Vorwort

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der rein deutschen Gemeinde Lazarfeld im Banat regte die Gemeindevorstehung im Jahre 1900 die Herausgabe einer Festschrift an. So verfasste der Schuldirektor a.D. Michael Eisler die erste Monographie unseres Heimatortes. Das Buch fand seinerzeit großen Anklang. Es beinhaltet wertvolles Quellenmaterial über die Ansiedlung und über die ersten 100 Jahre Lazarfelds.

Die Sprache dieses Buches mutet den Leser der heutigen Generation etwas fremdartig an, deshalb erwies sich eine umfassende Neubearbeitung als zwingend notwendig. Um die damalige Festschrift positiv abzurunden, versah ich sie mit ergänzenden Beiträgen. Der erste Teil meines Buches schildert die Besiedelung Südungarns im Allgemeinen; er ist von mir vollkommen neu gestaltet und beansprucht einen breiten gemeinen Raum. Vielleicht wird mancher Leser fragen, was die allgemeine Ansiedlungsgeschichte im Heimatbuch eines einzelnen Ortes zu suchen habe. Sollte es vielmehr nicht nur die Vergangenheit, den Aufstieg und den Untergang Lazarfelds sowie den Schicksalsweg unserer Menschen schildern? Wenn wir aber bedenken, dass die meisten von uns nicht wissen, wann und woher ihre Ahnen einst aus dem Mutterland in das Banat und in die Batschka zogen, so scheint ein längeres Verweilen bei der Ansiedlungsgeschichte durchaus berechtigt, gibt doch dieser Teil Auskunft darüber. Er verhindert so bei unseren Nachkommen ein weiteres Vergessen.

Der geneigte Leser erfährt in diesem Buch nicht nur Daten über die Siedlungszeit und Siedlerzahl der Primär - oder Erstsiedlung, sondern er erhält auch Informationen über die Herkunftsorte der Einwanderer.

Stets verfolgte der Verfasser das Ziel, Siedlungsgeschichte unserer Ahnen sowie 150-jährige Geschichte Lazarfelds parallel mit der Geschichte der Habsburger Monarchie bzw. Jugoslawiens zu schildern.

Als Pächtergemeinde wurde Lazarfeld im Jahre 1800 gegründet. Diesem Zeitabschnitt widmete ich ein besonderes Kapitel.

Geschichtsereignisse chronologisch aufzuzählen und aneinanderzureihen, genügte mir nicht; denn ein Heimatbuch kann ja erst seinen Zweck erfüllen, wenn darin auch unser Leben, Wirken, Werken; unsere Sitten, Bräuche und Feste zu Feiern, aufgezeigt sind.

Ferner berichtet das Buch über die an unserem Volke verübte blutigen Gräueltaten, über Enteignung und Vertreibung, über die Verschleppung nach Russland, über die Massenvernichtung in den Lagern und über die Erschießung unterer jungen Männer. Diese Opfer sei durch dieses Lazarfelder Heimatbuch ein ehrendes Denkmal gesetzt.

Bald werden auch jene Lazarfelder, die zur völkischen Entwicklung und zum wirtschaftlichen Aufstieg unserer Heimatgemeinde wesentlich beigetragen haben, nicht mehr unter den Lebenden sein. Lebensart und Lebenshaltung sollen ihren Söhnen und Töchter in der Wahlheimat als Vorbild dienen; auch für sie schrieb der Verfasser dieses Buch. Das darin Zusammengetragene möge auch Enkel und Urenkel in stillen Stunden zum Nachdenken anregen.

Obzwar ich das letzte Drittel der 150 - jährigen Geschichte unseres Heimatortes miterlebte, wäre ohne Mithilfe einiger Landsleute nicht in der Lage gewesen, über die letzten Jahre so ausführlich zu berichten. Noch im Linzer Lager stellten auf meine Anregung hin die Landsleute Michael Bohn H.Nr.79b. und Peter Mayer H.Nr.146 eine Namensliste der Lazarfelder auf, die dann Notar Johann Meng ergänzte. Weitere Unterlagen stellte der gewesene Notar Franz Schneider, Peter Bohn H.Nr.84, Michael Schneider H.Nr.172, zur Verfügung.

Direktorlehrer Josef Unterreiner lieferte wertvolle Beiträge über das Schulwesen und über die Sitten und Bräuche unseres Heimatortes. Ost. Direktor Johann Dormuth „Sein Großvater stammt aus Lazarfeld“ überließ mir einige Daten der Banater Geschichte. Für die mundartlichen Erörterungen zeichnet Prof. Dr. Ladislaus Weifert verantwortlich. In der reichen Schatztruhe ihrer Erinnerungen kramte Josef Klötzl H.Nr.15, Josef Dekreon H.Nr.163, Lorenz Menches H.Nr.14, meine Frau und mein Bruder Wenzel Lang H.Nr.66, und lieferten so wertvolle Hinweise über längst Vergangenes in Lazarfeld. Letzterer stellte in Mühevoller Kleinarbeit die Namenslisten zusammen. Die Organisation der Buchbestellungen übernahm in Österreich Josef Schaff H.Nr166 und Adam Neidenbach H.Nr.19 und in Deutschland Lorenz Menches H.Nr.14. Allen Mitarbeiter „damit das Heimatbuch Wirklichkeit werden konnte“ , verzichtet sie ebenso wie ich auf jegliches Entgelt und Spesenvergütung. Allen die mir Bilder zur Verfügung gestellt haben, allen Geldspenden - sie wollen ungenannt bleiben - sei hiermit herzlich gedankt.

Vor rund 250 Jahren waren unsere Vorfahren aus vielen Gauen Deutschlands aufgebrochen, um im Banat und in der Batschka eine neue Heimat zu finden. Die österreichischen Kaiser hatten sie gerufen, um Bollwerk des Christentums gegen das Heidentum, um Kulturträger des Abendlandes gegen die fremde Welt des Ostens zu sein. Nach mehr als 200-jähriger Aufbauarbeit büßten wir durch den Ansturm aus dem Osten unsere Heimat, unsere Austreiber aber ihre Freiheit ein.

Unser Volk, in aller Welt zerstreut, passte sich durch seinen überlieferten Pioniergeist aus der Siedlerzeit den gegebenen Verhältnissen rasch an und stellte seine Tüchtigkeit auch in der neuen Wahlheimat abermals unter Beweis.

Dass das vorliegende Heimatbuch Wissen vermittle und in besinnlichen Stunden auch Freude bereiten möge, das wünscht Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser Ihr Landsmann

 

Lorenz Lang

Hauptlehrer a. D.

München, den 28. August 1972

(Tag des Lazarfelder Kirchweihfestes)