Mir han en klene Heinrich kriet

Im Jahre 1912 überflutete eine ungewöhnlich große Hamsterschar unsere Kornfelder. Es schien, als hätte sich die ganze Hamstersippschaft auf die Wanderschaft begeben, um in unseren Fluren ein neues Heim zu beziehen. Diese Schädlinge vermehrten sich so sehr, daß unsere Saaten von einer teilweisen Vernichtung bedroht waren. Das Übel wurde Tag um Tag schlimmer, da sich die Schädlinge auch schon in Haus und Hof eingenistet hatten. Um nun ihrem Vernichtungswerk Einhalt zu bieten, wurde gegen sie eine gut organisierte Bekämpfungsaktion eingeleitet. Das ganze Dorf mobilisiert: Männer, Weiber, Kinder, Hunde, Katzen: sogar unsere Schweine wühlten nach dem Feind und schmausten von dem Fleische ihrer Beute. Diese Plage erreichte zur Zeit der Maisernte, bei Schulbeginn den Höhepunkt. Auf Schritt und Tritt konnte man das Geschrei der gequälten Tiere hören. Die Kinder hatten in der Schule bezüglich dieser Jagd fabelhafte Resultate zu berichten, wie: "Herr Lehrer, ich habe gestern fünf Kritschen (schwäbisch Hamster) erschlagen." Unser Hund hat sechs Kritschen zerfleischt." Unser Pferd zerstampfte einen Hamster." Ein anderer wieder sei sogar im Traum in ein Hamsterloch gefallen. Den schönsten Bericht erstattete der kleine Hansi, damals Schüler der ersten Klasse unserer Volksschule. Kaum betrat der Lehrer die Schule, da meldete er sich: „Was hast du zu sagen?" fragte der Lehrer. Das Gesicht des Kleinen strahlte vor Glück, als er die Freudenbotschaft verkünden konnte: "Herr Lehrer, mir han heut Nacht en klene Henrich kriet, der hat so g'schrie, daß ich g'ment han, unser Nonius (Pferd) steht uf en'r Kritsch."