Vereins- und Genossenschaftswesen

Den Veteran unter den Vereinen in Lazarfeld bildete ohne Zweifel der Schützenverein. Die Tradition dieser Schützengilde hatten unsere Ahnen aus der alten Heimat am Rhein, Neckar, aus dem Schwarzwald usw. mitgebracht. In der Siedlerzeit wies die Chronik von Lazarfeld nur diesen einzigen Verein auf. Der Zeitpunkt seiner Auflösung ist uns nicht bekannt. Der Wert der Vereinsgründungen wurde in Ungarn erst durch den Wahlspruch des Kaisers und Königs Franz Josef I.: "Viribus unitis" (mit vereinter Kraft) vollkommen erfasst. Die Gründung der verschiedenen Vereine erfolgte aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

So wurde 1854 der Marienverein aus der Taufe gehoben, der Verschönerung des Gottesdienstes dienen und den sittlich - religiösen Lebenswandel der weiblichen Jugend fördern sollte. Bis zu unserer Vertreibung zählte er 30 - 40 Schulmädchen, die von einigen Frauen überwacht und geleitet wurden. An hohen Festtagen umsäumten die in strahlendes Weiß gekleideten und mit Kränzen geschmückten "Marienmädchen" den Hochaltar. Wie freuten sich ihre Eltern und die ganze Pfarrgemeinde!

 

Neun Jahre später, nämlich am 8.September 1863, gründete der Lehrer Michael Eisler den Gesangverein. In der ersten Zeit seines Wirkens umfasste er 20 aktive und einige passive Mitglieder. Schon am 2.Oktober 1863 umrahmte der vierstimmige Männerchor den Gottesdienst in der Lazarfelder Kirche. Die Bevölkerung des Heimatortes spendete den Sängern viel Lob. Der Männerchor hatte sich zur Aufgabe gemacht, das deutsche Lied in und außerhalb der Kirche zu pflegen, die Geselligkeit im Verein zu fördern und durch öffentliche Veranstaltungen - Sängerfeste, Liederabende, Theaterstücke - die Liebe zur Muttersprache zu wecken und wach zu halten. Wie schon erwähnt, beinhaltete der Chor ursprünglich nur die Stimmlagen l. und 2. Tenor und l. und 2. Bass. Um aber dem Kirchengesang Genüge zu leisten, wurde der Männerchor durch die Stimmlagen Sopran und Alt zu einem gemischten Chor erweitert. Weltliche Veranstaltungen aber bestritt nur der Männerchor. Die Tätigkeit des Vereins erstreckte sich hauptsächlich auf die Wintermonate. Zweimal wöchentlich trafen sich die sangesfreudigen Männer abends in der Schule. Großen Erfolg und große Anerkennung erntete unser Gesangverein bei verschiedenen Sängerfesten und Jubiläen.

 

Weil der Chorleiter zugleich auch das Amt eines Kantorlehrers bekleidete, galt die Hauptaufgabe des Vereins dem Kirchengesang. Durch sein Mitwirken verlieh er dem Gottesdienst an Sonn - und Feiertagen ein festliches Gepräge. Auch bei Begräbnissen durfte der Gesangverein nicht fehlen. Das Amt des Dirigenten hatte fast ausnahmslos ein Lehrer inne, der neben der Lehrerstelle auch noch den Organisten - oder Kantordienst versah. Bis Ende des 1.Weltkriegs (1918) war der Kantordienst mit einer Lehrerstelle gesetzlich verbunden. Man nannte ihn deshalb auch Kantorlehrer. Der Kantorlehrer hatte in alter Zeit zugleich auch das Amt eines Schulleiters oder Schuldirektors inne. Er führte den Titel Oberlehrer. Nach Beendigung des 1.Weltkrieges setzte die serbische Regierung dieses Gesetz außer Kraft. Der Lehrer wurde von den Pflichten seines bisherigen Organistendienstes enthoben. Über die Ausübung des Organistendienstes konnte er frei entscheiden.

