gemeinde konnte wegen ihren schlechten finanziellen Verhältnissen dies alleine nicht schaffen, so ließ die Regierung ein zweites Schulhaus mit einem Lehrsaal und einer Lehrerwohnung erbauen. Die Gemeinde stellte bloß die zum Bau nötige Hand- und Zugkraft. Am 15.Mai 1875 war die feierliche Weihe des neuen Schulhauses HNr.72a neben dem Gemeindehaus (siehe Gemeindegeschichte). Seit damals wirkten an der hiesigen Volksschule drei Lehrkräfte, zwei männliche und eine weibliche.

Der Landtag Ungarns ordnete im 15. Gesetzartikel vom Jahre 1891 an, dass in den Gemeinden ständige Bewahranstalten, Kindergärten, oder wenigstens Schutzanstalten während der Sommermonate errichtet werden müssen. Der Kindergarten ist, wie das Gesetz ausdrücklich sagt, keine eigentliche Lehranstalt, sondern es sollen die Kinder an verständliche Sprache gewöhnt und die Entwicklung ihrer geistigen und körperlichen Fähigkeiten und Kräfte spielend gefördert werden. Das Gesetz sagt weiter: „Der Kindergarten muss errichtet werden, um die allgemeine Volksbildung zu heben, besonders aber um die so schön klingende Sprache des Landes (ungarisch) schon dem zarten Kinderherzen einpflanzen zu können“. Außerdem sollen die Kinder, während deren Eltern ihre Arbeit besorgen, vor jeder Gefahr bewahrt werden usw. Lazarfeld zählte zu jenen Gemeinden, die im Sinne des Gesetzes einen Kindergarten (Ovoda) zu errichten verpflichtet waren. Die gesetzliche dreiprozentige Kindergartensteuer wäre wohl zur Erhaltung des Kindergartens genügend gewesen, doch zur Errichtung des Kindergartengebäudes und der Wohnung für die Kindergärtnerin war die Gemeinde nicht in der Lage. Am 25.Januar 1896 sandte die Gemeindevorstehung ein Gesuch an das Unterrichtsministerium mit der Bitte, die Regierung möge die dreiprozentige Kindergartensteuer so lange erlassen, bis die Gemeinde das zum Bau des Kindergartens nötige Darlehen getilgt hat. Weiter soll der Staat vorläufig für das Gehalt der Kindergärtnerin und Helferin aufkommen. Das Unterrichtsministerium genehmigte das Gesuch der Gemeinde. Der umgebaute nördliche Teil des Gemeindehauses (Magazin) zum Kindergarten und die neu erbaute Wohnung der Kindergärtnerin erhielten am 14.November 1898 ihre feierliche Weihe. Die Gemeinde stellte die Gebäude dem Staate zur Verfügung, ebenso übergeht die Kindergartensteuer nach Tilgung des Darlehens in den Besitz des Staates. Somit bekam unsere Gemeinde einen staatlichen Kindergarten mit ungarischer Unterrichtssprache. Das 3 - 6 jährige deutsche Kind musste den ganzen Tag ungarische Gedichte, Lieder und Spiele, die es nicht verstand, lernen.

Weil die Gemeinde wegen ihrer schlechten materiellen Verhältnisse nicht im Stande war das kärgliche Gehalt der zwei Lehrer an den beiden unteren Klassen zu erhöhen, so stand bald die eine, bald die andere Klasse ohne Lehrer. Die dritte Klasse konnte die Gemeinde nur mittels Staatsunterstützung erhalten. Wegen der wachsenden Schülerzahl wird die Eröffnung einer vierten Klasse in der nächsten Zeit notwendig. Aus diesen Gründen beschloss die Gemeindeverwaltung im Jahre 1899, die seit 1802 bestehende Konfessions- und 1870 übernommene Gemeindeschule zu verstaatlichen. Die Schulgebäude, nebst der fünf Prozenten Schulsteuer und 200 fl. jährlichen Schulbeitrag übergehen an den Staat. Die Gemeinde hat überdies die Gebäude im Stande zu halten und bei Klassenerweiterung für den neuen Lehrsaal zu sorgen. Dagegen sorgt der Staat für Lehrmittel und Lehrerbesoldung, berücksichtigt aber den Wunsch der Gemeinde, dass nur Lehrer mit r.k. Religion angestellt werden und dass der Lehrer der Oberklasse zugleich den Organistendienst versehen muss. Nach diesem gegenseitigen Übereinkommen wurde unsere Schule verstaatlicht, die Lehrer der bisherigen Gemeindeschule als Staatslehrer ernannt und beeidet. Das jährliche Gehalt der Lehrer der beiden unteren Klassen erhöhte der Staat auf 800 Kronen. Unsere Leute verließen sich schon wieder zu sehr auf den Staat und seine Versprechungen, obwohl böse Erfahrungen zu Vorsicht und Selbsthilfe mahnten.

