Eine lustige Begebenheit bei der Betrachtung der Kirchengemälde

Zuhause sagten die Frauen: "Maria Lichtmeß, Spinnen vergeßt, beim Tag zu nacht geß.

Wenn man das Wort Spinnen vergeßt hört, so hat dies wohl seine Bedeutung. Bei uns in Lazarfeld wurde der Hanf nur zum eigenen Gebrauch gepflanzt, denn er war so notwendig wie das tägliche Brot im Haus. Die vielen Stricke für die Pferde, Kühe und Kälber, sowie die Leinwand, Säcke, Plachen wurden aus ihm gewonnen. All diese Arbeit ist durch die Hausfrau Hände gegangen und so entstand die Spinnstube. Tagsüber mußten die Frauen die Hauswirtschaft führen, so daß sie die Winterabende zum Spinnen verwendeten. Alleine war es ihnen meist zu eintönig, weil sie leicht dabei einschliefen. Darum haben sich etwa 15 - 20 Frauen zusammengetan und von 6 - 9 Uhr abends ihre Spinnarbeit verrichtet. Natürlich hat jede Gastgeberin für diesen Abend etwas vorbereitet, wie Kuchen, Kalleten, Kukuruz gepatscht oder gekocht. Einmal hat die Besel Bewi den Kukuruz mit den Kolben gekocht und sagte dazu, es sei noch grüner Kukuruz vom Herbst. Diese Zusammenkunft der Bäuerinnen an den Winterabenden war eine schöne gemeinschaftliche Unterhaltung und zugleich die Tageszeitung des Dorfes. Es sind mal alle Neuigkeiten erzählt worden, den einen gelobt, den anderen beschimpft, wie es eben so ist, wenn mehrere Frauen sich treffen. Bei dieser Gelegenheit wurden auch so manche Hochzeiten zusammengestellt.

Einmal die Besel Mariann zur Besel Leni und fragte sie nach ihrem Mann, nach dem Vetter Franz. Die Besel Leni gab darauf zur Antwort: "Was fragst du noch, natürlich in der Agraria, denn wenn so eine herrische Schlutt (Hose) kommt, da kann er doch nicht Zuhause bleiben. Jetzt wollen die in der Agraria auch noch eine Eiergenossenschaft gründen, da gehen wir Frauen auch hin und sagen unsere Meinung."

Zur rechten Gelegenheit ging die Besel Leni auch wirklich in die Agraria, meldete sich zu Wort und sagte: "Meine Herren! Unsere Männer habt ihr mit den Hengsten, mit den Stieren und den Sauen drangekriegt, aber bei den Eiern habt ihr das Glück nicht, für die sind wir Frauen zuständig. Wir setzen die Hühner an, ziehen die Küken groß, nehmen die Eier aus und dazu brauchen wir keine herrische Schlutt."

Diese wahre Begebenheit bildete in Lazarfeld längere Zeit den Gesprächsstoff in der Spinnstube.