 

Folgende Dirigenten leiteten den Lazarfelder Männerchor:

1.      Eisler Michael (Schuldirektor und Organist, 1863 - 1893)

2.      Marschall Wenzel (Lehrer und Organist, 1893 - 1904)

3.      Massong Franz (Lehrer und Organist, 1904 - 1906)

4.      Schröder Nikolaus (Lehrer und Organist, 1907 - 1908)

5.      Unterreiner Josef (Schuldirektor und Organist, 1908 - 1938)

 

Dreißig Jahre hatte Unterreiner, der ein fleißiger und gewissenhafter Lehrer gewesen war, den Taktstock geschwungen. Er liebte sein Volk und sprach mit Vorliebe "schowisch". Während des 1.Weltkrieges vertrat ihn Welsch Johann (Lehrer und Organist). Als letzter Dirigent kann Weber Ernst genannt werden (1938 - 1945). Am 18.April 1945 hörte der Verein auf zu bestehen. 82 Jahre hatte der Verein bestanden, hatte er zu Ehren Gottes und zur Freude der Menschen gesungen und hatte in den fast neun Jahrzehnten seines Bestehens wertvolle deutsche Kulturarbeit im Ausland geleistet.

 

Im Jahre 1869 schlossen sich dreißig Lazarfelder zu einem Leseverein zusammen. Die Mitglieder dieses Vereins besprachen nicht nur politische Tagesfragen, sondern aktuelle landwirtschaftliche Probleme. Sie unterhielten sich aber auch über Fleiß, Sparsamkeit und Kreditfragen. So beeinflussten sie die wirtschaftliche Weiterentwicklung unserer Gemeinde nicht unerheblich.

 

Wegen der damaligen ungünstigen Wirtschaftsverhältnisse Lazarfelds wurden nur sehr wenige Bewohner für kreditfähig befunden. Nur durch Vermittlung gelang es wenigen, bei einem Zinssatz von 30 - 50 % ein Darlehen zu erhalten. Um sich die Wucherer vom Halse zu schaffen, riefen die Verantwortlichen des "Lesevereins" im Februar 1877 eine Spar- und Vorschussgenossenschaft, fußend auf Schulze - Delitzsch'scher Grundlage ins Leben. Sie konnte im wahrsten Sinne des Wortes als "gelungenes Kind" des Lesevereins bezeichnet werden. 548 Mitglieder begannen mit einer wöchentlichen Einzahlung von 10 Kreuzer, so dass sich die Einzahlungssumme auf 54 fl. und 8 kr. belief. Bei einem Zinssatz von 12 - 15 % stellte man dieses Kapital als Wechseldarlehen oder Vorschuss den Schuldnern zur Verfügung. Wie glücklich schätzten sich die Leute, Geld zu erhalten und noch dazu bei einem so günstigen Zinssatz. Diese Genossenschaft währte zehn Jahre. Nach Ablauf dieser Frist blieben alle Anteile bis zur Abrechnung erhalten. Im Zuge der Auszahlung entfielen auf einen Anteil 70 fl. Vergleicht man den Einzahlungsbetrag von nur 33 fl. 40 kr. mit dem Auszahlungsbetrag, so ergibt sich eine Kapitalsteigerung von 36 fl. 60 kr. Die Einzahlungen während der letzten fünf Jahre konnten fast ausschließlich vom Reingewinn getätigt werden. Die Namen der Männer, die wesentlichen Anteil am Zustandekommen dieser ersten Genossenschaft hatten und damit den wirtschaftlichen Aufschwung in unserer Gemeinde ankurbelten, bedürfen besonderer Erwähnung.

 

Es sind dies:

 

  1. Matthias Bering,
  2. Thomas Bohn,
  3. Franz Klötzl,
  4. Josef Knapp,
  5. Josef Brem,
  6. Nikolaus Schneider,
  7. Johann Steibel,
  8. Josef und Georg Zwirner.
  9. Die damaligen Lehrkräfte Michael Eisler und Wenzel Marschall führten die Geschäftsbücher der Genossenschaft zwei Jahre unentgeltlich.

 

Auch später beanspruchten sie für ihre verantwortungsvolle Arbeit wöchentlich nur je l fl. Ehrenhonorar.