Durch den Bau eines neuen Klassenzimmers am Südflügel des Schulgebäudes im Jahre 1907 wurde unsere Volksschule vierklassig. Im ehemaligen Serbien hat man die Einrichtung des Kindergartens nicht gekannt. Die auf den zu Jugoslawien gefallenen Gebieten der ehemaligen Österreichisch - Ungarischen Monarchie vorgefundenen Kindergärten wurden als eine Art Vorstufe betrachtet, sie wurde daher mit den Volksschulen zusammen 1920 verstaatlicht. Die Kindergärtnerinnen übernahm man in den staatlichen Schuldienst und sie zählten zum Lehrkörper der staatlichen Volksschule des betreffenden Ortes. Weil man den Kindergarten für die nicht slawischen Kinder als eine Vorbereitungsklasse betrachtet, so war die Unterrichtssprache serbisch. Dem rapiden Ansteigen der Schülerzahl nach dem ersten Weltkriege genügten die vorhandenen vier Schulsäle nicht mehr. An einen Neubau konnte die Gemeinde in ihrer schwierigen finanziellen Lage, in die sie 1918 nach dem Zusammenbruch geriet nicht denken. Dazu kam noch der Streit wegen der 1800 Joch Hottarfelder, von denen die Gemeinde keine Steuer erheben konnte. Um einen neuen Schulsaal zu gewinnen, beantragte die Gemeinde die Schließung des Kindergartens. Dies war der Regierung willkommen, sie ersparte sich dadurch das Gehalt einer Kindergärtnerin. Die zwei Kindergartenräume ließ die Gemeinde 1924 in einen Schulsaal umbauen und die Wohnung der Kindergärtnerin wurde Lehrerwohnung. Von dieser Zeit blieb unsere Schule bis 1944 fünfklassig.

Erst im Jahre 1936 erhielt der Schwäbisch - Deutsche Kulturbund die Genehmigung zur Eröffnung eines Privaten Deutschen Kindergartens in Lazarfeld. Er war, bis zur Erstellung des neuen Schulgebäudes 1940 im HNr.103 untergebracht und Frl. Helene Schneider führte den Kindergarten in der Muttersprache bis 1944. Die alten, kleinen Schulsäle entsprachen nicht mehr den Anforderungen der neuen Zeit. Die Schülerzahl war wieder gewachsen, die Lehrsäle zu klein. Deshalb ließ die Gemeinde am Südflügel des alten Schulhauses zwei moderne, geräumige Lehrsäle und eine Lehrerwohnung erbauen. Der im Jahre 1939 begonnene Bau erhielt 1940 seine feierliche Weihe. Nun konnten die Lazarfelder Kinder nach dem Jahre 1941 in ihrer Muttersprache am Unterricht teilnehmen. Leider waren diese geordneten neuzeitlichen Schulverhältnisse nur von kurzer Dauer. Beim Einmarsch der Russen am l.Oktober 1944 nahm alles ein jähes Ende. Bevor wir diesen Teil schließen, wollen wir nun noch die Namen jener Lazarfelder hier anführen, die sich dem Studium gewidmet haben:

   1. Speicher Johann Lehrer in Orawitza
   2. Gemmel Anton Lehrer in Deutsch – Zerne
   3. Franges Josef Lehrer in Gloganj

   4. Schwanfelder Josef Lehrer in Setschanfeld
   5. Schwanfelder Adam Lehrer in Brestowatz.
   6. Jakschitz Adam Lehrer in Klek
   7. Marschall Wenzel Lehrer in Johannesfeld und Lazarfeld
   8. Sluga Josef k.u.k. Hauptmann in Budapest
   9. Kipper Christof Lehrer in Soagh und Gilad
  10. Eisler Julius Lehrer in Opova und Perles
  11. Jakschitz Josef Lehrer in St.Georgen und Lazarfeld
  12. Schneider Peter Notar in Folja
  13. Schwemlein Nikolaus Lehrer in Sakula und Klek
  14. Kern Franz Lehrer in Lazarfeld, Großscham und Sigmundfeld
  15. Massong Wenzel Lehrer in Bachowar, Setschandorf und Kathreinfeld
  16. Eisler Michael jun. Gerichtspräsident in Budapest
  17. Marschall Michael Lehrer in Lazarfeld
  18. Welsch Johann Lehrer in Partosch und Lazarfeld
  19. Steibel Michael Richter
  20. Tempich Jakob Richter
  21. Bering Peter Notar in Klek und Lazarfeld
  22. Steibel Franz Lehrer
  23. Eisler Emil Rechnungsrat im ung. Parlament
  24. Prem Peter Pfarrer in Beodra und Torda
  25. Bohn Georg Lehrer
  26. Bergenthal Max Handelsschule
  27. Massong Franz Lehrer in Lazarfeld und Kathreinfeld
  28. Marschall Wenzel Lehrer
  29. Klötzl Franz Landrat
  30. Eisler Nikolaus Lehrer
  31. Schneider Peter (HNr.59a) Jurist
  32. Marschall Peter Lehrer in St. Georgen
  33. Jakschitz Lajosch Bankbeamter in Budapest
  34. Marschall Josef Zahnarzt
  35. Lux Johann Lehrer in Klek und Kudritz
  36. Welder Adam Arzt in Kudritz
  37. Tempich Adam Arzt
  38. Schneider Nikolaus Arzt
  39. Zwirner Georg Arzt in Lazarfeld
  40. Zwirner Helmut Arzt
  41. Zwirner Gottfried Dipl. Ing
  42. Zwirner Werner T.Hochsch
  43. Klötzl Josef Handelsschule
  44. Klötzl Franz Gymnasium
  45. Lang Josef Ingenieur
  46. Schneider Franz Notar in Lazarfeld
  47. Schneider Franz jun. Diplom Landwirt
  48. Schneider Josef Handelshochschule
  49. Schneider Wilhelm Handelsschule
  50. Zwirner geb. Welsch Anna Lehrerin
  51. Lang Lorenz Lehrer in Kathreinfeld, Sigmundfeld, Lazarfeld, Klek und Großbetschkerek von 1922 - 44 und von 1945 - 64 in Deutschland
  52. Jakschitz Peter Lehrer in Partos und Lazarfeld
  53. Jakschitz Nikolaus Tierarzt
  54. Fillips Peter Arzt
  55. Massong Josef Lehrer
  56. Jerch Anton Lehrer in Beodra und Ridjica
  57. Eckert Peter Dipl. Ing.
  58. Schneider Johann Lehrer
  59. Kristof Michael Studienrat in Subotica, Werbas und Großbetschkerek
  60. Zwirner Matthias Handelsschule
  61. Zwirner Edwin Gymnasium
  62. Kern Matthias Berufsschullehrer
  63. Koch Karl Pfarrer
  64. Schneider Michael Vizenotär in Lazarfeld
  65. Schneider Franz Gymnasium
  66. Zwirner Matthias Vizenotär in Lazarfeld
  67. Schneider Magdalena Dipl. Krankenschwester
  68. Kubrikow Matthias Ingenieur
  69. Kubrikow Wenzel Postvorsteher
  70. Kelemen Julius Postbeamter in Lazarfeld
  71. Görlich Arthur Eisenbahnbeamter
  72. Pfendt Franz Notar.
  73. Wolf Sigmund Dipl. Chemiker in Großbetschkerek
  74. Zwirner Josef Gymnasium
  75. Zwirner Walter Studienrat
  76. Faul Reinhard Tierarzt
  77. Faul Klaus Gymnasium
  78. Jerch Wenzel Ingenieur
  79. Fochler Peter Dipl. Ing
  80. Welsch Johann jun. Beamter.

Zusammenfassung in Zahlen: 2 Pfarrer, 1 Gerichtspräsident, 1 Parl. Rechnungsrat, 2 Richter, l Advokat, 7 Ärzte, 1 Zahnarzt, 4 Dipl. Ing., 1 Diplom Landwirt, 1 Tierarzt, 2 Studienräte, 1 Berufsoffizier, 1 Landrat, 1 Berufsschullehrer, 28 Volksschullehrer, 4 Notare, 2 Vizenotare, 2 Postvorsteher, 3 Ingenieure, 3 Beamte und 1 Dipl. Krankenschwester. Fürwahr, eine stolze Bilanz, wenn gesagt werden kann, daß die Angehörigen der genannten Berufsgruppen, denen Lazarfeld einst Heimat war, sich im öffentlichen Leben einen ehrenvollen Namen geschaffen haben.