 

Während sich die erste Spar- und Vorschussgenossenschaft im Abrechnungsstadium befand, kam in Lazarfeld noch im Jahre 1887 eine ähnliche Genossenschaft zustande. Sie startete diesmal aber bereits mit 2.714 Anteilen zu ebenfalls 10 kr. wöchentlicher Einzahlung. Der gewaltige Anstieg der Anteile zeigte deutlich, welche wirtschaftlichen Vorteile eine solche Genossenschaft gebracht hatte. Zu den Mitgliedern zählten diesmal nicht nur Bewohner unserer Gemeinde, sondern auch solche von Klek, Sigmundfeld und Rudolfsgnad. Die Genossenschaft führte den Namen "Lazarföldi uj takarek - es elölegezesi szövetkezet ", Lazarfelder neue Spar- und Vorschussgenossenschaft. Auch dieses Geldinstitut hatte sich bewährt und nach zehnjähriger Wirksamkeit mit Gewinn abgerechnet. Für 39 fl. erhielten die Mitglieder je Anteil 65 fl. Diese Genossenschaft arbeitete mit etwas niedrigerem Zinsfuß, daher erreichten sie geringere Gewinne. Ihr Hauptziel bestand darin, den Anteilnehmern billige Kredite und Darlehen zu gewähren.

 

Auf allgemeinen Wunsch rief man 1897 zum dritten Male die Genossenschaft „Lazarföldi takarek – hitel es elölegezesi szövetkezet" Lazarfelder Spar-, Kredit- und Vorschussgenossenschaft mit einer Laufzeit von zehn Jahren ins Leben. Jeder Interessent zahlte pro Anteil monatlich 1 Kr. 276 Mitglieder traten dieser Genossenschaft bei und erwarben 776 Anteile. Die Genossenschaftler rekrutierten sich fast ausschließlich aus Lazarfelder, weil in der Zwischenzeit die oben angeführten Gemeinden ihre eigenen Genossenschaften gegründet hatten. Die "Hitelszövetkezet" - Kreditgenossenschaft - wie sie kurz genannt wurde, zahlte für Spareinlagen 5 % bzw. 6 % und gewährte Wechseldarlehen für 8 %. Sie wurde nach 10 Jahren wieder erneuert und bestand bis zum Zusammenbruch der Donaumonarchie. Wie schon erwähnt, stellte die Genossenschaft eine große wirtschaftliche Hilfe für unsere Gemeinde dar. Sogar Knechte und Mägde erwarben Anteile. So schafften sie sich Vermögen, das sie für ihr späteres Selbststädnigskeitsstreben bitter benötigten.

 

Im Jahre 1889 gaben Kreisnotar Peter Lafleur und einige Lazarfelder den Anstoß zur Gründung eines, Freiwilligen Feuerwehrvereins". Die Feuerwehr umfasste 45 Aktive. Leider war diesem Verein keine lange Lebensdauer beschieden; denn schon nach drei Jahren löste er sich wieder auf. Diese Tatsache wurde allgemein bedauert; denn Feuersbrünste konnten nur durch einheitliches, zielbewusstes zusammenwirken von Laien und ausgebildeten Feuerwehrmännern bekämpft werden. So eilte man fürderhin mit Eimern und Werkzeugen an die Brandstätte, um das Feuer zu löschen. Niemand war da, der die Brandbekämpfung sachkundig und wirksam geleitet hätte. Im Laufe der Jahre versuchte man noch öfters, den Feuerwehrverein ins Leben zu rufen; aber erst im Jahre 1930 war dieses Bemühen von Erfolg gekrönt. 30 - 40 Feuerwehrleute unterstanden dem Präses, Lehrer Peter Jakschitz und dem Kommandanten Franz Bosler. Jeden Sonntag rückten sie in Uniformen mit zwei Feuerspritzen zur Übung aus. Bald schloss sich auch die Musikkapelle dem "Freiwilligen Feuerwehrverein" an. Nicht nur in Gefahrenzeiten standen die Feuerwehrmänner ihren Mann, sondern auch bei Feierlichkeiten trugen sie in ihren schmucken Uniformen und glänzenden Helmen nicht unwesentlich zur Hebung der Festlichkeiten bei. Um das sittlich - religiöse Leben zu erneuern, regte Pfarrer Josef Olajosch 1892 die Gründung des "Rosenkranzvereines" an. Gleich zu Beginn zählte diese Vereinigung 100 Mitglieder. Am 1.Oktober 1893 fand die feierliche Weihe der Vereinsfahne statt. Als Fahnenpatin fungierte die Witwe Anna Klötzl, geb.Polovich. Sie bedachte das neue Banner mit einem vielbewunderten Fahnenband. Der Rosenkranzverein bestand bis zur Zeit der Vertreibung.

 

Das Jahr 1894 brachte schließlich die Gründung des Ortsvereins "Südungarischer landwirtschaftlicher Bauernverein" mit Sitz in Temeswar. Dieser Bauerverein strebte in erster Linie den Zusammenschluss der kleinen Landwirte an. Wohl existierte fast in jedem Komitat landwirtschaftliche Vereine, doch ihre Mitglieder gehörten fast ausschließlich dem Stand der Großgrundbesitzer an, die für die Belange der Bauern und kleineren Landwirte wenig oder gar nichts übrig hatten. So schlossen sich im Jahre 1884 unter Führung des Bürgermeisters von Bogarosch, Peter Ströbel, mehrere Bauern zu einem Bauernverein mit Sitz in Hatzfeld zusammen. Zunächst aber genehmigte das ungarische Landwirtschaftsministerium die Statuten des Bauernvereins wegen "Staatsgefährdung" nicht. Aber das ins Rollen gebrachte Rad konnte nicht mehr aufgehalten werden. Der Ruf nach einer Institution, die den Bauernstand nach außen hin vertreten sollte, wurde immer lauter. So konnte unter Mitwirkung des Professors Franz Blaschkowicz, des Reichstagsabgeordneten Johann Wittmann und des Lehrers Karl Kraushaar am 10.12.1891 in Temeswar die Gründung des „Südungarischen landwirtschaftlichen Bauernvereins" durchgesetzt werden.

 

Der Ortsverein Lazarfeld umfasste etwa 60 Mitglieder. Wöchentlich dreimal trafen sich im Winter die Bauern. Funktionäre erläuterten in Vorträgen landwirtschaftliche Fragen. Für die Lazarfelder Jugend organisierte der Verein Studienausflüge, Winterkurse, Abendschulen und Wanderungen. Jedes Mitglied bezog das Fachblatt. "Der Landbote" und später "Der Freimütige". Alsbald nach seiner Gründung erwarben die Mitglieder des Vereins als Anteilhaber zwei Dreschmaschinen. die sog. Gesellschaftsdreschmaschinen. Infolge Teilung des Banats nach dem 1.Weltkrieg löste sich der Bauernverein bei uns auf. Auch nach dem Kriege setzte sich im neuen Vaterland Jugoslawien die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung Lazarfelds fort. Die Gemeinschaftsarbeiten der neu gegründeten Vereine und Genossenschaften richteten sich hauptsächlich auf das eigene Volkstum aus. Diese nationale kulturelle Organisation nannte sich ,,Schwäbisch – Deutscher Kulturbund". Seine Gründung erfolgte am 20.Juni 1920 in Neusatz. Kurz danach schickte sich Lazarfeld an, eine Ortsgruppe des, Schwäbisch - Deutschen Kulturbundes" ins Leben zu rufen. Ein besonderes Ereignis in der Ortsgeschichte Lazarfelds bahnte sich mit diesem Vorhaben an, bestand doch bis zu diesem Zeitpunkt keine kulturelle Organisation dieser Art. In Lazarfeld herrschte deswegen in diesen Tagen große Aufregung und große Geschäftigkeit. Mit Pferdewagen und Reitergruppen geleitete man die Ehrengäste Johann Keks und Dr. Georg Graßl zur Gründungsversammlung.

 

Dem Kulturbund oblag die Aufgabe, alle kulturellen und sozialen Belange der Deutschen Jugoslawen zu fördern. Qualifizierte Kräfte referierten in zahllosen Zusammenkünften der Mitglieder über völkerrechtliche landwirtschaftliche, technische, geschichtliche und literarische Themen. Obwohl der Kulturbund in erster Linie eine Regermanisierung der magyarisierten Deutschen ins Auge gefasst hatte, erblickte die jugoslawische Regierung in ihm eine Gefahr, so dass er in den Jahren 1924 und 1929 durch die Behörden - allerdings nur für kurze Zeit - verboten wurde. Diese Verbote erwiesen sich als unberechtigt. Die Ziele des "Deutschen Kulturbundes" bestanden keineswegs darin, den jugoslawischen Staat anzutasten. Die Deutschen forderten von der Regierung nur immer so viele kulturelle Rechte, wie sie die Serben in Ungarn vor 1918 gehabt hatten.

 

Besonders aktiv zeigte sich unsere Jugendgruppe, die seit 1921 in Lazarfeld wirkte, Sie hatten sich zur Aufgabe gestellt, deutsche Sitten und deutsches Brauchtum zu erhalten, Volkslieder und Volkstänze zu pflegen. Den Theateraufführungen, mit denen die Jugend an die Öffentlichkeit trat, war stets ein volles Haus beschieden.

 

In das Jahr 1921 fällt auch die Gründung eines Sportvereins durch die Studenten. Dieser Sportverein schloss sich vorsichtshalber dem Kulturbund nicht an, weil man schon damals befürchtete, dass der Kulturbund evtl. verboten werden würde. Als Sportverein hatte er noch immer die Möglichkeit, die Jugendarbeit zu fördern. Um noch mehr deutsches Kulturgut unter der Bevölkerung zu verbreiten, richtete der Kulturbund in Lazarfeld eine Bibliothek ein. Besonders gerne las man die bis dahin verbotenen Werke des Erweckers der Donauschwaben, Adam Müller Guttenbrunn. Im Laufe der Jahre bildete sich auch eine Mädchen- und Frauengruppe des Kulturbundes.

 

In den dreißiger Jahren teilte sich unsere Gemeinde durch die neu aufgetretenen politischen Strömungen in zwei Parteien. Die meisten unserer Bauern blieben auch weiterhin der Spitzenorganisation, dem "Schwäbisch - Deutschen Kulturbund" treu, von dem sie auch dann nicht abrückten, als die „Erneuerer" längst einen neuen und „richtigeren" Weg zu gehen glaubten.

 

Am 17.Dezember 1922 schlossen sich in Hatzfeld Angehörige unserer Volksgruppe zur "Partei der Deutschen" zusammen. Diese Partei forderte eine freie schulische Betätigung und einen gerechten Anteil am Steueraufkommen für Schul- und Bildungszwecke. Die "Partei der Deutschen" bot unseren Landsleuten die Möglichkeit, sich aus den politischen Auseinandersetzungen des Staatsvolkes heraus zuhalten. Auch in unserer Gemeinde wurde eine Ortsgruppe dieser Partei gegründet; Aktivität aber entfaltete sie nur vor den Wahlen.

 

Nach dem 1.Weltkrieg, das Banat war geteilt worden, blieb unsere Gemeinde ohne Kreditgenossenschaft, bzw. Sparkasse. Wer in jener Zeit ein Darlehen benötigte, musste dafür der Privatbank in Großbetschkerek 18 - 24 %, Zinsen bezahlen. Da aber das Genossenschaftswesen in der ungarischen Zeit so gute Früchte gezeitigt hatte, rief die deutsche Führung am 1.Oktober 1922 in Neusatz die "Agraria" ins Leben. Die "Agraria" beinhaltete eine landwirtschaftliche Zentralgenossenschaft mbH, die als Warengenossenschaft sowohl landwirtschaftliche Produkte von ihren Mitgliedergenossenschaften kaufte und exportierte. als auch Saatgut und sonstige landwirtschaftliche Bedarfs- und Gebrauchsgüter importierten und an die örtlichen Genossenschaften zum Verkauf an die Mitglieder weitergaben.

 

Im Jahre 1923 nahm auch in Lazarfeld die Ortgenossenschaft der "Bauernhilfe" ihre Tätigkeit auf. Schon im nächsten Jahr verluden unsere Bauern ihren Weizen und ihren Mais zu Spitzenpreisen in einem im Begakanal bei Klek bereitstehenden Schlepper. 1926 lud die "Agraria" zu einer Versammlung aller Genossenschaften nach Neusatz ein. Den Vorsitz führte Dr.Stefan Kraft, Lazarfeld entsandte dazu als Vertreter Obmann Franz Sattler und Schriftführer Johann Pfendt. Herr Sattler, ein erfahrenes Vorstandsmitglied der früheren Genossenschaft beantragte, neben der Warengenossenschaft "Agraria" eine Schwestergenossenschaft ins Leben zu rufen, bei der die Mitglieder ihr Geld als Spareinlagen einzahlen und im Bedarfsfalle auch ein Darlehen erhalten könnten. Er führte weiter aus, dass ohne ein kreditfähiges Geldinstitut unsere deutschen kulturellen Vereine und Genossenschaften keine Zukunft hätte Der Vorschlag des Herrn Sattler fand Anerkennung. Nach längerer Beratung stellte man der "Agraria" eine würdige Schwester, nämlich die "Zentraldarlehenskasse" mit Sitz in Neusatz, zur Seite. Erst durch die Gründung dieser Kreditgenossenschaft erfuhr das deutsche Genossenschaftswesen einen richtigen Aufschwung. Um zu einem Grundkapital zu kommen, hatte jedes Mitglied der örtlichen Genossenschaft einen Mindestsparstock zu zeichnen. Die wöchentliche Einzahlung auf diesen Mindestsparstock betrug 5 Dinar. Die erste Rückzahlung erfolgte nach fünf Jahren mit 1500 Dinar. Später gewährte die Genossenschaft bei einer Einzahlung von 1300 Dinar 1450 Dinar.

 

Noch im ersten Geschäftsjahr 1926 schloss sich unsere "Bauernhilfe" der „Zentraldarlehenskasse" an und führte nun den Namen "Landwirtschaftliche Kredit - und Wirtschaftsgenossenschaft - Bauernhilfe m. b. H. Lazarfeld". Allgemein aber hieß sie "Agraria". Durch gewissenhafte Geschäftsführung gewann die "Agraria" immer mehr Mitglieder. Zuletzt gehörte fast jede Familie der Genossenschaft an.

 

Bis zum Neubau des Genossenschaftsheimes befand sich die Geschäftsstelle im Hause des Herrn Michael Schneider, HNr.78. Im Jahre 1928 konnte die Genossenschaft das 200 Quadratklafter große Grundstück HNr.130a für 30 000 Dinar von Dominik Brenner käuflich erwerben. Schon am 17.November 1929 schritt man zur feierlichen Weihe des neuen Genossenschaftsheimes. Das große Gebäude hatte seinen Platz mitten im Dorf und war gleichzeitig eine Zierde der Gemeinde.

 

Wie schon erwähnt, beinhaltete die Genossenschaft nicht nur ein Geldinstitut, von dem die Mitglieder jederzeit billiges Darlehen (6%) erhielten, Spareinlagen verzinste es mit 4% , sondern sie kaufte auch die gesamte Getreideernte der Gemeinde auf. Eine niedere Verdienstspanne, Steuerfreiheit und die Ausschaltung jedwelcher Spekulationskäufe ermöglichten es ihr, immer die höchsten Preise zu zahlen. Großeinkäufe der "Zentralgenossenschaft" in Neusatz versetzten sie in die Lage, ihren Mitgliedern landwirtschaftliche Maschinen, Fahrräder, Kunstdünger, Saatgut usw. günstiger zu beschaffen als dies im Handel möglich gewesen wäre. Die Warenabteilung der Lazarfelder "Bauernhilfe" kaufte jährlich 500 Waggons Weizen und 700 Waggons Mais von ihren Mitgliedern auf.

 

Der Spar- und Kreditumsatz eines Jahres erreichte die 3 Millionen Dinar Grenze.

Dem Genossenschaftsverband in Neusatz gehörte auch der Tierzuchtverband "Selector" an, der sich in Pferde-, Rinder- und Schweinezuchtgenossenschaften gliederte.

 

Mitte der dreißiger Jahre ist in Neusatz auch eine Geflügel- und Eierverwertungsgenossenschaft "Avis" gegründet worden. Eine Zweiggenossenschaft befand sich in Großbetschkerek.

 

Wie aus diesem Bericht ersichtlich ist, erfreute sich unser deutsches Genossenschaftswesen eines vorbildlichen Ausbaues und einer mustergültigen Organisation. Ihre Mitglieder gelangten darauf in den Genuss großer wirtschaftlicher Vorteile. Selbst unsere Gegner mussten zugeben, dass die deutschen Genossenschaften die besten in Jugoslawien waren.

 

Auch hier seien die Männer namentlich erwähnt, die sich nach dem 1,Weltkrieg für den Aufbau des Genossenschaftswesens einsetzten und zum erneuten wirtschaftlichen Aufschwung Lazarfelds wesentlich beitrugen:

Obmann:

1.      Sattler Franz 1923 - 1930, 1935 - 1937 und 1942 - 1944.

2.      Klötzl Josef 1930 - 1935 und 1939 – 1942 (zum Wehrdienst einbezogen).

3.      Kern Adam 1937 - 1939.

Schriftführer:

1.      Pfendt Johann 1923 - 1929,

2.      Klötzl Josef 1929 – 1930

3.      Awender Nikolaus, Lehrer 1930 - 1944.

Kassier:

1.      Schneider Michael 1923 - 1938 und 1942 - 1944.

2.      Lang Wenzel 1938 - 1942 (zum Wehrdienst einbezogen).